Letztes Update am Mo, 03.09.2018 14:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sport

Ein Urteil mit Brisanz: Fällt der Internationale Sportgerichtshof?

Sportverbände wie die FIFA zittern: Ein Urteil aus Belgien könnte den gewohnten Ablauf bei Disputen im Sport umstürzen. Die Verpflichtung, den Internationalen Sportgerichtshof CAS als letzte Instanz anzuerkennen, ist demnach rechtswidrig.

© imago/ITAR-TASS(Symbolfoto)



Brüssel – Allein der Name Jean-Louis Dupont löst bei Internationalen Sportverbänden wie der FIFA großes Unbehagen aus. 1995 gehörte der Belgier zum Anwalts-Team von Jean-Marc Bosman, der das internationale Transfersystem zum Einsturz brachte. Der Jurist war auch nicht ganz unbeteiligt, dass Clubs von den Verbänden Kompensationszahlungen für die Abstellungen von Nationalspielern erhalten.

Doch nun landete Dupont in der vergangenen Woche einen weiteren Coup, der sich als folgenschwer für die internationale Sportgerichtsbarkeit erweisen könnte. Als Rechtsbeistand des Drittligisten FC Seraing hat er vor einem Brüsseler Berufungsgericht erwirkt, dass die Verpflichtung rechtswidrig ist, Streitigkeiten zwischen Spielern, Vereinen und Verbänden vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) zu regeln.

„Angesichts dieses Entscheids wird es den Verbänden in der Zukunft nicht mehr möglich sein, jedem Gegner in allen Fällen den Weg zum Schiedsverfahren bei CAS aufzuzwingen“, teilte Dupont zusammen mit seinen Anwaltskollegen mit. „FIFA und UEFA können sich jetzt nicht mehr hinter dem CAS verstecken.“

Zweifel an Unabhängigkeit der Richter

Das Urteil in Belgien zeigt: Es wird ernst für die Funktionäre in der Schweiz, denn das Konstrukt mit dem Internationalen Sportgerichtshof als unumstößliche Instanz wackelt. Ohnehin ist die Kritik am CAS groß. Erst jüngst haben ARD-Recherchen Zweifel an der Unabhängigkeit der CAS-Richter bestärkt. Demnach wird beanstandet, dass die Richter von einem Gremium benannt werden, das mehrheitlich aus Vertretern großer Sportorganisationen besteht. In mindestens zwei Fällen soll es fragwürdige Konstellationen mit potenziellen Interessenskonflikten gegeben haben, wonach CAS-Richter zugleich als externe Berater für Sportverbände tätig waren.

Es ist der alte Vorwurf: Wie kann ein Sportgericht bei Rechtsverfahren gegen internationale Verbände unabhängig sein, wenn es von diesen doch finanziert wird? 1984 wurde der CAS vom IOC gegründet. Zehn Jahre später folgte eine vollständige organisatorische Trennung, was aber nichts an der Finanzierung änderte. Präsident des CAS ist der Australier John Coates, der zugleich Vizepräsident des IOC ist.

Disput im Dritteigentümerschaft

Im Fall des FC Seraing ging es ursprünglich gar nicht um den CAS, sondern um das Verbot der sogenannten Dritteigentümerschaft (Third-Party Ownership, kurz TPO), das in den Statuten von FIFA, UEFA und nationalen Verbänden verankert ist. Die FIFA hatte dem Club untersagt, dass externe Investoren Rechte an Spielern erwerben. Der Fall landete vor dem CAS, der im Sinne der FIFA entschied. Daraufhin erst stellte Seraing die Unabhängigkeit des CAS in Frage und bekam Recht.

Nun ist auch der Weg frei für die ursprüngliche Klage. Der FIFA droht dann die nächste juristische Niederlage. Gegen Seraing. Und gegen Dupont, einem unangenehmen Gegenspieler. (APA/dpa)