Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.10.2018


Rad-WM 2018

Nach dem WM-Titel folgte bei Valverde die große Party

Bevor Alejandro Valverde die Heimreise antrat, feierte der Spanier in seiner Hopfgartner Unterkunft bis spät in die Nacht.

© Sportresort Hohe SalveGefeiert wurde nicht zuletzt mit einer Magnum-Flasche Champagner, die Alejandro Valverde überreicht wurde.



Innsbruck – Gefeiert wurde ebenso lange wie zuvor beim WM-Rennen, das Alejandro Valverde gewonnen hatte: mit Gattin Natalia Mateo und dem spanischen Team im Sportresort Hohe Salve. Die iberische Equipe war eine Woche lang mit der dänischen Nationalmannschaft in Hopfgarten untergebracht. „Das ganze Team hat sich mit dem frisch gebackenen Weltmeister gefreut. Es war sehr viel Emotion dabei“, ließ Eigentümer Manfred Pletzer wissen. Eine ähnliche Episode kennt man von Spaniens Fußballern, die 2008 in Österreich Europameister wurden. Unterkunft: ein Stubaier Hotel.

Emotion war schon unmittelbar nach dem Rennen spürbar: Ein spanischer Fotograf weinte im WM-Zielraum vor der Hofburg in Innsbruck dicke Tränen der Rührung. Bei der Pressekonferenz im Congress wurde der neue Rad-Weltmeister Valverde von vielen Journalisten mit fast stürmischem Applaus begrüßt. War da was? Die dunkle Vergangenheit des Altmeisters aus Murcia spielte in der Tiroler Landeshauptstadt im Nachgang des spektakulären WM-Finales vom Sonntag keine Rolle.

Selbst der entthronte Weltmeister Peter Sagan (l.) stand nicht an, seinem Nachfolger Alejandro Valverde zum Titel zu gratulieren.
- Reuters

Da war die Stimmung vor sechs Jahren nach dem Olympia-Finale in London noch eine ganz andere. Die Zeit zum Vergessen war damals offensichtlich noch zu kurz. 2012 siegte Alexander Winokurow, ebenfalls ein Mann mit Doping-Vergangenheit, der ebenso wie Valverde zwei Jahre gesperrt war. Der Kasache, einst Edelhelfer von Jan Ullrich beim Team Telekom, ist dem Radsport als Manager des Astana-Teams erhalten geblieben.

Aber Erinnerungen an früher waren in der Olympiastadt Innsbruck Schnee von gestern. Die Show gehörte Valverde, der sogar eine Umarmung vom entthronten Titelverteidiger Peter Sagan („Der Richtige hat gewonnen“) bekam.

15 Jahre hatte er es immer wieder versucht. Nach sechsmal WM-Edelmetall reichte es endlich zum ersten, heiß ersehnten Gold. „Ich war immer wie verrückt hinter WM-Gold her. Auch hinter einem Tour-de-France-Sieg, aber das war mir nicht möglich“, sagte der nach dem Niederländer Joop Zoetemelk (1985) zweitälteste Champion der Geschichte überglücklich.

Seine sportliche Vita liest sich wie ein dickes Rekordbuch: Viermal gewann Valverde, ein „Puncher“ mit großen Kletterqualitäten, den ältesten aller Klassiker, Lüttich-Bastogne-Lüttich. Fünfmal den Flèche Wallonne, 2009 die Vuelta. Er sammelte Etappensiege in allen drei großen Länder-Rundfahrten.

Im Vorjahr beim ersten Tour-Zeitfahren auf den regennassen Straßen von Düsseldorf wäre seine Karriere fast zu Ende gewesen: Er raste in die Absperrgitter, brach sich die Kniescheibe, das Sprunggelenk und erlitt eine tiefe Schnittwunde am linken Bein. Nicht zuletzt deshalb sprach er im Rückblick auf diese schweren Zeiten von seinem Weltmeister-Titel als „Geschenk“. (TT, dpa)