Letztes Update am Mo, 29.10.2018 11:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Formel 1

Selbst Konkurrent Vettel verneigte sich vor Weltmeister Hamilton

In Gedenken an seinen verstorbenen Großvater feierte Lewis Hamilton schaumgebremst seinen fünften WM-Titel. Die Motorsport-Welt zog vor dem alten und neuen Champions seinen Hut.

© imago sportfotodienstDas Interview mit David Coulthard brach Sebastian Vettel ab, um Lewis Hamilton zum Titel zu gratulieren.



Mexiko-Stadt – Mercedes-Star Lewis Hamilton verschwand zwischen Regalen und Kühlschränken. Ohne Glamour, ohne Glitzer. Mit beiden Händen hielt er den Union Jack fest, die britische Fahne hatte er sich um den Hals gelegt. Hamilton atmete fern des Trubels an einem historischen Formel-1-Tag in Mexiko für den neuen fünffachen Weltmeister tief durch und richtete den Blick nach oben - in Gedenken an seinen Opa. „Ich denke an meinen Großvater, er ist am Donnerstag gestorben, ich wollte ihn einfach nur stolz machen, ihn und meinen Vater. Es war keine leichte Zeit für unsere Familie“, betonte der Brite. Die Stimme stockte dabei.

Des Stolzes der Verwandten väterlicherseits aus der Karibik, seiner gesamten Familie, seiner Freunde, und seiner Heimat England kann sich Hamilton gewiss sein. „Lewis Hamilton hat sein Erbe zementiert, das der Zeit standhalten wird“, schrieb die Zeitung „Independent“ am Montag. „Wenn die Geschichte des Motorsports von den Fahrern bestimmt wird, muss dies sicherlich jetzt als die Hamilton-Ära betrachtet werden“, meinte „The Guardian“.

Ehrliche Bewunderung von Vettel

Vor dem 33-Jährigen verneigte sich auch sein geschlagener deutscher Rivale. „Ich bewundere seine Leistung auf der Strecke“, betonte Sebastian Vettel. Noch vor der Siegerehrung gratulierte der 31-jährige Ferrari-Pilot seinem Bezwinger, legte den Arm um dessen Schulter und riet ihm, dass er es genießen solle. Fünf Titel seien etwas Unglaubliches. „Und ich habe ihn gebeten, auch nächstes Jahr wieder so zu fahren. Ich will gegen ihn in seiner Bestform fahren.“ Anschließend ging Vettel in den Besprechungsraum der Mercedes-Crew und beglückwünschte auch noch die teils verwundert blickenden Ingenieure und Silberpfeil-Angestellten.

Hamilton schien dagegen die Bedeutung und Tragweite seines Erfolgs lange nicht richtig fassen zu können. „Es fühlt sich nicht echt an“, sagte er auf seiner Pressekonferenz im Autodromo Hermanos Rodriguez. Danach flog er im kleinsten Kreis im Privatflieger nach Los Angeles. Er freute sich auf das Wiedersehen dort mit seinen beiden Hunden. Zwei Rennen stehen in dieser Saison noch aus: in Brasilien und in Abu Dhabi. Er kann sie zwar genießen, will nun aber auch noch die Saison mit dem fünften Titel in der Konstrukteurswertung für Mercedes in Serie perfekt machen. Der Vorsprung auf Ferrari beträgt 55 Punkte.

Mit dem Union Jack drehte Lewis Hamilton eine Ehrenrunde.
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Titel Nummer fünf nach 2008, 2014, 2015 und 2017 stellt ihn auf eine Stufe mit der argentinischen Formel-1-Ikone Juan Manuel Fangio, nur noch zwei WM-Triumphe ist er vom Rekord Michael Schumachers entfernt. „Ich habe nicht an diese Zahlen gedacht, weil ich nur diesen Titel im Kopf hatte“, sagte Hamilton. „Ich weiß auch nicht, ob ich die Chance habe, noch mehr zu gewinnen, aber ich gebe alles, es zu schaffen.“

Nur noch Michael Schumacher vor sich

In der nächsten Saison, seiner 13. in der Motorsport-Königsklasse, wird Hamilton mit 34 als zweitältester Fahrer im Feld antreten - nach dem weiterhin letzten Ferrari-Weltmeister Kimi Räikkönen (2007/39). Mehrfach betonte Hamilton am Wochenende in Mexiko, dass er sich noch auf weitere Jahre und das Duell mit Vettel freue. Dass er seinen bis einschließlich 2020 gültigen Vertrag noch einmal verlängern könnte, scheint ebenfalls realistisch.

„Solange er motiviert ist und genießt, was er macht, kann er noch viele Jahre fahren“, sagte Teamchef Toto Wolff. „Es kann eine Beziehung für die Ewigkeit werden“, bekräftigte der Wiener.

