Letztes Update am Sa, 25.05.2019 12:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


25 Jahre danach

Monaco-Crash war für Wendlinger der Anfang vom Formel-1-Ende

An diesem Wochenende jährt sich zum 25. Mal der schwere Monaco-Unfall von Karl Wendlinger. Den Kufsteiner selbst bewegt der folgenschwere Crash nicht mehr großartig.

„Es ist 25 Jahre her und es mag komisch klingen, aber der Unfall bewegt mich nicht mehr großartig“, sagt Karl Wendlinger zu seinem Monaco-Crash heute.

© gepa„Es ist 25 Jahre her und es mag komisch klingen, aber der Unfall bewegt mich nicht mehr großartig“, sagt Karl Wendlinger zu seinem Monaco-Crash heute.



Von Daniel Suckert

Innsbruck, Monaco – Wenn die aktuellen Formel-1-Stars Lewis Hamilton und Co. heute beim Qualifying (15 Uhr; ORF eins, RTL, Sky) mit ihren Boliden durch die Straßenschluchten von Monaco düsen, dann dürfen sie sich sicher fühlen. Ein Mitgrund sind die schlimmen Ereignisse vor 25 Jahren: 14 Tage nach dem Tod von Legende Ayrton Senna (BRA) und dem Salzburger Roland Ratzenberger fliegt Karl Wendlingers Sauber mit knapp 200 km/h von der Strecke, prallt seitlich gegen die Streckenbegrenzung und lässt die Königsklasse ein weiteres Mal die Luft anhalten.

„Es ist 25 Jahre her und es mag komisch klingen, aber der Unfall bewegt mich nicht mehr großartig“, sagte der heute 50-Jährige an seinem Geburtstag im Dezember des Vorjahres im TT-Interview. Er hat das Kapitel hinter sich gelassen. Was ihm dabei geholfen hat, sind die fehlenden Bilder seines Unfalls: „Der Ort, die Stelle – es spielt absolut keine Rolle.“

Die Aufregung und Angst um das einstige Mercedes-Talent waren nach dem Crash sehr groß. Mit einem Schädel-Hirn-Trauma wurde er in ein künstliches Koma versetzt. 19 Tage lang schwebte er in akuter Lebensgefahr. Bei ihm waren seine Eltern und seine heutige Frau Sophie, die ihm nach dem Aufwachen erst einmal erklären mussten, warum er im Krankenhaus lag.

- AFP/Gautreau

Der Kampf zurück war mühsam, schmerzhaft und beschwerlich. Der 26-Jährige wollte aber die gebotene Chance nicht auslassen und saß schon im Dezember wieder im Sauber. Testfahrten sollten ergründen, ob der Tiroler noch eine Chance in der härtesten PS-Klasse bekommen sollte. Bei jeder Bodenwelle hämmerten unsägliche Schmerzen durch seinen Kopf. Willi Dungl gab ihm etwas gegen die Schmerzen, „mit dem hätte ich nicht einmal Autofahren dürfen. Doch die Chance auf die Formel 1 gab es nur zu dem Zeitpunkt.“

Im Februar 1995 schien Wendlingers märchenhaftes Comeback Realität. Er war zurück bei Sauber, zurück unter den besten Piloten der Welt. Doch alles war auf einmal anders: „Bei den Testfahrten im Dezember (1994, Anm.) hat alles gepasst. Im Februar sitze ich wieder im Boliden und nichts geht mehr. Ich konnte mich keine drei Sekunden konzentrieren, die Automatismen griffen nicht mehr, alles war durcheinander.“

Nach sechs Rennen schloss er das Kapitel Formel 1 für immer. Ohne Groll, ohne jemanden für irgendwas verantwortlich zu machen. Es würde noch zwei Jahre dauern, ehe wieder ein Gefühl der Normalität im Cockpit aufkam. Er gewann die FIA-GT-Meisterschaft, wurde 1999 Motorsportler des Jahres, triumphierte u. a. beim 24-Stunden-Rennen in Daytona (2000) und fuhr im Deutschen Tourenwagen Masters (DTM; 2002

03).

Dass seine Karriere hin und wieder auf den schweren Monaco-Unfall reduziert wird, sieht er tiefenentspannt: „Das ist ein Teil meines großen Ganzen und da komme ich nicht aus. Es war das Aufsehenerregendste in meiner PS-Karriere.“

Und da ist das Wissen, dass sein schwerer Crash vor 25 Jahren geholfen hat, die Formel 1 ein Stückchen sicherer zu machen. Am Ende des Tages wünscht sich der heutige Mercedes-Botschafter nur noch eines, wenn er in die Zukunft blickt: „Dass meine Familie gesund bleibt. Das ist das Wichtigste.“