Letztes Update am Sa, 03.11.2018 20:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tennis

Thiem scheitert im Paris-Halbfinale, Djokovic schaltet Federer aus

Der Niederösterreicher war bei der 4:6, 1:6-Niederlage gegen den Russen Karen Chatschanow chancenlos. Djokovic bezwang Federer im Paris-Schlager nach 3:03 Stunden.

© imago sportfotodienstEndstation Halbfinale für Dominic Thiem.



Paris – Der Traum vom zweiten Finale auf Pariser Boden im gleichen Kalenderjahr ist für Dominic Thiem am Samstag geplatzt. Der French-Open-Finalist war am Samstag im Semifinale des Masters-1000-Turniers in Paris-Bercy gegen Moskau-Sieger Karen Chatschanow beim 4:6,1:6 überraschend chancenlos. Der als Nummer 6 gesetzte Niederösterreicher wirkte im ersten Duell mit dem 22-jährigen Russen in Satz zwei müde.

Damit bleibt es vorerst bei bisher zwei Finali auf 1000er-Niveau, die Thiem beide auf Sand in Madrid (2017 und 2018) erreicht hatte. Doch Thiem hat nach seinem zuletzt ersten Hallen-Titel in St. Petersburg bewiesen, dass man auch in der Herbst-Saison mit ihm rechnen darf. Zudem ist er nach dem Viertelfinal-Aus von Kei Nishikori (JPN) am späten Vorabend schon mit dem Wissen ins Match gegangen, dass er den London-Masters-Hattrick geschafft hat.

„Der erste Satz war sehr intensiv und schwierig. Als mir bei 4:4 das Break gelungen ist, das war der Schlüssel zum ersten Satz. Nach dem Break im zweiten Satz hat er von der Energie her nachgelassen“, konstatierte Chatschanow im Sky-Interview. Er selbst habe alles von Anfang bis Ende gut gemacht.

Das erste Aufeinandertreffen auf der ATP-Tour begann so ausgeglichen wie es von beiden erwartet worden war. In den ersten 28 Minuten blieben die Aufschläger bis zum 4:4 unantastbar, doch dann geriet Thiem plötzlich mit 0:40 in Rückstand. Zwei von drei Breakbällen konnte der Lichtenwörther noch abwehren, dann gelang aber dem Weltranglisten-18. gegen die Nummer 8 im ATP-Ranking die 5:4-Führung. Thiem fand zwar postwendend selbst sein ersten beiden Breakbälle vor, doch mit seinem zweiten Satzball stellte der Moskauer nach 41 Minuten die 1:0-Satzführung her.

Thiem verlor auch gleich zum Auftakt des zweiten Durchgangs sein Service und hatte damit nach einer 4:3-Führung vier Games en suite abgegeben. Doch der elffache Turniersieger bäumte sich auf und holte diesmal tatsächlich sofort das Rebreak. Da sprang auch sein Coach Günter Bresnik applaudierend auf. Doch als Chatschanow dem ÖTV-Davis-Cup-Spieler neuerlich den Aufschlag zum 2:1 abnahm, war bei Thiem die Luft draußen. Thiem wirkte müde und hatte dann seinem Gegner nur noch wenig entgegenzusetzen.

Für Thiem beginnt nun die Vorbereitung auf seine dritten ATP World Tour Finals in Folge. Der 25-jährige Thiem, der in einer Gesamtsiege-Bilanz des Jahres mit 53 Siegen (18 Niederlagen) nur einen Sieg weniger in der Tasche hat als der in dieser Statistik führende Deutsche Alexander Zverev, steht als einer der acht Starter beim mit 8,5 Mio. Dollar dotierten ATP-Saison-Showdown in der Londoner O2-Arena. Die Auslosung dafür erfolgt am Montagabend, erster Spieltag ist am 11. November.

Thiem hat nun zumindest noch drei Gruppen-Spiele vor sich, die jeweiligen Gruppen-Sieger und -Zweiten spielen kommenden Samstag in London im Halbfinale.

Djokovic mit 22. Sieg in Serie

Der Finalgegner von Chatschanow im Endspiel von Paris-Bercy am Sonntag heißt Novak Djokovic. Der als Nummer zwei gesetzte Serbe, der ab Montag nach langer Zeit wieder auf Platz eins aufscheint, rang in einem spannenden Klassiker Roger Federer (SUI-3) nach 3:03 Stunden mit 7:6(6),5:7,7:6(3) nieder.

Der aktuell unaufhaltbar scheinende „Djoker“ feierte nach dramatischem Spielverlauf seinen bereits 22. Sieg in Folge. Nach den Titeln in Cincinnati, bei den US Open und Shanghai steht er im vierten Endspiel hintereinander. Zuvor hatte Djokovic auch in Wimbledon triumphiert. Mit dem Sieg über Federer hat Djokovic dem Schweizer auch die letzte Chance genommen, das Jahr 2018 noch auf Platz eins zu beenden.

Federer, der am Samstag kein einziges Mal den Aufschlag abgeben musste, war nach seinem Titel in Basel in Paris-Bercy auch auf dem Kurs zu seinem 100. Titel gelegen. Er sei nicht nach Paris gekommen, um das Turnier zu gewinnen, sagte Federer aber danach. „Mein Ziel ist es, übernächste Woche in London zu triumphieren. Ich habe geahnt, dass ich in Paris für Djokovic noch nicht ganz bereit sein würde. Dass es derart knapp wurde, ist mit Blick nach London umso besser.“

Del Potro sagt für London ab

Am Tag nach dem die Spannung weggefallen war und Marin Cilic und Dominic Thiem das acht Spieler umfassende Masters-Feld komplettiert hatten, kam für die Veranstalter perfekt getimt die Absage. Juan Martin Del Potro hat nach einem Kniescheibenbruch in Shanghai nun endgültig für London abgesagt. Damit rückt der Japaner Kei Nishikori noch ins Achterfeld in der O2-Arena.

„Es ist frustrierend für mich, dass ich in London nicht antreten kann“, meinte Del Potro, der bei diesem Event zuletzt 2013 dabei war und seither von Verletzungen verfolgt wird. Er habe alles versucht, um sein Knie noch hinzubekommen. „Die Rehabilitation macht gute Fortschritte, aber ich brauche mehr Zeit.“

Das Feld besteht nun aus Novak Djokovic, Rafael Nadal, Roger Federer, Alexander Zverev, Kevin Anderson, Marin Cilic, Thiem und Nishikori. Die Auslosung erfolgt am Montag (20.00 Uhr MEZ) in London. (APA)