Letztes Update am Mi, 15.05.2019 15:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Blutdoping-Skandal

Operation Aderlass: Vier weitere Radprofis unter Verdacht

Laut einer UCI-Mitteilung handelt es sich bei den verdächtigen Sportlern um die Ex-Profis Alessandro Petacchi und Borut Bozic sowie die Aktiven Kristijan Durasek und Kristijan Koren.

Ex-Sprintstar Alessandro Petacchi (r.) steht unter Dopingverdacht.

© gepaEx-Sprintstar Alessandro Petacchi (r.) steht unter Dopingverdacht.



Wien – Die Liste der mutmaßlich in den Blutdoping-Skandal um den deutschen Arzt Mark S. verwickelten Sportler soll 21 Namen umfassen. Seit Mittwoch sind schon 15 bekannt. Der Radsport-Weltverband nannte zwei aktive und zwei ehemalige Profis als neue Verdachtsfälle und suspendierte das Quartett. Prominentester Verdächtiger ist Alessandro Petacchi (ITA). Der Ex-Sprintstar wies die Anschuldigungen zurück.

Der Weltverband UCI hat laut einer Mitteilung vom Mittwoch die Ex-Profis Petacchi und Borut Bozic (SLO) sowie die aktuellen Profis Kristijan Durasek (CRO/Team UAE) und Kristijan Koren (SLO/Team Bahrain) über mögliche Regelverstöße, nämlich den Gebrauch einer verbotenen Methode, informiert und suspendiert. Bei Durasek soll das Vergehen 2017 und bei den restlichen drei Fahrern in den Jahren 2012 und 2013 erfolgt sein.

Informationen kamen von österreichischen Behörden

Die UCI beruft sich auf Informationen, die sie von österreichischen Behörden erhalten hat. Der Sprecher des Bundeskriminalamtes, Vincenz Kriegs-Au, erklärte auf Anfrage der APA - Austria Presse Agentur, dass die Namen im Zuge eines europaweiten Informationsaustausches bei Europol in Den Haag bekannt geworden seien. In Österreich sei aber gegen keinen dieser vier Sportler ein Verfahren anhängig.

Die „Operation Aderlass“ zur Aufdeckung eines Blutdopingrings hatte mit Razzien während der Nordischen Ski-WM in Seefeld sowie in Deutschland (Erfurt) am 27. Februar für Aufsehen gesorgt. Dabei hatten die Behörden wichtige Beweise gesammelt. Der österreichische Skilangläufer Max Hauke etwa war während der Rückführung von Eigenblut vor einem Rennen erwischt worden.

Die in dieser Doping-Affäre federführende Anti-Doping-Staatsanwaltschaft München I hatte erklärt, 21 Sportler (in der Mehrzahl Männer) aus acht Ländern und fünf Sportarten seien verdächtig, in den Fall verwickelt zu sein. Der Großteil von ihnen hat Geständnisse abgelegt, teilweise nach der Festnahme, zwei von ihnen (Georg Preidler und Danilo Hondo) unter dem Druck der Ereignisse auf eigene Initiative. Nun sind 15 Namen und sieben von acht Herkunftsländer (Österreich/5, Estland/3, Deutschland/2, Slowenien/2, Italien/1, Kroatien/1 und Kasachstan/1) bekannt.

Ex-Sprintstar Petacchi ratlos

Petacchis Name war schon am Dienstag in italienischen Zeitungen genannt worden. Der 45-Jährige erklärte am Rande des Giro d‘Italia, er sei nie bei Mark S. gewesen, habe nie eine Bluttransfusion erhalten und wisse nicht, wieso sein Name im Zuge der Ermittlungen aufgetaucht sein soll. Der Sprintstar hatte in den 2000er-Jahren zahlreiche Siege, unter anderem bei der Tour de France (6 Etappensiege), dem Giro d‘Italia (22) und der Vuelta a Espana (20) gefeiert. Er hatte seine Karriere 2015 beendet.

Bozic (38) hat seine aktive Karriere im Bahrain-Team mit Jahresende 2018 beendet und fungiert nun in dem Rennstall von Vincenzo Nibali und Hermann Pernsteiner als einer der Sportdirektoren. Koren (32) war aktuell im Giro d‘Italia engagiert und Durasek (31) trat im UAE-Trikot am Mittwoch nicht mehr zur 4. Etappe der Kalifornien-Rundfahrt an. (APA)

Liste bisher bekannter Sportler im Blutdoping-Skandal

Skilanglauf: Max Hauke, Dominik Baldauf, Johannes Dürr (alle AUT), Karel Tammjärv, Andreas Veerpalu, Algo Kärp (alle EST), Alexei Poltoranin (KAZ)

Radsport: Georg Preidler, Stefan Denifl (beide AUT), Danilo Hondo (GER), Alessandro Petacchi (ITA), Borut Bozic, Kristijan Koren (beide SLO), Kristijan Durasek (CRO)

Eisschnelllauf: Robert Lehmann-Dolle (GER)

Laut der im diesem Fall federführenden Anti-Doping-Staatsanwaltschaft München I sind nach derzeitigem Stand 21 Sportler (in der Mehrzahl Männer) aus acht Ländern und fünf Sportarten in den Fall verwickelt. Nach der Nennung von vier weiteren Namen von möglicherweise betroffenen Radprofis durch den Radsport-Weltverband (UCI) am Mittwoch sind nun 15 Aktive aus sieben Ländern bekannt.