Letztes Update am So, 03.02.2019 11:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Super Bowl LIII

„Sympathie hin oder her: Tom Brady verdient Respekt“

Kaum jemand polarisiert mehr als Patriots-Quarterback Tom Brady: Der Superstar greift gegen die Los Angeles Rams nach seinem sechsten Super-Bowl-Titel.

Hier kommt der erfolgreichste Quarterback aller Zeiten: Tom Brady (New England Patriots) ist der größte Superstar der NFL.

© AFPHier kommt der erfolgreichste Quarterback aller Zeiten: Tom Brady (New England Patriots) ist der größte Superstar der NFL.



Von Daniel Suckert

Innsbruck, Atlanta – Mit Tom Brady verhält es sich ein bisschen wie mit dem FC Bayern München. Den deutschen Fußball-Rekordmeister liebt oder hasst man ebenso, wie man den bekanntesten Footballer auf dem Planeten anfeuert oder ausbuht. „Sympathie hin oder her: Brady verdient Respekt“, forderte Raiders-Headcoach Shuan Fatah vor dessen neunter Super-Bowl-Teilnahme.

Brady musste sich an der Universität in Michigan alles erarbeiten. Er war kein Starter, war in den ersten beiden Jahren nur Auswechselspieler. Im dritten Jahr verletzte sich Konkurrent Henson einmal und schon war er da.
Shuan Fatah, Raiders-Headcoach

Aller Anfang ist schwer: „Wer sich mit den jungen Jahren Bradys beschäftigt, der weiß, warum er heute so ein Mentalitätsmonster ist“, holt der Berliner Coach in den Diensten des Tiroler Football-Vorzeigeclubs aus: „Brady musste sich an der Universität in Michigan alles erarbeiten. Er war kein Starter, war in den ersten beiden Jahren nur Auswechselspieler. Im dritten Jahr verletzte sich Konkurrent Henson einmal und schon war er da.“

Und ließ sich danach auch nicht mehr verdrängen. Mit seinem sehr guten Wurfarm, seiner hohen Spielintelligenz und den berühmten Nerven aus Stahl stellte er gleich zwei Rekorde (Passversuche, vollständige Pässe) auf. Fatah: „Er war nie ein Wunderkind und er wurde auch nicht mit dem Silberlöffel aufgezogen.“

Seine Qualitäten in Michigan halfen ihm in der US-Profiliga NFL aber nicht. Der heutige fünffache Super-Bowl-Sieger wurde erst an der 199. Stelle in der sechsten von sieben Draft-Runden ausgewählt. Geschadet hat das seinem Selbstvertrauen jedoch nicht. Zu Patriots-Besitzer Robert Kraft sagte der heutige Ehemann von Model Gisele Bündchen: „Ich bin die beste Entscheidung, die dieses Team jemals getroffen hat.“

Suuper Bowl LIII

L.A. Rams – New England Patriots

Montag, 00.30 Uhr (Puls 4, DAZN live)

Die meisten Super-Bowl-Teilnahmen: New England Patriots 11-mal; Pittsburgh Steelers, Dallas Cowboys und Denver Broncos 8-mal; San Francisco 49ers 6-mal.

Titelhamster: Pittsburgh Steelers 6 Titel; New England Patriots, San Francisco 49ers, Dallas Cowboys 5 Titel; Green Bay Packers, New York Giants 4 Titel.

Letzte Titel: 2018: Philadelphia Eagles; 2017: New England Patriots; 2016: Denver Broncos; 2015: New England Patriots.

Erfolge und Schattenseiten: Und der Familienvater sollte Recht behalten. Mit ihm holten die Patriots gleich fünfmal die begehrte „Vince Lombardi Trophy“. Triumphiert man in der Nacht auf Montag gegen die Rams, würde man mit Titel Nummer sechs zu Rekordchampion Pittsburgh aufschließen.

Abseits seiner Erfolge gibt es aber auch eine dunkle Seite. Beispielsweise die nur halb aufgeblasenen Bälle im Halbfinalspiel („Deflategate“, 2015) gegen die Indianapolis Colts. Die Liga reagierte und sperrte den Superstar für vier Spiele. Und da wäre noch sein Image als „Motzki“, wenn es einmal nicht so läuft. Dann beginnt „Everybody’s darling“ jede Schiedsrichterentscheidung lautstark zu kommentieren oder auch einmal gegen die eigenen Assistenztrainer vor laufender Kamera zu motzen.

Blickt man in die Formel 1, dann fällt einem schnell der Name „Schummel-Schumi“ ein. Der deutsche Rekordweltmeister Michael Schumacher hatte ebenso einige Skandale (doppelter Unterboden, Schwarze Flaggen, Rammstöße) – am Ende änderte das nichts an der Tatsache, dass er der erfolgreichste Formel-1-Pilot der Welt wurde.

Jubelt Tom Brady über seinen sechsten Super-Bowl-Triumph?
Jubelt Tom Brady über seinen sechsten Super-Bowl-Triumph?
- imago/UPI Photo

Böse Tomaten und Freund Trump: Für das Ehepaar Brady genießt das Thema Ernährung einen religiösen Status. Gegessen werden zu 80 Prozent Gemüse – weißer Zucker, weißes Mehl sind ebenso tabu wie Paprika und Tomaten. Letztere wirken nicht entzündungshemmend. Gekocht wird übrigens nur mit Kokosöl.

Abgesehen vom Ernährungskult stößt seinen Kritikern die Nähe zum umstrittenen Präsidenten Donald Trump sauer auf. „Donald ist ein guter Freund von mir“ – Sätze wie diese oder eine „Make America Great Again“-Kappe lassen viele mit dem Kopf schütteln.

Allerdings muss man Brady zugutehalten, dass er nach Trumps Beschimpfungen der Football-Spieler („Hurensöhne“) im Rahmen der Rassismus-Debatte rund um die knienden Profis dem Präsidenten öffentlich die Gefolgschaft verweigerte.

Zurück in die Zukunft: Sportlich müssen jedoch selbst die größten Kritiker zähneknirschend die Ausnahmestellung des Patriots-Aushängeschilds akzeptieren. Sein Arbeitgeber würdigt ihn in jedem Fall – Patriots-Besitzer Kraft will dem Quarterback eine Vertragsverlängerung anbieten. Mit drei Super-Bowl-Finaleinzügen en suite auch keine Überraschung. Kraft: „Ich wäre nach all den Erfolgen doch etwas überrascht, wenn er nicht noch länger unser Quarterback wäre.“ Auch ohne Bradys möglichen sechsten Meisterring will man in der Off-Season mit dem Ausnahmespieler verlängern.

Was das Duell mit den Rams betrifft, erklärte Brady diese Woche: „Wir sind alle müde, aber wir werden alles versuchen, damit das unser bestes Spiel des Jahres wird.“ Fatah ergänzte: „Nervös macht Brady nichts mehr. Er ist mit 41 Jahren immer noch in einer Liga, wo eine ,Hire and Fire‘-Mentalität regiert. Das musst du erst einmal schaffen.“

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