Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 06.08.2018


Football

Gemischte Gefühle bei Österreichs Footballern nach EM-Silber

Nach der EM-Finalniederlage in Finnland gab es beim österreichischen Football-Nationalteam Freud und Leid.

© ToivonenAuf der Flucht: Sandro Platzgummer und Co. machten gegen die französische Defensive im Finale nicht viele Meter.



Von Alois Moser

Innsbruck — So sehr hatten sie vom ersten Titel für Österreich geträumt. Doch im Finale der Football-EM in Finnland gab es für die Österreicher bei der bitteren 14:28-Niederlage gegen Frankreich am Ende ein böses Erwachen.

Trägt das rot-weiß-rote Jersey mit Stolz: Adrian Platzgummer.
- AFBÖ

„Gemischt" beschrieb Adrian Platzgummer sein­e Gefühlswelt auf der langen Heimreise aus Finnland. „Man redet schon sehr viel drüber, was hätte sein können." Der Titel wäre auf jeden Fall drinnen gewesen für das junge österreichische Team. In der ersten Hälfte hatten Platzgummer und Co. nach einem frühen Rückstand nämlich schön langsam Oberwasser bekommen: „Wir haben sie mit unserem physischen Spiel überrascht."

Doch Patrick Esume, der deutsche Coach der Franzosen, stellte seine Verteidigung nach der Pause um. „Sie haben ein paar Änderungen in der Defensive vorgenommen und hatten das Spiel plötzlich sehr gut im Griff", mussten der 23-jährige Wide-Receiver und seine Kollegen im Angriffsverbund anerkennen. Im Gegensatz zur rot-weiß-roten Offensive, der in der zweiten Hälfte kein einziger Punkt mehr gelang, scorten die Franzosen gleich mit ihrem ersten Angriff nach dem Wiederbeginn. Und weil „Les Bleus", im Gegensatz zu den Österreichern, sogar noch einmal nachlegten, lagen Platzgummer und Co. auf einmal im Rückstand. „Das war eine neue Situation für uns", gab der erfolgsverwöhnte Spieler der Raiders offen zu.

Obwohl noch genug Zeit gewesen wäre, gelang den Österreichern aber kein einziger Punkt mehr. Frankreich neutralisierte erfolgreich das bis dato so gefährliche österreichische Laufspiel: „Danach mussten wir das Spiel völlig anders aufbauen." Was nur bedingt gelang. Trotzdem: „Die Stimmung war bis zum Schluss positiv", niemand hab­e die Flinte vorzeitig ins Korn geworfen: „Allerdings haben sich doch einige Fehler eingeschlichen." Kleinigkeiten, die aber weitere erfolgreiche Angriffe und eine Aufholjagd verhinderten.

So mussten der Innsbrucker und seine Teamkollegen mit der Silbermedaille vorliebnehmen und Spalier stehen, während die Franzosen sich Gold abholten: „Das war schon sehr bitter." Zum Feiern war anschließend niemandem zumute: „Aber wir haben sicher noch bis drei oder vier in der Früh über das Spiel geredet."

Mit 23 Jahren ist der älter­e der beiden Platzgummer-Brüder schon so etwas wie der Team-Oldie. Beleg dafür, dass die von Headcoach Shua­n Fatah neuformierte Mannschaft noch viel Zeit hat: „Wir waren sicher das jüngste Team im Turnier. Da kann noch sehr viel Gutes entstehen."

Trostpflaster: Auch als Verlierer des Finales („Ich hoffe, wir ziehen daraus unsere Lehren") haben sich die Österreicher für die WM 2019 in Australien qualifiziert. Aber jetzt geht es für Platzgummer und Co. erst einmal in den wohlverdienten Urlaub ...