Letztes Update am Di, 16.04.2019 21:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tennis

Trainerwechsel: Dominic Thiem und die Frage des Wohlfühlens

Nach 15 Jahren an der Seite von Coach Günter Bresnik geht Österreichs Tennis-Star Dominic Thiem mit dem Chilenen Nicolas Massu neue Wege. Eine Spurensuche beim Masters-1000-Turnier in Monte Carlo.

Mit Neo-Trainer Nicolas Massu bricht Dominic Thiem in der mondänen Tennis-Anlage in Monte Carlo zu neuen Höhen auf.

© Erste Bank OpenMit Neo-Trainer Nicolas Massu bricht Dominic Thiem in der mondänen Tennis-Anlage in Monte Carlo zu neuen Höhen auf.



Von Günter Almberger

Monte Carlo – Wenn in den Straßen von Monte Carlo die Ferraris ihre Motoren aufheulen lassen, dann muss nicht der Formel-1-Zirkus im Fürstentum Station machen. Es ist Alltag. Wenn die Reichen und Schönen beim Monte Carlo Country Club mit ihren Luxuskarossen vorfahren, dann ist Tennissaison. Sehen und gesehen werden ist angesagt. Novak Djokovic, Rafael Nadal und Co. sind gefühlte Nebendarsteller. Wichtig bei den „Fans“ ist das Champagner-Glas in der Hand, der schicke Strohhut auf dem Kopf und die protzige Uhr am Handgelenk. Eine VIP-Area reiht sich an die nächste, serviert werden nur feinste Speisen. Wer als „Normalo“ was zu essen sucht, tut das (fast) vergebens. Immerhin ein Imbissstand hat sich dann doch auf die Anlage „verirrt“. Ein liebloses Sandwich um acht Euro – fast geschenkt …

Ein Umfeld, das Dominic Thiem nicht zusagt. „Das Schickimicki gefällt mir überhaupt nicht“, betont der heimische Tennis-Star, während er der österreichischen Journalistenschar im Spieler-Hotel Rede und Antwort steht. Wenn der Niederösterreicher zur Audienz lädt, gibt es zurzeit nur ein Thema: die Trennung von Langzeit-Coach Günter Bresnik. Eine „Scheidung“, die viele Fragen offenlässt. Es habe keinen Vorfall gegeben, wird Thiem nicht müde zu betonen. „Nach 15 Jahren entstehen gewisse Dinge. Es ist auch schwierig, die Beziehung immer gut aufrechtzuerhalten“, erklärt die Nummer fünf der Tenniswelt. Sportlich gesprochen: ein Abnützungskampf.

Ein klärendes Gespräch zwischen den beiden Parteien gab es noch nicht, soll es aber geben. Thiem habe schlichtweg „keine Zeit bisher“ dafür gehabt. Wer einen Rosenkrieg und eine Scheidungsschlacht zwischen Dominic T. und Günter B. erwartet, irrt. Kein böses Wort kommt dem Indian-Wells-Sieger über seinen „Ex“ über die Lippen. Im Gegenteil: Dankende Worte für seinen Wegbegleiter seit Kindestagen für alles, was der ihm mitgegeben habe (Technik etc.), wie er aus ihm einen Tennis-Profi gemacht habe ...

Aber es wirkt so, als würde Thiem ein Riesenstein vom Herzen fallen, wenn er darüber reden kann. „Ich fühle mich sehr, sehr gut zurzeit. Ich fühle mich seit Indian Wels auf und abseits des Platzes so gut wie lange nicht mehr, so ehrlich bin ich. Viele Sachen machen wieder viel mehr Spaß, als es eine Zeit lang der Fall war. Deshalb denke ich, dass ich alles richtig gemacht habe“, betont der 25-Jährige.

Ins Schwärmen gerät Thiem, wenn er von Neo-Coach Nicolas Massu erzählt: „Jetzt ist der Weg frei für andere Sachen. Für Sachen, die nicht alleine mit Vorhand, Rückhand, Aufschlag zu tun haben. Ich glaube, dass Nicolas oder andere Leute mir besser helfen können. Er war 15 Jahre selbst als Spieler auf der Tour und kann mir von seinen Erfahrungen berichten. Wir haben einfach immer eine gute Stimmung. Ich genieße harte Trainings wieder, das war in den letzten zwei, drei Jahren nicht immer der Fall. Wenn ich mich so fühle wie jetzt, dann werden die Durchhänger, die ich immer wieder hatte, weniger werden.“

Auch der chilenische Coach ist von seinem neuen Schützling angetan. „Dominic ist ein unlaublich talentierter Spieler und eine tolle Persönlichkeit. Ich arbeite seit Februar beim Turnier in Buenos Aires mit ihm zusammen. Vom ersten Tag an hat die Zusammenarbeit gut funktioniert und in Indian Wells schnell Früchte getragen“, erklärte der Doppel-Olympiasieger von 2004 in Athen.

Massu erkennt bei Österreichs Tennis-Aushängeschild großes Potenzial. „Dominic hat die Möglichkeit, die French Open zu gewinnen, auch wenn Rafael Nadal weiter Top-Favorit ist.“ Der Neo-Coach geht noch einen Schritt weiter: „Thiem wird früher oder später um die Nummer eins der Welt kämpfen!“

Der erste Schritt dahin heißt aber zweite Runde beim Masters in Monte Carlo. Nach einem Freilos wartet auf Thiem am Mittwoch der Slowake Martin Klizan (4. Spiel nach 11 Uhr, live auf Sky). Die Einstimmung am Dienstag passte jedenfalls: Mit Partner Jürgen Melzer startete Thiem gegen Philipp Kohlschreiber und Fernando Verdasco (GER/ESP) mit 6:4, 7:5 siegreich in den Doppelbewerb.




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