Letztes Update am Sa, 25.05.2019 11:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundesliga

Glasners „wunderschöne Reise“ endet unter Paschings Palmen

Nach 161 Pflichtspiele als LASK-Trainer wechselt Oliver Glasner zum VfL Wolfsburg in die deutsche Bundesliga.

Trainer Oliver Glasner in "Action".

© APATrainer Oliver Glasner in "Action".



Pasching – Mit dem Heimspiel gegen die Austria geht für den LASK am Sonntag (17.00) eine der erfolgreichsten Saisonen der Clubgeschichte zu Ende, für Coach Oliver Glasner ein fast märchenhaftes Kapitel seiner noch jungen Trainerkarriere. Da stellt sich selbst beim akribischen Arbeiter Feierlaune ein. „Ich will dieses Wochenende in vollen Zügen genießen“, sagte Glasner vor seinem Abschied zum VfL Wolfsburg.

Sentimentalitäten sind Glasners Sache eigentlich nicht. Einst als kompromissloser Verteidiger selbst 410-mal für die SV Ried in der Bundesliga im Einsatz, gleitet der 44-Jährige angesichts von vier höchst erfolgreichen Jahren in Linz aber doch ein bisschen ins Lyrische ab. „Eine wunderschöne Reise“, sei es gewesen, „die am Sonntag mit Sonnenuntergang unter Palmen endet“.

161 Pflichtspiele als LASK-Trainer

Die Linzer Peripherie könnte am Sonntag quasi zur Wohlfühloase werden, in der nicht nur Glasner, sondern auch ein verdienter Kicker wie Goalgetter Joao Victor, der seinem Coach zum VfL folgt, emotionsreich verabschiedet werden. Davor die letzte Zusammenkunft im Hotel, dann der obligatorische Lauf an der Donau, schließlich der letzte Auftritt in der TGW-Arena. „Ich bin einer, der die Emotionen nicht so nach außen trägt. Ich versuche, das mit mir selbst auszutragen. Ich weiß nicht, was am Sonntag auf mich zukommt“, meinte Glasner dazu. Eines sei aber klar: „Wir werden sicher länger zusammensitzen. Ich habe mir heuer noch nie die Zeit genommen, zu feiern.“

161 Pflichtspiele als LASK-Trainer seit 2015, der Aufstieg mit dem ersten „Meister aus der Provinz“ 2017, in der Bundesliga-Rückkehrsaison gleich Platz vier und ein guter, wenn auch nicht von Erfolg gekrönter Qualiversuch in der Europa League und nun der Vizemeister - Glasners Bilanz kann sich mehr als sehen lassen und hat seinen Abgang nach Deutschland beschleunigt. So richtig nachgedacht habe er über diese Zahlen nicht. „Man ist so im Rad drinnen“, meinte der Oberösterreicher und räsonierte: „Vier Jahre sind eigentlich ein sehr langer Zeitraum für einen Trainer.“

Was sich in dieser Zeitspanne verändert hat? „Ich habe zugenommen“, scherzte Glasner auf der Pressekonferenz vor dem Austria-Spiel, um dann gleich wieder zur Sache zu kommen: „Ich hoffe, dass ich etwas ruhiger geworden bin, dass ich mich weiterentwickelt habe und besser geworden bin. Was gleich geblieben ist, ist mein Ehrgeiz und meine Akribie. Der größte Schritt bei mir und der Mannschaft war immer der Glaube an uns selbst, dass wir uns von nichts haben rausbringen lassen und die Fehler immer auch bei uns gesucht haben.“

„Ich will die Zeit genießen“

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere 2011 war Glasner als Co-Trainer Roger Schmidts von 2012 bis 2014 bei Salzburg tätig, schließlich coachte er seinen Stammclub Ried in der zweiten Liga. Dass der Berufsweg des Trainers für ihn der richtige sei, habe sich beim LASK jedenfalls endgültig bestätigt. „Da habe ich gemerkt, ich muss auf den Platz. Da kann ich mich völlig verwirklichen und meine Ideen in die Köpfe der Spieler bringen. Das war hundertprozentig die richtige Entscheidung.“

Ob auch der Wechsel in eine der stärksten Ligen der Welt die richtige ist, kann Glasner noch nicht wissen. Die Erwartungen bei den Fans des Werksteams, das auch in der Europa-League-Gruppenphase dabei ist, und der Druck sind ungleich höher als beim LASK. Einen „Zehnjahresplan“ für seine Karriere habe er jedenfalls nicht. „Ich will die Zeit genießen. Ich will etwas erreichen, Spaß dabei haben, Emotionen erleben“, meinte der dreifache Familienvater. „Es ist eine neue Reise.“ (APA)