Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 23.05.2019


Sportpolitik

Mit Strache ging nun auch der elfte Mann von Bord

Mit Heinz-Christian Strache verlässt der nächste Minister den Sport. Und wieder einmal stellt sich das Ressort neu auf. Ein Tiroler ist aktuell der höchste Sportbeamte des Landes.

Eine der ersten Dienstreisen in Sachen Sport führte Heinz-Christian Strache (r. mit Ski-Ass Matthias Mayer) zu Winter-Olympia 2018.

© gepaEine der ersten Dienstreisen in Sachen Sport führte Heinz-Christian Strache (r. mit Ski-Ass Matthias Mayer) zu Winter-Olympia 2018.



Von Florian Madl

Innsbruck – Mit dem FC Wacker darf das österreichische Sportministerium nicht verglichen werden: Seit Beginn des Jahrtausends registriert man beim Tiroler Traditionsklub 22 Trainer, im höchsten politischen Gremium für Bewegung waren es elf Minister oder Staatssekretäre. Nun musste Strache gehen, was im Netz mit Häme bedacht wird. „Zumindest in Österreichs Politik funktioniert der Videobeweis“, suchte ein Witzbold nach einer Querverbindung zum Fußball.

Derzeit heißt der höchste Sportbeamte des Landes Philipp Trattner, zuletzt die rechte Hand Straches und selbst im Rodel- und Basketballverband erfahren. „Es läuft normal weiter“, erzählte der Tiroler gestern im Telefonat, wobei der Kabinetts-Chef Einschränkungen machte: Laufende Projekte würde man abarbeiten, Anträge bearbeiten, aber größere Vorhaben seien ausgesetzt. Das gilt für das angedachte Gesetz zu Online-Wetten, das dem Sport weiteres Geld bringen sollte, oder die gesetzliche Verankerung des Berufssports. Kurzfristig hieß es, der aktuelle Sporthilfe-Geschäftsführer Harald Bauer sollte die Geschicke im Sport leiten, bis ein neuer Minister im Amt sei, davon wäre man aber abgekommen.

Was lässt sich nun aus der Ära Heinz-Christian Strache für den Sport ableiten? Durchaus engagiert war der ehemals „talentierte Fußballer“ (Eigendefinition) ans Werk gegangen, eine seiner ersten Auslandsreisen führte ihn zu den Olympischen Winterspielen 2018 nach Pyeongchang (Südkorea). Dort wurden Medaillen gefeiert und ein Konflikt im Bob-Lager registriert. Zuhause angekommen ging es um die Installierung von Arbeitsgruppen, die Empfehlungen und Rahmenbedingungen ausarbeiten sollten („Sport Strategie Austria“). Rückforderungen von nicht ordnungsgemäß abgerechneten Förderungen oder missbräuchlicher Verwendung von Fördergeldern widmete sich Strache ebenfalls gerne, mit dem geplanten Bau eines Nationalstadions in Wien (statt dem Happel-Stadion) löste er allerhand Wirbel aus. Bleiben die eingangs erwähnten Gesetze und die Abrechnung der Nordischen Ski-WM in Seefeld. Viele Baustellen, die Straches Nachfolger schließen soll. Das jüngst aufgekommene Vakuum belastet den Sport in Österreich.