Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.10.2018


Bilanz

Viel Lob für Rad-WM in Tirol: Die Latte für Yorkshire liegt hoch

Bei der Rad-WM in Tirol stehen Aufräumarbeiten an, in 353 Tagen findet die 92. Auflage der Großveranstaltung in Yorkshire (GBR) statt. Für die heimischen Veranstalter gab es viel Lob, das OK-Budget sollte halten.

© BettiniBilder wie dieses aus Innsbruck werden sich nachhaltig in den Köpfen der Tiroler Zuschauer verankern.



Von Florian Madl

Innsbruck — Seit gestern gehört der britischen Grafschaft Yorkshire die WM-Bühne, die UCI-Fahne wurde vom Innsbrucker WM-Geschäftsführer Georg Spazier an die britische Delegation weitergereicht. Von 22. bis 29. September 2019 geht es auf der Insel ums Regenbogentrikot.

Allein die Zahlen veranschaulichen die andere Dimension dieser Rad-WM in England: „Das Budget liegt dort bei 20 Millionen Euro, die Werberechte wurden fast alle der UCI überlassen", erzählt Spazier von Gesprächen mit den Briten. Das Tiroler Etat (13 Mio. €) bezeichnet der WM-Geschäftsführer indes als das „effizienteste aller Zeiten". Man habe sich zuletzt bei 13,2 Mio. Euro bewegt, die 25.000 verkauften Tickets (5500 VIP) deckten zehn Prozent. Nachwehen seien nicht zu erwarten, heißt es.

Zurück zu Yorkshire, dem kommenden WM-Schauplatz: Dort ergänzt Paracycling (Körperbehinderte) das Programm, das noch in Tirol durchgeführte Teamzeitfahren ersetzt ein Mixed-Rennen. Während allerdings das Herren-Elite-Rennen in Tirol mehr mit Höhenmetern (4680) punktete, setzte man in Großbritannien auf die Länge (285 km).

Lob für Tirol gab es gestern von allen Seiten, UCI-Präsident David Lappartient etwa sprach „von einem vollen Erfolg". Und auch eine Delegation der Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio staunte angesichts des Ablaufs — man kam nach Österreich, um zu lernen. Und manche Teams hätten sich laut Georg Spazier so wohl gefühlt, dass in der Teamleitung die Angst vor Urlaubsgefühlen umgegangen sei. Dazu passt: Der Online-Werbewert der WM soll laut Tirol Werbung 82,7 Millionen Euro betragen haben (11.900 Artikel). Das Lob und die Bilder der vergangenen Tage veranlassten auch den zweiten WM-Geschäftsführer Andreas Klingler zu einem Gedankenspiel: „Möglicherweise könnten wir auf der WM-Strecke eines Tages ein World-Tour-Rennen (höchste Kategorie, Anm.) veranstalten."

Vorerst stehen Aufräumarbeiten an, bis heute sollte das Gros aus dem Blickfeld verschwunden sein. Das WM-Lager wird geräumt, die Shuttles werden retourniert, in den kommenden Wochen steht schließlich noch der Rückbau der Verkehrsmaßnahmen (Kreisverkehr etc.) an.

Auch die Funktionäre des Rad-Weltverbands UCI packten ihre Sachen. In einer der letzten Presseaussendungen zur WM in Innsbruck wurden 1288 Magnet- und Röntgen-Untersuchungen angegeben — allesamt negativ. Womit das Radfest in Innsbruck auch von dieser Seite kein Nachbeben zu befürchten hat. Denn auch wenn die Verkaufszahlen der E-Bikes steigen: Noch gibt sportlich das muskelbetriebene Rad den Ton an. Dazu passt, dass am Wochenende in Sillian erstmals offiziell ein E-Bike-Weltmeister gekürt wurde. Alejandro Valverdes Pendant auf dem motorbetriebenen Drahtesel kommt übrigens aus Deutschland und heißt Jochen Käß ...

Eine der am stärksten frequentierten Kurven während der Rad-Weltmeisterschaft in Innsbruck. Vom Anstieg nach Aldrans schwärmten die Stars im Anschluss.
- Ernst Lorenzi