Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 28.03.2019


Tennis

Talent Haim begräbt den Traum vom Tennis-Profi

Mit Matthias Haim erklärt eines der größten Tennis-Talente Tirols seine Karriere für beendet. Der 21-jährige Kolsasser will in die USA auswandern.

null

© gepa



Von Roman Stelzl und Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Noch im Juli des Vorjahres hielt Matthias Haim seine erste Trophäe für einen Future-Turniersieg in Händen. „Das war ein Meilenstein meiner Karriere“, freute sich das Kolsasser Tennis-Talent nach dem Triumph in Bad Schussenried (GER), der ihn zum ersten Tiroler Future-Einzelsieger nach Johannes Ager 2011 gemacht hatte. Und sein Trainer Joachim Kretz bestätigte damals: „Er weiß jetzt, was er will.“

Seither ist viel Wasser den Inn hinuntergeflossen – und scheinbar hat den 1,94 Meter großen Aufschlagriesen ein Problem der Vergangenheit eingeholt: mangelnde Motivation. Mit dem Eintritt ins Bundesheer im Februar begrub Haim seinen Traum vom Tennis-Profi und erklärte quas­i seinen Rücktritt.

„Er hat erkannt, dass er es sein lassen muss, wenn er den Sport nicht mit dem richtigen Ernst betreibt“, beschreibt es Kretz, der den Tiroler über Jahre hinweg bis Ende 2018 in Vorarlberg betreut hatte. Und der 48-jährige Deutsche nimmt sich in seiner Kritik kein Blatt vor den Mund: „Sein Können ist unbestritten, aber sobald es dorthin geht, wo der Schmerz beginnt, kommen Zweifel auf. Ihm fehlt die Disziplin – und Talent ist am End­e nicht mehr, als jeden Tag hart an sich zu arbeiten.“

Doch genau diese Disziplin soll der vierfache Future-Doppel­sieger, der bis auf Rang 460 der Weltrangliste kletterte, beim Bundesheer finden. Denn das Gerede vom Abschied will Kretz noch nicht ganz glauben: „Matthias ist ein Überraschungspaket. Du fährst mit ihm zu einem Turnier und du weißt nicht, ob er das gewinnt oder gleich ausscheidet. Also warten wir ab.“

Auf jeden Fall scheint ein Zukunftsplan parat zu liegen: Haim möchte sich trotz fehlender Matura für ein US-Tennis-College bewerben, fragt deshalb bei Kretz um ein Empfehlungsschreiben an. Ein Weg, der sich ebenfalls um die Filzkugel drehen würde.

Weniger gut läuft es derzeit für Tirols zweites großes Talent Alexander Erler: In Antalya kassierte der 21-jährige Kufsteiner die dritte Future-Auftaktniederlage in Folge.