Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 31.07.2018


Beachvolleyball

Heim-Major in Wien: Ohne Strand mehr Stimmung

„Alles Beachvolleyball“ heißt es ab heute auf der Wiener Donauinsel. Daheim zeigen oftmals ÖVV-Teams auf, weil es ausgerechnet im Wintersportland die weltbesten Fans dafür gibt.

© gepaDie rotweißroten Beachvolleyball-Fans heizen den Spielern auf der Wiener Donauinsel gehörig ein.



Von Susann Frank

Wien – Österreich bietet keinen Sandstrand. Das Land der Berge hat die Sommersportart Beachvolleyball auch nicht erfunden und ist doch von der Stimmung her für das beste Turnier der Welt bekannt. Warum das so ist? Auf diese Frage hat Martin Ermacora keine Antwort.

Doch aus Erfahrung weiß Tirols Beachvolleyball-Zukunftsaktie: „Es gibt nirgends diese Begeisterung. Nirgends strömen die Menschen schon bei der Qualifikation ins Stadion und feuern lautstark an.“ Laut dem 24-Jährigen kann diesbezüglich nicht einmal eins der weiteren Major-Turniere am Strand von Fort Lauderdale mithalten, im Ursprungsland des Sports. Verständlich, dass sich die weltbesten Spieler und insbesondere die heimischen Duos auf ihre Auftritte am Center Court freuen.

Zum zweiten Mal in der Geschichte auf der Wiener Donauinsel. In einem Stadion, wo ab morgen 8000 Fans auf steilen Rängen Platz finden. „Vergangenes Jahr haben wir ein Spiel gebraucht, um uns an die Nähe der Fans zu gewöhnen“, erinnert sich Ermacora. Bei der WM 2017 landete er mit Partner Moritz Pristauz auf dem 17. Platz. Ein gutes Ergebnis für das junge Team. Eines, worüber sich der Natterer diesmal freuen würde. „Derzeit ist es leider so, dass wir einen außergewöhnlichen Tag brauchen, um aus der Gruppe zu kommen. Alles Weitere wäre Draufgabe.“ Sie hätten zwar spielerisch zugelegt, es bei Turnieren jedoch noch nicht zeigen können.

Die heimischen Teams mit dem Tiroler Martin Ermacora (l.) spornt das an.
- APA

Ein Problem, das ihre Trainingspartner und die Überraschungs-Vize-Weltmeister vom Vorjahr Clemens Doppler und Alex Horst kennen. Die rotweißroten Aushängeschilder kamen wie Ermacora bei einem World-Tour-Turnier in dieser Saison noch nicht über einen 17. Platz hinaus. „Es ist ähnlich wie letztes Jahr. Ich finde nicht, dass wir schlecht spielen“, sagte Horst.

Er setzt eben auf den feurigen Faktor Fans, so wie das Publikum die Mixtur aus Spitzensport und Partyfeeling schätzt: „In Wien ist sicher wieder alles möglich“, betont Horst. Mit den Zuschauern im Rücken könne wieder Großes gelingen. Sein 37-jähriger Partner Doppler hofft, mit einem guten Start und unter Mithilfe der Fans wieder auf eine Erfolgswelle aufspringen zu können. Für beide Duos ist das Heimpublikum ausschließlich Ansporn, kein Druck-Faktor. „Für uns ist es definitiv ein Vorteil, das haben wir schon oft gezeigt“, sagt Lokalmatador Horst.

Allerdings dürfen auch die besten zehn Herren-Teams mit Unterstützung rechnen und sich auf das Preisgeld von 300.000 Dollar (256.120 Euro/Damen dieselbe Summe) berechtigte Hoffnungen machen. Denn sie stammen nicht mehr wie früher aus Nord- und Süd-Amerika, sondern aus Europa. Es braucht mittlerweile auch keine kilometerweiten Sandstrände mehr in der Heimat, um top zu spielen.

Fakten

Zeitplan: heute: Qualifikation Damen und Herren ab 9 Uhr (Side Courts); morgen: ab 9.30; ab 12.30 Uhr am Center Court. Donnerstag, Freitag: ab 9.30 Uhr; Samstag: ab 10.30 Uhr, Finale Damen (17.15 Uhr). Sonntag: ab 12.30 Herren, 17.30 Uhr Finale.

Österreichische Teams im Hauptbewerb, Damen: Schützenhöfer/Plesiutschnig, Friedl/Strauss.

Herren: Doppler/Horst, Winter/Hörl, Ermacora/Pristauz, Wutzl/Frühbauer (beide Wild Card).