Letztes Update am Fr, 07.06.2019 06:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


French Open

Interview: Thiem vor Riesenaufgabe gegen Djokovic

Wenn sich Dominic Thiem tatsächlich schon in diesem Jahr den Traum vom ersten French-Open-Titel erfüllen will, dann muss er hintereinander zwei der „big three“ des Welt-Tennis schlagen.

Österreichs Tennis-Ass Dominic Thiem

© imago images / PanoramiCÖsterreichs Tennis-Ass Dominic Thiem



Paris – Nach seinem grandiosen 6:2,6:4,6:2-Erfolg gegen Karen Chatschanow trifft Österreichs Tennis-Ass Dominic am Freitag (2. Match nach 12.50 Uhr/live ORF1) auf den 15-fachen Grand-Slam-Sieger Novak Djokovic. Und im anderen Semifinale beginnen am Freitag der 20-fache Major-Champ Roger Federer und Rafael Nadal (17 Titel). Einfach heruntergebrochen könnte man also auch sagen, Thiem spielt mit null Major-Titeln gegen ein Kollektiv aus 52 Grand-Slam-Titeln.

Zu seinen Aussichten und der Tatsache, dass er der große Herausforderer der drei wohl besten Tennisspieler aller Zeiten ist, äußerte sich Thiem in einer Pressekonferenz nach dem heutigen Match.

Sie stehen vor zwei „Monster“-Aufgaben, wenn Sie den Traum vom ersten Major-Titel in diesem Jahr schaffen wollen. Wie wichtig war es, dass Sie Kraft gespart haben und wie sehen Sie Ihre Chancen?

Dominic Thiem: „Es war schon wichtig, dass ich keine unnötige Energie liegen habe lassen. Eigentlich in keinem einzigen Match. Djokovic hat es auch nicht gemacht. Wir gehen beide frisch und voll bereit ins Match morgen. Die zwei letzten Matches waren echt gut, ich habe sehr wenig Eigenfehler gemacht, meine Schläge haben die Power gehabt, die sie haben sollten. Ich habe ganz gut serviert und retourniert. Es ist alles da. Aber morgen ist eine komplett andere Hürde. Djokovic ist seit er wieder zurückgekommen ist von seiner leichten Schwächephase vor zwei Jahren bei jedem einzelnem Grand Slam voll da. Er hat die letzten drei gewonnen. Er ist in extrem souveräner Manier hier ins Semifinale eingezogen, aber das letzte Match gegen ihn in Madrid war echt in Ordnung. Ich werde alles reinhauen morgen.“

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29 Winner, nur zwölf unerzwungene Fehler zeugen von kalkuliertem Risiko. Werden Sie genau mit diesem Plan auch gegen Djokovic ins Match gehen?

Thiem: „29:12 ist unglaublich. Wenn das so ist, dann verliert man nur ganz wenige Matches. Ich versuche gegen Djokovic ähnlich zu spielen. Ich will jetzt nicht ein zu großes Risiko eingehen. Ich will auch sehr aggressiv spielen, aber nicht mich ‚erschießen‘, sondern mit viel Spin ihn ein bisserl aus seiner Komfortzone zu bringen. Er spielt auch in einer gewissen Höhe unglaublich, wenn er die Höhe einmal hat, lässt er dich fast nicht mehr aus. Mein größte Waffe auf Sand ist der aggressive Spin, den werde ich versuchen, so gut wie möglich einzusetzen.“

Es sind mit Ihnen die drei besten Spieler aller Zeiten im Halbfinale. Nimmt das in irgendeiner Form auch Druck von Ihnen?

Thiem: „Ich habe heuer sicher weniger Druck als letztes Jahr im Halbfinale, das hundertprozentig. Letztes Jahr habe ich fast nur verlieren können, weil ich da klarer Favorit war. Morgen gehe ich sicher nicht als Favorit in die Partie. Wenn man sich die Erfolge von den drei Spielern anschaut und mich dazu vergleicht, dann gehe ich gegen jeden von den Dreien in fast jedem Match als Außenseiter rein. Aber trotzdem: Ich habe mittlerweile viele Partien gegen sie alle gespielt, auch teilweise sehr gute. Ich gehe sicher nicht mehr in so ein Match rein, um eine gute Figur abzugeben, sondern ich will auch das Match morgen gewinnen. In jedem Semifinale von einem Grand Slam haben alle vier Spieler gute Chancen, das Turnier zu gewinnen.“

Gibt es irgendetwas, womit Sie momentan nicht zufrieden sind oder wo Sie sagen, da muss ich mich noch steigern, um gegen die ganz Großen noch zulegen zu können?

Thiem: „Steigerungspotenzial gibt es immer. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass ich morgen am Punkt genau voll da bin und ich mein bestes Tennis abrufe. Und das machen auch die Drei, vor allem wenn es zu den ganz großen Momenten bei einem Grand Slam geht. Die sind dann voll da, das ist mein Ziel. Ich hoffe, dass ich das morgen schaffe, weil das ist die einzige Möglichkeit, dass ich eine Chance habe.“

Aufgezeichnet von Gerald Widhalm/APA in Paris