Letztes Update am Fr, 13.07.2018 06:26

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wimbledon

Die Neuauflage eines Klassikers: Djokovic fordert Nadal

Nach 51 Duellen hat Novak Djokovic gegen Rafael Nadal mit 26 Siegen knapp die Nase vorne. Egal, wer ins Wimbledon-Endspiel einzieht, dort wartet ein Überraschungsmann.

© imagoAuf dem Weg zum Titel-Hattrick in Wimbledon schnappte Djokovic Nadal 2011 die Siegertrophäe weg.



London – Die Halbfinali beim Tennis-Grand-Slam von Wimbledon werden in einem Klassiker und einem Duell zweier Top-Aufschläger entschieden. Rafael Nadal gegen Novak Djokovic gibt es am Freitag zum 52. Mal auf der Tour, die Bilanz ist mit 26:25 für den „Djoker“ quasi ausgeglichen. In der oberen Tableau-Hälfte machen sich Kevin Anderson und John Isner aus, wer von den beiden zum Überraschungsfinalisten wird.

49 Spiele zwischen 2006 und 2016 - seitdem nur zwei

Djokovic gegen Nadal ist eine der größten Rivalitäten im modernen Profi-Tennis. Da die beiden vielfachen Grand-Slam-Turniergewinner zuletzt nicht immer zeitgleich auf ihrer Höhe waren, gab es im Vorjahr und heuer bisher nur je ein Duell gegeneinander. Die übrigen 49 Matches lagen aber von den French Open 2006 bis zum Masters-1000-Turnier 2016 in Rom und damit innerhalb von zehn Jahren. Djokovic gewann alle insgesamt sieben Vergleiche 2015 und 2016, die jüngsten beiden Duelle gingen aber an Nadal.

Nun scheint die Ausgangslage offen. Nadal ist Weltranglisten-Erster und als Nummer zwei der höchstgereihte Spieler der Halbfinalisten. Unter die letzten vier am „heiligen Rasen“ hatte es der 32-Jährige seit 2011 nicht mehr geschafft. Stärke wird ihm auch der am Mittwochabend nach 4:47 Stunden gewonnene Viertelfinal-Hit gegen den Argentinier Juan Martin del Potro geben. Für den elffachen French-Open-Sieger geht es um sein gesamt sechstes Wimbledon-Endspiel nach 2006, 2007, 2008, 2010 und 2011.

Jene 2008 und 2010 hat Nadal gewonnen, sein dritter Triumph beim dritten Saison-Major wurde ihm vor sieben Jahren von Djokovic verwehrt. Dies war die Titel-Premiere des heute 31-Jährigen an der Church Road. Es folgte eine Endspiel-Niederlage 2013 gegen den Schotten Andy Murray, in den beiden Jahren darauf aber zwei weitere Triumphe - jeweils gegen Roger Federer. In seinem fünften Wimbledon-Finale hätte Djokovic also die Chance auf seinen vierten Titelgewinn bei diesem Traditionsturnier.

Kevin Anderson schaltete im Viertelfinale nach fünf hartumkämpften Sätzen Roger Federer aus.
- Reuters

Nadal hat jedenfalls Respekt vor ihm: „Gegen Novak ist es immer eine große Aufgabe. Er ist einer der komplexesten Gegner.“ Djokovic sei wieder an seinem höchsten Niveau angekommen und spiele derzeit wirklich gut. Es ist Djokovic‘ Rückkehr in ein Grand-Slam-Halbfinale nach knapp zweijähriger Pause. „Das ist super“, erklärte er nach seinem Viertelfinalsieg in vier Sätzen gegen den Japaner Kei Nishikori. „Ich habe mich schon während der Sand-Saison langsam dahingearbeitet. Es geht immer besser und besser.“

Vorteil Nadal in Wimbledon

Bisher insgesamt dreimal trafen der wiedererstarkte Djokovic und der unverwüstliche Nadal in Wimbledon und auch insgesamt auf Rasen aufeinander. Die Premiere im Halbfinale 2007 endete mit einer Aufgabe von Djokovic, der war auch bei Nadals erstem Titelgewinn in London sein Gegner. Und dann war eben noch das Endspiel 2011. Auf ihren Wegen unter die letzten vier gaben beide Akteure nur je zwei Sätze ab - Nadal beide gegen Del Potro, Djokovic gegen Kyle Edmund (GBR) und Nishikori.

Ein Finaleinzug würde Djokovic auf Platz elf der Weltrangliste vorbringen, mit dem Titelgewinn am Sonntag würde er in die Top Ten zurückkehren. An der Spitze ist hingegen seit dem sensationellen Viertelfinal-Out Federers am Mittwoch gegen Anderson klar, dass nach einem monatelangen Kopf-an-Kopf-Rennen Nadal dem Eidgenossen im Ranking nun davonzieht. Schon nach aktuellem Stand wird der Südeuropäer am Montag im Ranking 2.230 Punkte Vorsprung haben. Daraus könnten sogar 3.510 werden.

Mit Turniersieg auf Platz fünf

Viel weniger Meriten als Nadal und Djokovic haben die beiden anderen Halbfinalisten. Anderson ist nach seinem erstaunlichen Comeback-Sieg nach 0:2-Satzrückstand und Matchball-Abwehr gegen Federer wohl zu favorisieren. Der 32-Jährige bewies spätestens in dieser Partie, dass er mehr als nur gut aufschlagen kann. Sein bisher größter Erfolg war der Einzug ins US-Open-Finale 2017. Anderson hat mit Position sechs ein neues Karrierehoch schon sicher, ein weiterer Sieg würde ihn auf Platz fünf bringen.

Diesen fünften Weltranglistenplatz hat auch Isner in Reichweite, müsste dafür das Turnier aber gewinnen. Ein Erfolg über Anderson würde den 2,08-m-Riesen an seinen Gegner vorbei auf Platz sechs bringen. Position acht ist Isner sicher, auch ein Karriere-Hoch. Isner steht erstmals in einem Grand-Slam-Halbfinale, das Head-to-Head mit Anderson spricht aber mit 8:3 klar für ihn. Das bisher letzte Duell liegt jedoch schon mehr als drei Jahre zurück, der einzige Rasen-Vergleich ging 2008 in Queen‘s an Isner.