Letztes Update am Mi, 05.09.2018 12:07

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US Open

Thiem zieht positive Bilanz trotz „bitterer und böser Niederlage“

Der Niederösterreicher haderte nach dem Aus gegen Rafael Nadal mit den vergebenen Chancen, nimmt aber auch viel Positives für die Zukunft mit.

© imago sportfotodienstDominic Thiem muss sich nach einem unglaublichen Auftritt bei den US Open verabschieden.



New York – Trotz der späten Uhrzeit und der Anstrengungen vor bis zu fast 24.000 Zuschauern auf der größten Tennisbühne der Welt, analysierte Thiem sein Match und sein Turnier noch glasklar. „Nach zwei, drei Tagen werde ich sicher auf das Match zurückschauen und es genießen, wenn ich die Highlights anschaue“, sagte der 25-jährige Niederösterreicher.

Zwar sei die Niederlage sehr bitter, aber er wisse nun, „dass ich gegen jeden auf jedem Platz die Partie gewinnen kann“, betonte Thiem.

Sack im dritten Satz nicht zugemacht

Auch ihm war natürlich bewusst, dass er bei 3:1 im dritten Satz drei Chancen auf ein Doppelbreak vergeben hatte. „Es hat einige Schlüssel gegeben natürlich, ich habe auch auf den dritten Satz serviert, aber Nadal ist einer der besten Returnspieler aller Zeiten. Gegen ihn muss man oft mit einem Break rechnen.“ Ein oder zwei seien freilich zu einem ungünstigen Zeitpunkt gekommen. „Aber ich habe dann auch ein 0:40 aufgeholt bei 5:5 im fünften. Es hat sich eh wieder ausgeglichen.“

Ansonsten könne er sich vorwerfen, dass ihm einige Male der richtige Mix aus Risiko und Geduld gefehlt habe. „Aber generell war es ein Super-Match.“ Im Tiebreak des Entscheidungsdurchgangs sei es extrem offen gewesen. „Da ist halt immer eher Glück dabei. Wenn ich bei 5:5 den Passierball gescheit treffe, serviere ich vielleicht aufs Match.“

Befragt dazu, dass er hohes Lob von Tennis-Legende John McEnroe zu seiner Fitness erhalten hatte und wie lange er eigentlich noch weiterspielen hätte können, musste Thiem lachen. „Ich war schon froh, dass ein Tiebreak war und dass es nicht ausgespielt worden ist.“ Es sei ihm aber schon bewusst, dass er so fit ist. „Und dass er (Nadal, Anm.) so fit ist sowieso. Das war nicht sein erstes so langes Match, für mich schon.“

Für den Weltranglisten-Neunten, der möglicherweise am Montag wieder Achter ist, hat sein erster richtiger Marathon auch eine wichtige Erkenntnis gebracht. „Es ist eine beruhigende Sache, die ich im Hinterkopf habe, dass ich so lange auch gegen einen der toughsten Gegner spielen kann.“

Aus nicht mit letztem Jahr vergleichbar

Das Gesamtresümee nach vier Siegen und einer knappen Niederlage war ein positives. „Echt in Ordnung, vor allem, wenn man auch die letzten Wochen vor dem Turnier sieht. Die Niederlage ist richtig böse und bitter, aber auch komplett anders als letztes Jahr“, erinnerte er an seine Fünf-Satz-Niederlage gegen Juan Martin Del Potro im Achtelfinale der US Open. „Das Resümee fällt positiv aus, vor allem das Match gegen Anderson war sehr gut. Der Körper passt komplett, jetzt habe ich noch ein großes Ziel: Das ist Wien und dass ich mich wieder fürs Masters qualifiziere.“

Davor geht es aber nächste Woche zum Davis Cup in Graz. Federer-Bezwinger John Millman und Alex de Minaur haben sich als starke Gegner und in Form präsentiert. „Die Zwei spielen wahrscheinlich stärker zur Zeit als Kyrgios, vor allem auf Sand würde ich sagen. Die können beide auf Sand spielen. Es hat sich an der Ausgangslage nichts geändert. Die haben zwei Spieler in richtig guter Form, ich bin in richtig guter Form, der Dennis auch. Und deshalb können sich alle, die nach Graz kommen, auf eine geile Partie freuen.“

Auch Bresnik hadert

Coach Günter Bresnik war mit dem Auftritt seines Schützlings zufrieden, aber natürlich auch enttäuscht. „Spielerisch war der erste Satz super. Im Endeffekt war es enttäuschend, dass er den dritten Satz nicht ausserviert und dann gleich noch ein Break zum 7:5 kassiert.“ Da habe Thiem ein paar „Sitzer“ ausgelassen, „aber grundsätzlich hat er gut gespielt“. Besonders angetan hat es Bresnik die Rückhand. „Da hat er heute wirklich viele Winner geschlagen.“

„Es war ein richtig gutes Match“, bekräftigte der 57-Jährige. Und auch die Bestätigung eines Wissens, nämlich, dass sein Schützling enorm fit ist. „Sicherlich, gegen Nadal eine Fünfsatz-Partie spielen ist quasi der ultimative Test. Den hat er eindeutig bestanden, was die Fitness anbelangt.“ (APA)