Letztes Update am Di, 04.09.2018 13:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tennis

Thiem freut sich bei US Open auf Night Session mit Nadal

An heißen Match-Tagen trinkt Thiem bis zu zehn Liter.

Zu Kyrgios-Absage: „Keine große Schwächung für die Australier.“

© imago/Claudio GärtnerTennis-Star Dominic Thiem ist fokussiert auf das Duell mit Rafael Nadal.



New York – In der Nacht auf Mittwoch MESZ kämpft Dominic Thiem im Scheinwerferlicht der größten Tennisbühne der Welt vor rund 24.000 Fans im Stadion und Millionen vor den Fernsehgeräten gegen Titelverteidiger Rafael Nadal um den erstmaligen Einzug ins US-Open-Halbfinale. Nach seinem einstündigen Schlagtraining in der John McEnroe Academy auf Randall‘s Island, abseits vom Trubel der US-Open-Anlage von Flushing Meadows, hat sich „Geburtstagskind“ Thiem kurz Zeit für ein Interview mit der APA - Austria Presse Agentur genommen.

Der 25. Geburtstag ist ein besonderer, da denkt man vielleicht erstmals auch ein bisschen zurück. Dazu haben Sie zwar nicht viel Zeit, aber wie sieht denn die Zwischenbilanz aus?

Dominic Thiem: „Es schaut schon gut aus (lacht). Ich bin schon zufrieden mit den ersten 25 Jahren, aber so viel Macht gebe ich dem Geburtstag auch nicht. Ich fühle mich nicht anders als gestern. Es ist immer extrem nett hier in New York, weil ich habe schon ein paar Geschenke gekriegt. Ein paar sehr gute Freunde sind da, die Freundin natürlich und heute gehen wir traditionell alle gemeinsam essen. Das ist immer ein schöner Tag und es ist noch schöner, wenn ich wie in den letzten Jahren immer noch im Bewerb bin.“

Und jetzt folgt ein ganz großes Spiel gegen Rafael Nadal in der Night Session im Arthur Ashe Stadium. Träumt man davon als kleiner Bub?

Thiem: „Genau. An diese Night Session erinnere ich mich seit ewigen Zeiten. Da habe ich früher immer geschaut, bevor ich in die Schule gefahren bin, wenn die Matches länger gedauert haben. Es ist mit Abstand das größte Stadion der Welt. Das einzige Match, das ich dort gespielt habe, habe ich nicht fertig spielen können. Eigentlich ist es das erste große Match für mich auf dem Platz.“

Ihre besonders emotionalen Jubelszenen nach dem Sieg über Kevin Anderson sind um die Welt gegangen. Pusht Sie das auch selbst, wenn Sie sich das jetzt ansehen?

Thiem: „Sicher. Das hat ein paar Gründe gehabt. Erstens, dass es das Viertelfinale bedeutet hat, dann war es doch ein guter Sieg über einen Top-Ten-Spieler, der zur Zeit sehr gut spielt und natürlich auch der Matchball selber, der richtig geil war. Das war sicher einer meiner besten Matchbälle, das hat auch einiges dazu beigetragen. Das war ein ‚hot shot‘ und deshalb war der Jubel natürlich ein bisschen ausgelassener.“

Wie viel Zeit bleibt, nebenbei an etwas anderes zu denken - zum Beispiel, dass Nick Kyrgios nun fix nicht im Davis Cup gegen Österreich antritt?

Thiem: „Ich habe es gelesen. Aber ich glaube in seiner derzeitigen Form und so wie (Alex) de Minaur und (John) Millman spielen, ist es keine große Schwächung für die Australier. Sand ist auch nicht sein Lieblingsbelag, wenn es Rasen oder Hartplatz gewesen wäre, wäre es etwas anderes gewesen. Fürs Grazer Publikum tut es mir ein bisschen leid, weil er doch unfassbar zum Anschauen ist, so unterhaltsam wie kein Zweiter wahrscheinlich.“

Die sogenannten „NextGen“-Spieler sind bereits ausgeschieden. Sie sind der Jüngste, der noch im Bewerb ist. Ist das eine gewisse Befriedigung?

Thiem: „Ja, sicher, das ist immer schön. Ich will nicht unbedingt von einem Jüngeren überholt werden, das ist eh klar. Aber sonst ist es gut, dass ich jetzt im Viertelfinale bin. Ob ich jetzt der letzte Verbliebene bin oder nicht, ist mir eigentlich wurscht.“

Dieser erste Viertelfinaleinzug bei einem anderen Major als Paris war sicher ein Meilenstein. Realisiert man das am Tag danach ein bisschen mehr?

Thiem: „Ähm, noch nicht. Das realisiere ich immer, wenn das Turnier vorbei ist, und ich hoffe, dass es noch ein bisserl länger andauert. Ein, zwei Stunden habe ich es wirklich genossen. Da ist dieses Supergefühl mit dem ganzen Adrenalin und so. Dann habe ich eh schon an das nächste Match gedacht.“

Gegen Rafael Nadal wird man wohl einen ganz anderen Dominic Thiem als gegen Anderson sehen.

Thiem: „Ja, ich werde sicher weiter vorne retournieren (lacht). Ich habe gegen Rafa schon einige sehr gute Partien gespielt. Ich werde halt versuchen, dass ich die guten Sachen, die ich in den Matches gemacht habe, als ich ihn geschlagen habe, auch umsetzen kann. Ich hoffe halt, dass es auf Hardcourt ein bisserl einfacher ist, das Ganze umzusetzen, als auf Sand.“

Wie ist das Feedback von zu Hause?

Thiem: „Ich krieg‘ hunderttausend Nachrichten zum Geburtstag, das ist eh klar, aber eigentlich beantworte ich meistens nur die engeren Freunde, die ganz wichtigen Personen in meinem Leben. Aber trotzdem, es ist schön, wenn einige Leute gratulieren.“

Die Hitze ist nach New York zurückgekehrt. Man hört, Sie trinken bei so heißen Bedingungen inklusive Vorbereitung und Match bis zu zehn Liter am Tag, was sehr viel klingt. Wie viel Flüssigkeit nehmen Sie an einem normalen Tag zu sich?

Thiem: „Da trinke ich auch vier bis fünf Liter. Ich habe es mir einfach so angewöhnt und ich fühle mich irgendwie generell besser, wenn mein Körper quasi durchgespült wird. Ich schwitze extrem viel, ich rinne aus, vor allem bei solchen Bedingungen, und dann ist es wichtig, dass ich das wieder auffülle.“

Das Gespräch führte Gerald Widhalm/APA