Letztes Update am Do, 08.03.2018 15:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rad-WM 2018

Die Rad-WM in Innsbruck/Tirol, eine Herkulesaufgabe

In 198 Tagen beginnt die Straßenrad-WM in Innsbruck/Tirol, die bislang größte Sommersportver­anstaltung des Landes. Das Budget ausgeglichen zu gestalten, ist nur eine der kniffligen Veranstalter-Aufgaben.

© Innsbruck TourismusBeim Elite-Rennen geht es von der Innsbrucker Innbrücke aus über die Höttinger Gasse ans Herzstück: In der „Höll“ kann es richtig heiß werden.



Von Florian Madl

Innsbruck – So viele Sportveranstaltungen in Tirol auch stattfinden mögen, die Skepsis in der Bevölkerung bei aller Affinität zu solchen Ereignissen bleibt. Verkehrssorgen, Baustellen und Budgetlöcher stellten bei der Fußball-EURO 2008 einen schalen Nachgeschmack dar, die negativ beantwortete Olympia-Befragung für 2026 ergänzte das Bild. Das Risiko bei der anstehenden Straßenrad-Weltmeisterschaft 2018 im Land ist vergleichsweise überschaubar, wenn auch die Infrastruktur nur temporär benötigt wird (Tribünen) und sich die Verkehrseinschränkungen auf wenige Tage beschränken. „Wir hatten allein vergangene Woche 21 Verhandlungen dazu“, verweist Geschäftsführer Georg Spazier auf Behördengänge.

Die Hauptaufgabe dürfte jedoch neuerlich die Absicherung des Budgets darstellen, das laut Spazier sehr niedrig dimensioniert sei. TT-Informationen zufolge beträgt es 12,752 Millionen Euro – ein Bruchteil gegenüber jenem von Doha 2016.

Das ändert nichts an der Notwendigkeit, das erst zu drei Viertel ausfinanzierte Tirol-Etat zu garantieren. Von öffentlicher Seite werden 9,53 Millionen Euro bereitgestellt, die Summe ist dem Fördervertrag zufolge gedeckelt und werde auch bei einer möglichen Überschreitung nicht erhöht. 3,22 Millionen Euro betrug bei Erstellung des Vertrags die Differenz zum geplanten Budget – Geld, das vor allem Sponsoren garantieren sollen. WM-Geschäftsführer Georg Spazier sieht sich gut sechs Monate vor Event-Beginn dennoch auf Kurs: „Wir stehen mit zwei großen internationalen Unternehmen vor dem Abschluss.“ Natürlich gäbe es noch „frei verfügbare Sponsoringpakete“, deswegen habe man mit UCI-Partnern bereits Gespräche geführt. Was bei Großveranstaltungen wie den Olympischen Spielen, die der Tiroler zuletzt in Rio de Janeiro als Manager des Rad-Stadions begleitete, gleich bleibt: Die TV-Übertragungsrechte, eine der Haupteinnahmequellen, werden vom Radsportweltverband verwaltet.

„Der internationale Sponsoringmarkt ist hart umkämpft, die großen Töpfe sind weg“, gibt Spazier zu bedenken und macht aus dem Restrisiko keinen Hehl: Das habe man „allein wettermäßig. Und wenn Sagan (dreifacher Rad-Weltmeister, Anm.) nicht kommt, sind 20.000 Slowaken weniger bei der WM.“

Um die Veranstaltung zu finanzieren, gehe man eigen­e Wege: „Wir sind die erste Rad-WM mit einem Ticketing-Bereich.“ Etwas, das dem Vorgänger in Bergen (NOR) fehlte. Dort schloss man auch deshalb mit einem Minus ab.

Rad-WM Innsbruck/Tirol 2018

Termin: 22.–30. September 1000 Athleten, 90 Nationen, 2000 Betreuer, zwölf Bewerbe (Junioren, U23, männl./weibl. Elite), 500.000 Zuschauer, 1500 Volunteers/Streckenposten

Web:

Budget: 12,752 Mio. Euro

Öffentliche Beiträge:

9,53 Mio. Euro – Bund 3.000.000 Mio. Euro, Land Tirol 3,000.000 Euro, Tirol Werbung 1,000.000 Euro, TVB Innsbruck 1,000.000 Euro, Stadt Innsbruck 680.000 Euro, Kufstein 450.000 Euro, Ötztal 150.000 Euro, Alpbachtal 200.000 Euro, Wattens 50.000 Euro; Differenz: 3,222.150 Euro (Stand April 2017)

Weitere Einnahmen: Sponsoren, VIP-Tickets, Hospitality-Bereich, Merchandising, Stände (Catering).

Österreich war bereits 1987 (Villach) und 2006 (Salzburg) Veranstalter einer Straßenrad-Weltmeisterschaft.




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