Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 03.07.2019


Tour de France

Tour-Hoffnung Patrick Konrad reist mit “rausgestreckter Brust“ nach Brüssel

Der Staatsmeister peilt bei der am Samstag beginnenden Tour de France einen Top-Ten-Platz an, Pöstlberger und Mühlberger sind als Helfer gedacht, Haller ist der Vierte im Bunde.

„Ich habe das Niveau, dass man sich was trauen kann, aber es darf keine Harakiri-Aktion sein.“ - Patrick Konrad

© Imago„Ich habe das Niveau, dass man sich was trauen kann, aber es darf keine Harakiri-Aktion sein.“ - Patrick Konrad



Innsbruck, Brüssel — Natürlich könnte Patrick Konrad drei Tage vor Beginn der 106. Tour de France in Brüssel (das freilich in Belgien liegt) tiefstapeln. Tut er aber nicht. Und dies aus verständlichen Gründen. Nach dem dritten Gesamtrang bei der Tour de Suisse und dem anschließenden Gewinn der Straßen-Staatsmeisterschaft am Mondsee reist der 27-jährige Niederösterreicher mit „rausgestreckter Brust", wie er selbst meinte, an.

Konrad erwartet Ineos mit Vorjahressieger Geraint Thomas und Egan Bernal auch ohne den verletzten Vierfach-Gewinner Christopher Froome als dominierende Mannschaft. Der Kletterspezialist ist aber optimistisch, Zeichen zu setzen, und schloss eigene Attacken nicht aus. „Ich habe das Niveau, dass man sich was trauen kann, aber es darf keine Harakiri-Aktion sein."

Die ersten Berge warten auf der 6. Etappe in den Vogesen, nach den Pyrenäen (Bergankunft auf dem Tourmalet/14. Etappe am Tag nach dem einzigen Einzelzeitfahren) fällt in der letzten Woche in den Alpen die Entscheidung. An den zwei Tagen vor der Zielankunft in Paris (28.7.) stehen die Bergankünfte in Tignes und Val Thorens auf dem Programm.

Erstmals seit den Zeiten des Teams Gerolsteiner zu Beginn des Jahrtausends setzt mit dem Bora-Team wieder ein Rennstall beim Saisonhöhepunkt auf ein rotweißrotes Trio. Neben Konrad, der wie der Deutsche Emanuel Bachmann für die Gesamtwertung vorgesehen ist, werden Lukas Pöstlberger und Gregor Mühlberger vornehmlich Helferaufgaben zugedacht. Und daran wird es nicht mangeln. Pöstlberger, der Sieger der Giro-Auftaktetappe von 2017, soll sich um die Klassementfahrer, aber auch um Sprintstar Peter Sagan kümmern. Der dreifache Weltmeister will zum siebenten Mal das Grüne Punkte-Trikot. „Am besten wäre es, allen gleich gut zu helfen. Das wird eine Challenge."

Mühlberger soll als starker Kletterer die Chefs in den Bergen möglichst lange unterstützen. „Es kann viel passieren, daher ist es gut, dass wir zwei Kapitäne haben", sagte der 25-Jährige.

Der vierte Österreicher im Tour-Bunde ist Marco Haller, der zum vierten Mal für das Katjuscha-Team in die Pedale tritt und ganz nüchtern feststellte: „20 Prozent der Fahrer im Feld haben eine realistische Chance auf einen Etappensieg, alle anderen und auch ich müssen darauf hoffen, dass es nicht programmgemäß läuft." (m.i., APA)