Letztes Update am Di, 16.07.2019 22:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Golf

Wiesberger vor Open: „Weiß, dass ich mich nicht verstecken muss“

Am Donnerstag startet die 148. Auflage des ältesten der vier Major-Turniere in Royal Portrush im Nordosten Nordirlands. Bernd Wiesberger nimmt den Par-71-Kurs als Nummer 1 der European-Tour-Saisonwertung in Angriff.

Bernd Wiesberger zählt zum großen Kreis der Mitfavoriten.

© gepaBernd Wiesberger zählt zum großen Kreis der Mitfavoriten.



Portrush – The Open Championship – drei magische Wörter für Golfprofis und Fans. Am Donnerstag startet die 148. Auflage des ältesten der vier Major-Turniere, das abwechselnd auf zehn Golf-Kursen in Großbritannien gespielt wird. In Royal Portrush im Nordosten Nordirlands zählt nach seinem jüngsten Sieg in Schottland auch Bernd Wiesberger zum großen Kreis der Mitfavoriten.

Der Burgenländer hat am vergangenen Sonntag bei den Scottish Open seinen sechsten und bisher wertvollsten Titel auf der Europa-Tour erobert. Mit den Leistungen der vergangenen zwei Wochen – bei den vorangegangenen Irish Open war Wiesberger Zweiter – bestätigte er seine Klasse auf Links-Kursen. An der Küste, mit viel Wind, tiefen Bunkern und tiefem Rough neben der Ideallinie kam der 33-Jährige zuletzt bestens zurecht. Darauf setzt er auch in Nordirland.

In Royal Portrush schlägt die Weltelite erstmals seit 68 Jahren ab, der Schauplatz des 10,75-Millionen-Dollar-Turniers ist daher für fast alle Asse neu. Lokalmatador Graeme McDowell, Darren Clarke – der Sieger von 2011 wird am Donnerstag als Erster abschlagen – und Rory McIlroy, der Open-Gewinner von 2014 und Vorjahres-Zweite, sind drei der wenigen Ausnahmen. Letzterer ist auch diesmal einer der ersten Anwärter auf die Siegestrophäe, den Claret Jug.

Bestform seiner Karriere

Wiesberger nimmt den Par-71-Kurs als Nummer 1 der European-Tour-Saisonwertung in Angriff. „Natürlich freue ich mich über die aktuelle Position, sie ändert allerdings nichts an unserem Fokus. Vielmehr ist es eine Bestätigung der guten Arbeit seit meiner Verletzung, und wir wissen, dass wir den richtigen Weg gehen. Nun heißt es, diese Ergebnisse zu bestätigen und die Form über die restliche Saison zu halten“, erklärte der Oberwarter gegenüber der APA.

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Der zweifache Saisonsieger spricht oft in der Wir-Form, er weiß um die Bedeutung seines Teams. Mit Caddie Jamie Lane versteht er sich blendend, bei den (British) Open sind auch Performance Coach Stuart Morgan und Physiotherapeut Bas van der Steur dabei. Exakt vor einem Jahr, am 18. Juli 2018, hatte sich Wiesberger wegen einer Handgelenksverletzung einer Operation unterzogen. Die Blessur hatte eine siebenmonatige Turnierpause nötig gemacht.

Doch bei seinen sechsten Open präsentiert sich Wiesberger wohl in der bisherigen Bestform seiner Karriere. Von einer Mitfavoritenrolle will er dennoch nicht sprechen. „Ich weiß, dass ich mich mit meinem Spiel nicht verstecken muss. Wichtig ist jetzt die richtige Strategie und auch, etwas Ruhe zu finden. Mit allem Weiteren beschäftige ich mich aktuell nicht“, betonte der HAK-Absolvent. Zwei Wochen hintereinander um den Sieg mitzuspielen, habe schon an den Kräften gezehrt.

„Gehe guter Dinge in diese Woche“

Am Mittwoch arbeitete Wiesberger gemeinsam mit Morgan den Spielplan für die zweiten neun Löcher des Kurses aus. Vom „Flow“ der vergangenen Turniere will er auch in der Grafschaft Antrim profitieren. „Ich habe aktuell gutes Vertrauen in mein Spiel. Natürlich ändert sich die Strategie und man muss sich an den Kurs anpassen, aber ich gehe guter Dinge in diese Woche und freue mich auf die Challenge.“ Die ersten zwei Runden (Donnerstag/10.25 Uhr MESZ und Freitag/15.26 Uhr MESZ) wird er gemeinsam mit dem Chinesen Li Haotong (Dritter 2017) und dem Schotten Russell Knox absolvieren.

Zuletzt konnte sich Wiesberger vor allem auf seine Eisen verlassen – die Abschläge klappten meist bestens. „Dadurch konnte ich mir viele Chancen erarbeiten. Ballkontrolle ist auf Links-Kursen sicherlich ein besonders wichtiges Attribut, vor allem bei windigen Bedingungen“, meinte der Weltranglisten-40.

Bisher hatte Wiesberger bei den Open nie zu glänzen vermocht. Bei fünf Starts schaffte er dreimal den Cut, kam aber nie unter die besten 60 (64. beim Debüt 2013). Diesmal scheint die bisher beste Major-Platzierung eines Österreichers in Reichweite. Markus Brier war 2007 bei den Open Zwölfter. Mit einem ähnlich guten Abschneiden würde Wiesberger in der Weltrangliste weiter in Richtung seines Allzeit-Hochs vorrücken. Im Juli 2015 lag er auf Position 23.

Nach dem zweiten Saisonsieg kann Wiesberger die restliche Saison lockerer in Angriff nehmen. „Durch die letzten beiden Wochen haben wir einige unserer Saisonziele bereits recht früh erreicht“, betonte der 15. des PGA-Championship 2014. Nach den Open wird er über seine weitere Saisonplanung entscheiden. (APA)