Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 22.06.2019


Europaspiele

Bei den Europaspielen ist nicht alles Gold, was glänzt

Die 2. Europaspiele in Minsk, die gestern feierlich eröffnet wurden, sind ein Sprungbrett zu Olympia 2020. Das Event ruft aber auch Kritik hervor.

Tirols Judo-Ass Bernadette Graf (r.) durfte am Freitag die rotweißrote Fahne bei der Eröffnung tragen.

© gepaTirols Judo-Ass Bernadette Graf (r.) durfte am Freitag die rotweißrote Fahne bei der Eröffnung tragen.



Minsk — Jedem Anfang liegt ein Zauber zugrunde. Ein Feuerwerk, Musik-Acts und Tausende strahlende Gesichter im Dinamo-Stadion von Minsk (BLR) bildeten am Freitagabend den farbenfrohen Rahmen zur 2. Auflage der Europaspiele (21. Juni bis 1. Juli). Und mittendrin stand die Tirolerin Bernadette Graf. Die Judo-Kämpferin, die vor vier Jahren bereits Bronze geholt hatte, durfte Österreichs Delegation als Fahnenträgerin anführen. Ein besonderer Moment, den die 26-Jährige in Ruhe auf sich wirken lassen konnte — ihr wichtigster Einsatz kommt erst am Montag.

Für die meisten Tiroler geht es schon am Samsatg los: Edin Avdic hätte am liebsten die Boxhandschuhe bereits zur Eröffnung angezogen. „Zum Auftakt geht es für mich heute gegen einen Spanier", erklärte der Athlet des Box Club Innsbruck, der die Auftakthürde im Mittelgewicht überspringen will. Die Jenbacherin Kathrin Schweinberger hofft beim Straßenrennen der Damen (120 km) auf schnelle Beine. Während Nicol Ruprecht als Einzelkämpferin in der Rhythmischen Sportgymnastik an den Start geht, wollen sich die Sportschützen im Mixed-Teambewerb belohnen. „Wenn es gut läuft, könnte ein Finalplatz für einen Olympia-Quotenplatz reichen", hoffen Olivia Hofmann und Franziska Peer auf ein ruhiges Händchen und mehr Glück als die deutschen Bogenschützen: Ihre Waffen blieben vorerst in Deutschland zurück, weil sie nicht in den Frachtraum des Flugzeugs gepasst hatten.

Die Europaspiele, so der Plan, sollen zum Sommermärchen werden. Der triste Alltag sieht jedoch anders aus: Alexander Lukaschenko führt Weißrussland seit 1994 autoritär, noch immer wird die Todesstrafe vollstreckt. Während große Teile der Bevölkerung bettelarm sind, lässt sich das Land das zehntägige Spektakel 100 Millionen Euro (geplant waren 35 Millionen) kosten. Kritisiert wird auch der geringe sportliche Wert von „Mini-Olympia", das sich in der Sportwelt noch nicht etablieren konnte. (ben, APA)