Für die Einstellung des Schumacher-Titelrekords bräuchte Hamilton rechnerisch aber sogar nur zwei Jahre. „Jetzt hat er nur Michael Schumacher und seine sieben Kronen vor sich“, schrieb die spanische Sportzeitung „Marca“. „Popstar, Schauspieler und fünfmaliger Weltmeister: Multitalent Lewis Hamilton auf dem Weg zu Michael Schumacher“, titelte „La Nacion“ aus dem Fangio-Land Argentinien.

Mehr Pole Positions als Schumacher hat Hamilton bereits (81:68), bei den Siegen liegt er noch zurück (71:91). „Der Grund, warum er die fünf Weltmeisterschaften gewonnen hat, ist, weil er sich nur auf den Job jetzt konzentriert und nicht zu weit nach vorne schaut“, kommentierte Wolff die Diskussionen um die Grenzen für den alten und neuen Champion in der Formel 1. Der 46-Jährige meinte mit Blick auf den besten Lewis Hamilton, den er in den vergangenen sechs Jahren in dieser Saison gesehen habe: „Ich denke, da kommt noch mehr.“ (APA)

Internationale Pressestimmen zum WM-Titel von Hamilton

DEUTSCHLAND

Bild: Hamilton zum 5. Mal Weltmeister. Jetzt ist er der Größte nach Schumi.

Frankfurter Rundschau: Motzend zur Krönung. Platz vier reichte locker zur großen WM-Fiesta: Lewis Hamilton hat sich mit einem lahmenden Silberpfeil in Mexiko seinen fünften Weltmeistertitel gesichert. Dem Mercedes-Star ist die WM-Krone im Duell mit Sebastian Vettel bereits zwei Rennen vor Saisonende nicht mehr zu nehmen, der Brite konnte seine Krönungsfahrt aber nicht genießen - er meckerte und fluchte während des Rennens am Funk immer wieder über seine Reifen.

Stuttgarter Zeitung: Lewis Hamilton krönt sich in Mexiko. Der Mercedes-Pilot ist wieder Weltmeister, Rivale Sebastian Vettel bleibt trotz Rang zwei erneut nur die Rolle des Gratulanten.

SCHWEIZ

Neue Zürcher Zeitung: Erfolg, Ego und Extrem. Lewis Hamilton wird zum fünften Mal Formel-1-Weltmeister und erreicht die Marke Juan Manuel Fangios.

Blick: Hamilton ohne Glanz zum 5. WM-Titel.

GROSSBRITANNIEN

Independent: Lewis Hamilton hat sein Erbe zementiert, das der Zeit standhalten wird.

Mirror: Lewis Hamilton hat seinen Namen in Mexiko in die Geschichtsbücher mit seinem fünften WM-Titel eingetragen.

The Guardian: Wir, wie er (Hamilton), sollten uns an seinen Leistungen erfreuen. Wenn die Geschichte des Motorsports von den Fahrern bestimmt wird, muss dies sicherlich jetzt als die Hamilton-Ära betrachtet werden.

The Telegraph: Es ist getan. Lewis Hamilton zählt nun so wie auch Juan Manuel Fangio und Michael Schumacher zu den einzigen F1-Fahrern, die fünf oder mehr Weltfahrertitel gewonnen haben. Der vierte Platz in Mexiko-Stadt reichte aus.

SPANIEN

Marca: Jetzt hat er nur Michael Schumacher und seine sieben Kronen vor sich. Ein Ziel für die nächsten beiden Jahre.

AS: Er stieg auf seinen kostbaren Mercedes, riss die Arme in den Himmel und hörte den spektakulärsten Lärm des Planeten: Lewis Hamilton im Baseball-Stadion Foro Sol an einem der wichtigsten Tage seines Lebens.

FRANKREICH

L‘Equipe: Wie in der vergangenen Saison reiste Lewis Hamilton in Mexiko an mit der Chance, die WM zu gewinnen. Wie in der vergangenen Saison hoffte er, es mit Bravour zu schaffen, mit einem Sieg. Aber wie in der vergangenen Saison musste er sich mit einem Ehrenplatz zufriedengeben, am Sonntag war es der vierte, um seiner Bilanz einen weiteren WM-Titel hinzuzufügen und mit den fünf WM-Erfolgen des Argentiniers Juan-Manuel Fangio gleichzuziehen.

ARGENTINIEN

La Nacion: Hamilton trifft den argentinischen Stolz. Er wird Champion in Mexiko und zieht mit Fangio gleich. Popstar, Schauspieler und fünfmaliger Weltmeister: Multitalent Lewis Hamilton auf dem Weg zu Michael Schumacher.