Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 30.06.2019


Reitsport

Dressurturnier in Fritzens: Ein Hauch von Tokio am Schindlhof

Deutschland ist die dominierende Dressurnation. Das soll sich ändern. Die Asiaten drängen ins Viereck – auch in Tirol.

Dressurkönigin Isabell Werth (M.) reitet am Schindlhof von Evelyn (l.) und Klaus Haim-Swarvoski (r.) erneut von Sieg zu Sieg.

© schreinerDressurkönigin Isabell Werth (M.) reitet am Schindlhof von Evelyn (l.) und Klaus Haim-Swarvoski (r.) erneut von Sieg zu Sieg.



Von Susann Frank

Fritzens — Das Bild soll sich ändern: Die Flaggenfarben bei der Siegerehrung sollen zukünftig vielfältiger werden. Obwohl beim internationalen Viersterne-Dressurturnier am Schindlhof 15 Nationen am Start sind, stammten die Sieger am Samstag alle aus Deutschland. Sowohl beim Intermediaire durch Dorothee Schneider als auch beim Grand Prix gesdurch Isabell Werth. Die erfolgreichste Reiterin der Welt, Werth, führte zudem in der Großen Tour noch einen schwarz-rot-goldenen Dreifachtriumph an.

Alles Deutschland oder was? „Es war im Gespräch, dass die Dressur bei Olympia gestrichen wird", erzählt Ausbilder Martin Schaudt: „Weil oft zu wenig Nationen am Start waren und Deutschland gewonnen hat, herrscht das allgemeine Bestreben, mehr Nationen zum Reiten zu bewegen." Schaudt ist ebenfalls Deutscher, trainiert jedoch mit Young-Shik Hwang den Koreaner im Starterfeld. Der zweimalige Gewinner der Asian Games wohnt jetzt seit zwölf Jahren in Deutschland, um der Weltklasse näher zu kommen. Der Schützling des zweifachen Team-Olympiasiegers Schaudt landete im Grand Prix auf dem achten Platz. Schaudt: „In ihrer Heimat boomt der Sport. Früher musste, wer etwas auf sich hielt, Golf spielen, heute reiten viele davon." Die Tirolerin Kerstin Kronaus merkt an: „Bis vor ein paar Jahren haben die Koreaner noch nicht einmal gewusst, was Dressurreiten ist."

Der Ehrgeiz zur Weiterentwicklung ist auf dem gesamten asiatischen Markt zu beobachten. Am Schindlhof starten noch Reiterinnen aus Singapur und Thailand. „Aber vor allem die Chinesen und Japaner kommen immer mehr", weiß auch Schindlhof-Gastgeberin Evelyn Haim-Swarovski: „Viele sehr gute Pferde werden in der Vor-Olympia-Zeit dorthin verkauft." Sie erhoffen sich dadurch bei den Spielen 2020 größere Chancen. „Dass sie Fuß fassen, wird dauern", sagt Haim-Swarovski. Von Olympia-Gold in Tokio ist nicht auszugehen.

Aber, damit die Nationen näher zusammenrücken, sind beim Teambewerb statt vier nur noch drei Reiter am Start. „Dadurch werden andere Nationen ermutigt, mitzumachen", betont Schaudt.

Davon konnten sich am Samstag in Fritzens 2000 Zuschauer überzeugen. Und am Schluss gewann aber doch Isabell Werth, die am Sonntag zum vierten Mal in Folge vor dem Gesamtsieg bei dem hochkarätigen Dressurturnier steht.

Ergebnisse und Programm, Dressurturnier am Schindlhof:

Ergebnisse, Grand Prix: 1. Isabell Werth (GER/) auf Don Johnson 75,652 %; 2. Stefanie Schatz-Weihermüller (C’est la Vie) 72,848 %; 3. Victoria Michalke (Novia/alle GER) 69,913 %. Tirolerin: 10. Amanda Hartung (Dresscode Black) 65,913 %.

Ergebnisse, Intermediare: 1. Dorothee Schneider (GER) auf Smirnoff 72,971 %; 2. Timna Zach (AUT/Farant) 70,412. 3. Pablo Gomez Molina (Furst Fiorano Ymas) 69,500. Tirolerinnen: 11. Martina Hübner (Bardolino) 65,236; 13. Kerstin Kronaus (De Lux) 64,324. Programm heute: 8 Uhr: Grand Prix Consolation; 9.15 Uhr GP Special; 12.30 GP Musikkür; danach folgt erst das Schauprogramm mit der Wahl zum „schönsten Hut“ (geändert wegen Hitze).