Letztes Update am Fr, 29.03.2019 14:52

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Darts

Rücktritt vom Rücktritt: Raymond van Barneveld irritiert die Fans

Im TV erklärt Raymond van Barneveld live seinen sofortigen Rücktritt. Kurze Zeit später rudert sein Manager zurück, und nach einer Nacht will auch der fünfmalige Champion wieder ran. Die Szene ist verwirrt.

Ende einer großen Karriere: Raymond van Barneveld verabschiedete sich von seinen Fans - Stunden später gab es den Rücktritt vom Rücktritt.

© imagoEnde einer großen Karriere: Raymond van Barneveld verabschiedete sich von seinen Fans - Stunden später gab es den Rücktritt vom Rücktritt.



Rotterdam – Das war wohl der kürzeste Rücktritt überhaupt. In einem kuriosen Wirrwarr hat Darts-Star Raymond van Barneveld nur 14 Stunden nach seinem endgültigen Ende den Rücktritt vom Rücktritt erklärt und will nun doch noch weiterspielen. „Ich will meine Karriere im Alexandra Palace bei einer letzten WM beenden“, ließ „Barney“ am Freitag nach seiner verheerenden 1:7-Pleite gegen Pfeile-Primus Michael van Gerwen wissen. Am Donnerstagabend, unmittelbar nach seinem letzten Premier-League-Spiel, hatte das live im TV noch so geklungen: „Ich habe eine Entscheidung getroffen - ich bin jetzt fertig. Ich will diese Schmerzen nicht mehr.“

Der für seine spontanen Entschlüsse und aus der Emotion heraus getroffenen Entscheidungen bekannte van Barneveld kassierte seinen Rücktritt via Schreiben über den Weltverband PDC wieder ein. Und begründete das nicht alltägliche Hin-und-Her mit seinen Gefühlen. „Ich schämte mich auf der Bühne vor meiner Familie, meinen Freunden und der „Barney Army“. Ich hatte das Gefühl, dass ich alle im Stich gelassen habe und dass der Schmerz sehr schwer zu bewältigen war“, sagte der 51 Jahre alte Niederländer, der die jüngsten Ereignisse in seinem Privatleben als „Achterbahnfahrt der Gefühle“ beschrieb.

Van Barneveld ist fünfmaliger Weltmeister, doch die schwierigen Jahre haben zuletzt sichtbar am einstigen Dauerrivalen von Phil „The Power“ Taylor gezehrt. Die überwältigenden Gefühle vom mit über 10 000 Zuschauern bestens besuchten Heimspiel in Rotterdam sorgten für einen Kurzschluss. „In der Hitze des Gefechts wollte ich nie wieder so fühlen, aber ich habe realisiert, dass ich nicht aus der Emotion heraus sprechen sollte“, betonte van Barneveld nun.

Sein Abend hatte mit Tränen beim Einmarsch begonnen und mit tiefster Enttäuschung nach einer weiteren sportlichen Demontage geendet. Schon häufiger hatte van Barneveld aus der Emotion heraus gehandelt. So war sein Manager Jaco van Bodegom schon wenige Minuten später bemüht, „Barneys“ endgültig klingende Worte am TV-Mikrofon zu relativieren.

„Ich habe gerade mit ihm gesprochen, und wir sind übereingekommen, dass es besser ist, ein paar Tage lang den Kopf freizubekommen und über die Zukunft nachzudenken. Ich hoffe, es haben alle Verständnis dafür“, schrieb der Manager über den Twitteraccount von van Barneveld. Nach einer Nacht war der Kopf offenbar wieder frei - und das Abschiedsjahr soll noch einmal bis Dezember fortgesetzt werden.

Doch der einstige Darts-Star wirkt schwer gezeichnet. Bei seinem letzten Walk-on in Rotterdam kam er schon mit Tränen auf die Bühne, die ganze Szenerie samt der auf ihn ruhenden Hoffnungen auf einen letzten glorreichen Abend in der Premier League schienen ihn heillos zu überfordern. Nach der missratenen Saison mit einem Sieg aus neun Spielen zog van Barneveld schonungslos Bilanz: „Ich bin nicht gut genug und ich habe nicht mehr die Energie. Ich könnte sagen, Ray, gib dir ein wenig Zeit, aber es bleibt keine Zeit mehr. Für mich gibt es kein Licht.“

Im November hatte der Niederländer angekündigt, bis zur nächsten WM (Mitte Dezember bis 1. Januar 2020) im Alexandra Palace in London spielen zu wollen und dort seinen Abschied zu feiern. Doch mit seinen zuletzt immer mieseren Leistungen gerät auch das Ticket für den Jahreshöhepunkt immer mehr in Gefahr. Er habe es immer wieder „versucht, versucht und versucht“, beteuerte van Barneveld: „Aber ich bin erledigt. Das war‘s.“ Jetzt soll es weitergehen - irgendwie.(APA/dpa)