Letztes Update am Mo, 24.06.2019 08:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia-Vergabe

Olympia 2026: Italien oder Schweden, das ist hier die Frage

Mailand sieht sich im Vorteil, Stockholm verspricht magische Spiele. Vor der heutigen Vergabe der Olympischen Winterspiele 2026 haben die beiden Kandidaten bei der IOC-Session in Lausanne noch einmal für sich geworben.

Italien richtete zuletzt 2006 in Turin Olympische Winterspiele aus.

© gepaItalien richtete zuletzt 2006 in Turin Olympische Winterspiele aus.



Lausanne – „Wir sind der Vorreiter, und wir sind stolz auf diese Tatsache“, sagte Giovanni Malago, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Italiens. Der Bewerbung von Mailand/Cortina d’Ampezzo sind in dem vor einem Monat veröffentlichten Prüfbericht des IOC etwas bessere Noten ausgestellt worden. Außerdem haben die Italiener den Großteil der Bevölkerung hinter sich: Bei einer Umfrage sprachen sich 83 Prozent der Befragten für das Großprojekt aus.

Die Schweden sind laut Umfragen dagegen entzweit in der Frage, ob sie Olympia veranstalten sollten oder nicht. In einer IOC-Befragung waren nur 55 Prozent dafür. Danach hielten sich bei Umfragen schwedischer Zeitungen Befürworter und Gegner in etwa die Waage.

Hinzu kommt noch ein gravierendes Problem: Zuletzt war publik geworden, dass nicht alle Garantien durch den Staat, für den Fall, dass die privat finanzierten Spiele ein Minus machen sollten, verbindlich vorliegen. „Es ist viel passiert, und wir haben alles klargestellt“, erklärte dazu der Stockholmer Bewerbungschef Richard Brisius. IOC-Präsident Thomas Bach verwies bei Fragen dazu auf die IOC-Evaluierungskommission, die die Gespräche mit Stockholm führt: „Deren Ergebnis hören wir am Montag.“ Trotz dieser Schwachstellen demonstrieren die Skandinavier Zuversicht und hoffen auf einen starken Endspurt – und die Unterstützung von Kronprinzessin Victoria und Regierungschef Stefan Löfven bei der Session. „Von Anfang an hat uns das IOC klargemacht, dass das hier eine Möglichkeit ist, die Winterspiele auf eine ganz neue Weise anzugehen“, betonte Brisius und versprach, die Winterspiele und Paralympics mit den Athleten in „einem magischen Winter-Wunderland“ zu feiern. Die märchenhaften Spiele im norwegischen Lillehammer 1994 lassen grüßen.

Im schwedischen Aare fand erst im Feber die alpine Ski-WM statt.
Im schwedischen Aare fand erst im Feber die alpine Ski-WM statt.
- gepa

Bei der letzten Präsentation vor den erwarteten rund 80 von 95 IOC-Mitgliedern schickt Mailand Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte und den früheren Ski-Superstar Alberto Tomba ins Rennen. „Ich glaube, es ist nicht verboten zu sagen, dass unser Dossier als das bessere erscheint“, sagte Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala. Die Stadt habe mit der Expo 2015 bewiesen, dass es Großveranstaltungen ausrichten könne. Allerdings macht er sich Sorgen, weil es für die Schweden schon der achte Versuch ist. „Es besteht das Risiko, dass sie sie (die Spiele) früher oder später bekommen“, meinte Sala.

„Es sind beide sehr traditionelle und starke Wintersport-Länder“, sagte IOC-Präsident Bach. Beide seien „perfekt auf der Linie“ der Olympia-Agenda 2020. So wollen beide Bewerber 80 Prozent existierende oder temporäre Arenen nutzen und damit 20 Prozent mehr als Peking 2022. Ebenso sind ihre Budgets mit jeweils etwas mehr als 1,3 Milliarden Euro um 75 Prozent geringer als die der Winterspiele in drei Jahren in China. Vom IOC erhält die Siegerstadt 811 Millionen Dollar (711 Mio. €).

Ein Olympia der kurzen Wege wird es da wie dort nicht geben: Stockholm geht mit dem 540 Kilometer entfernten Are (Ski alpin), Falun und Sigulda ins Rennen. In der lettischen Stadt soll der Eiskanal genutzt werden. Neben Mailand wird das 400 Kilometer entfernte Cortina d’Ampezzo, das 1956 schon Schauplatz der Winterspiele war, ein zent­raler Veranstaltungsort in den Dolomiten sein. (dpa)