Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 31.07.2018


Generali Open

Abkühlung vor dem Thiem-Fieber in Kitzbühel

1091 Tage ohne Einzelsieg in Kitzbühel sollen für Tennis-Star Dominic Thiem morgen ein Ende finden: Der 24-jährige Tennis-Star hat den Titel als großes Ziel im Visier – doch der Gegner wird ein sehr unangenehmer.

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Von Roman Stelzl

Kitzbühel — Kurz vor acht Uhr abends am Schwarzsee. Dominic Thiem nimmt Anlauf, auf seinen Lippen liegt ein breiter Grinser. Der lange Trainingstag, die zermürbende Hitze am Tennis-Platz — das alles verschwindet jetzt für einen Moment von der Bildfläche. Mit einem kräftigen Satz springt Thiem an der Seite seines Trainingspartners Dennis Novak ins kühlende Nass — und all die Last auf den Schultern taucht mit dem 24-jährigen Niederösterreicher in die Tiefe ab.

Gut 16 Stunden später sitzt er im Kitzbüheler Sportpark. Es ist Montagmittag, High Noon, und das in mehrerer Hinsicht: Thiem ist da. Er stellt sich am ersten Tag der Generali Open den Fragen einer Schar an Journalisten, die gierig den Worten der Nummer eins des Turniers lauschen. Der Ausflug zum Schwarzsee ist jetzt nur noch eine Erinnerung — die Realität hat Österreichs Tennis-Star eingeholt.

Beim ersten öffentlichen Kitzbühel-Auftritt lockte Dominic Thiem gestern eine große Journalisten-Schar auf das Tennis-Areal.Foto: gepa/Hauer
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Und diese Realität dreht sich nur um ein Thema: Titel, Sieg, Triumph. Das Turnier baut all seine Hoffnungen auf den zehnfachen ATP-Turniersieger. Thiem ist der Top-Favorit. Er soll hier nicht nur viel gewinnen, sondern seinem Land den ersten Kitzbühel-Triumph nach Thomas Muster 1993 bringen. Alles andere käme fast schon einer Enttäuschung gleich.

„Der Druck ist bei Heimturnieren immer ein bisschen größer. Aber das bin ich gewohnt", sagt der French-Open-Finalist in den gut 20 Minuten, die er sich den Journalisten-Fragen stellt. Und Thiem ergänzt einen Satz, den hier alle hören wollen: „Das Ziel ist der Turniersieg." Zwischen dem Wollen und dem Sein scheint nur Thiem zu stehen. Spielt die Nummer acht der Welt in Bestform, dann können sich die Gegner trotz Hitze (über 40 Grad am Center Court) warm anziehen.

Doch die Frage ist: Wie fit ist Thiem wirklich? In Hamburg kam vergangene Woche unerwartet im Viertelfinale das Aus. „Mir geht es super. Ich habe am Bichlhof sehr gut trainieren können und freue mich, hier zu sein", sagt der Kitz-Finalist von 2014. Das Aus in Hamburg sei bitter gewesen, aber ad acta gelegt: „Das Match war richtig schlecht. Ich hätte es gewinnen müssen. Spielen tue ich generell gut, ich bin topfit."

Beim ersten öffentlichen Kitzbühel-Auftritt lockte Dominic Thiem gestern eine große Journalisten-Schar auf das Tennis-Areal.
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Der letzte Kitz-Einzelsieg datiert im August 2015 und liegt bereits 1091 Tage zurück. 2016 kam überraschend gegen Jürgen Melzer das Aus, im Vorjahr hatte Thiem das US-Turnier in Washington vorgezogen. Wenig erfolgreich. „Ich habe das probiert, weil ich die Jahre zuvor danach in Nordamerika schlecht gespielt habe", erklärt Thiem, der in Zukunft Kitzbühel die Treue halten will: „Wenn ich spiele, wird es sehr wahrscheinlich hier sein."

Der morgige Gegner wird aber so oder so eine harte Nuss: Entweder wartet der Steirer Sebastian Ofner, der mit fünf Siegen bei Challengern anreist und im Vorjahr im Halbfinale stand. Oder Martin Klizan, der Slowake, der neu motiviert und ein Top-Sandplatz-Spieler ist. Die beiden spielen am Dienstag (nicht vor 17 Uhr) um das Achtelfinale.

Davor spielt Thiem im Doppel mit Dennis Novak, mit dem er 2016 im Finale stand und sich daher auch hier zu den (Mit-)Favoriten zählen darf. Den beiden soll der Schwarzsee die nötige Abkühlung gebracht haben. Es wäre wichtig. Denn ab Dienstag grassiert nicht nur das Tennis-Fieber in Kitzbühel. Sondern auch das Thiem-Fieber.