Letztes Update am Fr, 09.11.2018 08:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Volleyball

Zuschauerschwund gibt den Hypo Alpenvolleys Rätsel auf

Viertes Ligaspiel, vierter Sieg und erstmals Tabellenführer in der deutschen Liga: Trotzdem ist bei den Hypo-Volleyballern nicht alles rosig.

© gepaEin Bild sagt mehr als tausend Worte: Für Hypo-Macher Hannes Kronthaler stellte der Mittwochabend ein Wechselbad der Gefühle dar.



Von Daniel Suckert

Innsbruck – Sportlich läuft es beim letztjährigen Dritten der deutschen Volleyball-Liga einwandfrei. Der erste Innsbruck-Auftritt endete am Mittwochabend mit einem 3:0-Erfolg über Bühl und hatte die erstmalige Tabellenführung zur Folge. Wer aber nach dem Sieg den nachdenklichen Blick von Manager Hannes Kronthaler sah, der wusste, dass etwas nicht stimmt. „Mir wären 300 Zuschauer mehr lieber gewesen“, sagte der Hypo-Macher.

Gegen Bühl kamen aber „nur“ 700 und das stellte die schwächste Zuschauermarke in der Olympiaworld seit dem Wechsel nach Deutschland dar. Und das, obwohl man von Seiten des Tiroler Profi­clubs alle Register gezogen hatte. Mögliche Erklärungen?

Identifikation: Fehlt der heimische Anstrich innerhalb der Mannschaft? „Man kennt halt keinen mehr“, sagte einer der Zuschauer nach dem Erfolg gegen Bühl. Matthias Mellitzer, Alex Berger oder Alex Tusch – die rotweißroten Akteure, die jahrelang im Hypo-Dress am Parkett standen, haben dem Club ein Gesicht gegeben. Dazu gab es noch Typen wie Daniel Gavan, die man ebenso jahrelang bestaunen durfte. Mittlerweile ist es mit Douglas Duarte da Silva nur noch der Kapitän selbst, der in diese Kategorie fällt. Mit Libero Florian Ringseis steht seit heuer zumindest einer unter Vertrag, der diese Lücke – auf lange Sicht – füllen könnte.

Halle: Dass 700 Anhänger in der familiären USI-Halle nach mehr aussehen als in der Olympiaworld, in der bis zu 12.000 Zuschauer (je nach Veranstaltung) Platz finden, versteht sich von selbst. Doch auch schon die Champions-League-Auftritte vor 2400 Anhängern vor zwei Jahren haben für ordentlich Wind von den Rängen gesorgt. Daran wollte man anschließen – gegen Friedrichshafen (1400) und Berlin (1500) konnte man im Vorjahr schon positiv bilanzieren. Denn im Vergleich zu den Auftritten in der österreichischen Liga verdoppelte sich der Zulauf. Ein Hype ergab sich trotzdem (noch) nicht.

Wurzeln: Wer Hannes Kronthaler kennt, der weiß um die hohen Ansprüche des Zillertalers. Der mehrfache Nationalspieler will nicht „klein und fein“, sondern „höher, schneller, weiter“. Der Bau-Löwe hat viel bewirkt und ohne den Macher würde der Tiroler Volleyball-Sport nicht auf so professionellen Beinen stehen.

Dass aktuell die Spiele in Bayern und Innsbruck stattfinden, kann man so und so auslegen. Der Verein hat seine ursprünglichen Wurzeln etwas verloren – auf der anderen Seite muss man über die lange Saison nicht über zu viele Spiele nachdenken.

Zufall: Vielleicht war das schwach besetzte erste Innsbruck-Gastspiel aber nur Zufall. Und schon am 2. Dezember gegen Berlin strömen wieder 1500 Fans in die Olympiaworld. Headcoach Stefan Chrtiansky, der seit Jahrzehnten in der Landeshauptstadt lebt, erklärte: „Augenblicklich tut es weh, weil selbst uns die Erklärungen fehlen. Aber auch die Fußballer oder Eishockey-Spieler hatten einmal eine schwere Phase. Das kann sich wieder ändern. Wir müssen in jedem Fall mit guten Leistungen überzeugen.“