Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 30.08.2018


Kletter-WM 2018

Schnupperkurs für Kletter-Asse in der Olympiahalle

Eine Woche vor der Heim-WM durften Österreichs Kletter-Asse gestern exklusiv in der Olympiahalle trainieren. Die Begeisterung war groß – der Vorteil soll aber nur klein sein.

© Michael KristenSpeed, Bouldern und Vorstieg: Österreichs Kletter-Asse rund um Jakob Schubert ...



Von Roman Stelzl

Innsbruck — Es ist ein wenig wie eine Vorahnung auf den Sturm, der hier in der Innsbrucker Olympiahalle noch als laues Lüftchen an der imposanten Kletterwand vorbeistreicht. Österreichs beste Athleten haben sich versammelt, sitzen teils ehrfürchtig vor der 15 Meter hohen Vorstiegs-Wand, bei der kommendes Wochenende die ersten Medaillen der Heim-Weltmeisterschaft vergeben werden. Jakob Schubert klammert sich an den Griffen fest, die ihn zu Gold führen sollen — einige Meter daneben holt sich Favoritin Jessica Pilz die letzten Tipps von Trainer Rein­i Scherer, bevor die Wahl-Innsbruckerin den Salzburger Max Rudigier sichert.

Für Österreichs WM-Team ist es ein erstes Abtasten mit dem Schauplatz der WM-Finalwettkämpfe. Obendrein ein exklusives. Keine andere Nation darf sich diesen vermeintlichen Vorteil zunutze machen.

... und Jessica Pilz testeten exklusiv das Ambiente der Olympiahalle.
- Michael Kristen

Doch was hier so sehr nach Geheimtraining klingt, soll in Wahrheit nur ein Schnuppertraining sein. Ein wenig Atmosphäre einatmen. Und, als wichtigster Punkt dieses Vorab-Kennenlernens: Es soll die Nervosität nehmen, die sich vor der Heim-WM mit den erwarteten 40.000 Zuschauern mehr und mehr aufbaut.

„Das mit dem Vorteil ist doch ein Quatsch. Dann dürfte keiner mehr mitklettern, der zweimal in Chamonix beim Weltcup dabei war", erzählt Schubert mit einem Lächeln auf den Lippen. „Für uns ist es einfach feiner, damit wir nicht ins kalte Wasser geworfen werden. Und ein Vorteil ist es vor allem für die Damen, die hier im Vorstieg zum ersten Mal dran sind."

Medaillenentscheidungen bei der Kletter-WM

Samstag (8.9.): Vorstieg Damen (19.00 Uhr).
Sonntag (9.9.): Vorstieg Herren (19.00 Uhr).
Donnerstag (13.9.): Paraclimbing (12.30/18.00 Uhr), Speed (20.00 Uhr).
Freitag (14.9.): Paraclimbing (17.45 Uhr), Bouldern Damen (19.00 Uhr).
Samstag (15.9.): Bouldern Herren (19.00 Uhr).
Sonntag (16.9.): Kombination (11.00 Uhr Damen/14.30 Uhr Herren).

„Für die Athleten ist es einfach nur ein Kennenlernen der Wand. Das ist ein erstes Herantasten an die WM in der Olympiahalle", beschreibt es Organisator Michael Schöpf. Und auch Heiko Wilhelm, Geschäftsführer im Verband (KVÖ), erklärt die Lage so: „Die Wand hier ist die gleiche wie im Kletterzentrum Innsbruck. Wir verwenden eigene Griffe und nicht die, die bei der WM verwendet werden." Um sicherzugehen, dass alles passt, wurde auch eigens beim Jury-Präsidenten angefragt. Wilhelm: „Es ist alles regelkonform."

Dabei kommt auch der 21-fache Weltcupsieger Jakob Schubert angesichts der imposanten Wand fast nicht mehr aus dem Staunen heraus. „Ich wusste schon, wie es aussieht. Aber wenn man hier drunter steht, ist das noch einmal ein ganz anderes Feeling", blickt Schubert hinauf auf die 10,25 Meter überhängende Wand und ermahnt sich quasi sogleich selbst im nächsten Satz: „Unsere erste Mission ist, die Qualifikation zu schaffen (im Kletterzentrum, Anm.). Danach wird das Halbfinale am schwierigsten werden. Und wenn ich es dann ins Finale schaffe, dann will ich das hier vor dem Publikum richtig genießen."

Atmosphäre einfach lässig

Auch die 21-jährige Niederösterreicherin Pilz — die große Damen-Hoffnung im ersten WM-Bewerb — zeigte sich von der Kulisse beeindruckt. „Das ist richtig cool geworden. Die Atmosphäre ist einfach lässig. Ich würde mich freuen, wenn ich hier vor all den Zuschauern im Finale klettern könnte", erklärte Pilz, die den Vorteil des exklusiven Trainings-Lehrgangs ebenfalls mehr psychologischer als sporttechnischer Natur sah.

Vorerst gilt es ja ohnedies erst einmal im bestens bekannten und für alle öffentlichen Kletterzentrum Innsbruck die Vorausscheidung zu überstehen. Denn dort beginnen alle bei null. Spätestens dann ist die Ruhe vorbei — und der WM-Sturm in vollem Gange. Und der soll am Ende mit einem österreichischen Medaillenregen enden.