Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 10.10.2018


Volleyball

Für die Hypo Alpenvolleys steht ein entscheidendes Jahr vor der Tür

Für die Hypo Tirol Alpenvolleys fällt der Startschuss in die neue Saison der deutschen Liga am kommenden Wochenende. Für Manager Hannes Kronthaler wird es nicht nur sportlich ein wichtiges Jahr.

© Forcher/AlpenvolleysDie Zeit des Wartens ist vorüber: Die Volleyballer der Hypo Tirol Alpenvolleys sind heuer wieder in der Olympiaworld zu Gast.



Von Daniel Suckert

Innsbruck — Dass man sich im ersten Untergeschoß und nicht in einer zuerst angedachten Suite des Aus­tria Trend Hotels traf, kommentierte Manager Hannes Kronthaler gewohnt locker: „Ich bin lieber im Keller als in der Suite. Schließlich befinde ich mich mit meinem Verein nicht in einer Wohlfühlzone." Der Zillertaler gab sich vor dem Saisonstart am Sonntag bei den Netzhoppers passenderweise angriffslustig.

Neue Wege: Sportlich sei man besser als im Vorjahr aufgestellt. Man habe sechs Akteure abgegeben und ebensoviele neu verpflichtet — inklusive Qualitätssteigerung. „Unser Drei-Jahres-Plan war klar: zuerst Platz fünf, dann drei und danach Meister. Dass wir gleich im ersten Jahr Rang drei geholt haben, war natürlich schön", holte der Bau-Löwe aus. „Ich will wieder ins Semifinale. Und wenn es ganz gut geht, noch eine Überraschung landen."

Was die Zuschauer betrifft, konnte man im Vorjahr insgesamt einen Schnitt von 1500 verbuchen. Dass es heue­r noch mehr werden, daran arbeitet die Marketing-Abteilung rund um Christian Sigl: ein neuer Online-Fanshop, ein neues WhatsApp-Service und zudem eine Kooperation mit einigen heimischen Volleyball-Vereinen, die bei den Spielen die Balljungen stellen können und dafür gratis in die Halle dürfen.

Budget auf 1,5 Millionen Euro aufgestockt

Ohne Moos nix los: Die Hypo Tirol Alpenvolleys haben das Budget von 1,3 auf 1,5 Millionen Euro aufgestockt. Von den 200.000 Euro kommen 60.000 von neuen Tiroler Partnern, die Kronthaler an Land ziehen konnte. Zusätzlich wurde das Personal von vier auf sechs Angestellte erhöht. Das finanzielle Hauptziel ist klar definiert: „Ich will einen Groß-Sponsor in Bayern. Es nützt mir nichts, wenn die Halle in Unterhaching ständig voll ist, die Gelder aber nicht fließen. Alles, was heuer mehr ausgegeben wird, muss ich bei fehlenden Sponsoren im nächsten Jahr bei der Mannschaft einsparen. Das will ich aber nicht."

Dass heuer der Europacup in Unterhaching gespielt werden muss, daraus will der Alpenvolleys-Macher Kapital schlagen. Und der Ex-Nationalspieler macht keinen Hehl daraus, das Drei-Jahres-Projekt davon abhängig zu machen: „Ich bin nicht die Caritas und will auch nicht um Platz sechs spielen. Entweder es funktioniert oder man muss nach drei Jahren die Konsequenzen ziehen." Welche? „Entweder alle Spiele in Innsbruck austragen oder mit dem halben Budget wieder in Österreich spielen. Vielleicht sollte ich doch einmal bei Red Bull anrufen", ergänzte Kronthaler lächelnd.

Nur schwarz will der Boss aber (noch) nicht malen. Die deutsche Liga funktioniere sehr gut, man habe doppelt so viel Präsenz durch das Fernsehen (Sport 1) und die dazugewonnene deutsche Medienlandschaft. Allein die ZDF-Dokumentation über das Tiroler Volleyball-Projekt habe „160 Millionen Werbeträger erreicht".

Volleyball - Termine, Kader, Neuerungen

1. Runde: Netzhoppers Königspark — Hypo Tirol Alpenvolleys So, 16 Uhr
Kader (12): Ringseis (AUT/Libero), Hodges (AUS/Diagonal), Klets (RUS/ Diagonal), Pollock (USA/Block), Sagstetter (GER/Außenangriff), Gelinski (Aufspieler), De Leon (Außenangriff), Frances (Block), Kapitän Duarte (Block/alle BRA), Halaba (POL/ Außenangriff), Kronthaler jr. (AUT/Außenangriff), Koncal (SVK/Aufspiel).
Neuerung: Die internationalen CEV-Spiele (K.-o.-Modus) müssen in Unterhaching gespielt werden. Neben dem neuen Online Fanshop und einer WhatsApp-Gruppe (Infos auf der Homepage) gibt es die „Hand in Hand"-Aktion. Die Alpen­volleys laden Volleyball-Vereine ein, die Balljungen zu stellen. Dafür gibt es Freikarten.

Europa, wir kommen: Und da wäre noch ein anderes leidiges Thema: der Europacup. Trotz Zusage im Vorfeld darf man nun doch nicht in Innsbruck aufschlagen. Kronthaler: „Das schmerzt. Besonders, wo wir die Hall­e so toll hergerichtet haben. Unsere LED-Bande war ja sogar bei der Kletter-WM im Einsatz."

Das Hallen-Problem will man im kommenden Jahr noch einmal angehen. Heue­r muss der deutsche Cup als Ersatz dienen. „Wenn wir aber 2019 in der Champions League aufschlagen, will ich in Innsbruck spielen." Beim heurigen CEV-Cup hofft man auf einen längeren Verbleib — in Runde zwei würde allerdings schon der italienische Top-Club Trentino warten.

Von Seiten Kronthalers habe man „alles mobilisiert. Wir bewegen uns, Stillstand stellt keine Alternative dar." Jetzt bleibt abzuwarten, ob das Volleyball-Spitzenprodukt Tirol in den Bann ziehen kann. In jedem Fall wird der Alpenvolleys-Macher ehrlich bilanzieren. Und dann reagieren. Egal, in welche Richtung.