Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.07.2019


Olympia 2020

Olympia macht’s möglich: Aus Handy wird Medaille

Heute in einem Jahr werden die Olympischen Sommerspiele in Tokio eröffnet. 20 Milliarden US-Dollar garantieren Olympia der Superlative.

Die drei Tirolerinnen Kathrin Unterwurzacher, Nicol Ruprecht und Bernadette Graf (von links) sowie Michaela Polleres (NÖ) und Stephan Hegyi (Wien) kennen den Weg.

© ÖOC/Mine KasapogluDie drei Tirolerinnen Kathrin Unterwurzacher, Nicol Ruprecht und Bernadette Graf (von links) sowie Michaela Polleres (NÖ) und Stephan Hegyi (Wien) kennen den Weg.



Tokio – Japaner lieben die Perfektion. Was freilich nicht heißt, dass sie perfekt sind. So wurde der anfängliche Architekturentwurf für das Nationalstadion, heute in einem Jahr Schauplatz der Eröffnungsfeier, wegen explodierender Kosten kurzerhand über den Haufen geworfen. Aber auch so schlagen sich die Kosten für die Mehrzweckarena mit umgerechnet stolzen 1,2 Milliarden Euro nieder. Die Einweihungsfeier ist für den 21. Dezember geplant – bis dahin wird auch das ausstehende Viertel der 60.000 Sitzplätze montiert sein.

Schon heute werden im Rahmen der „One year to go“-Feiern in der 10-Millionen-Metropole u. a. die Olympia-Medaillen vorgestellt. Die 500 Objekte der Begierde (Paralympics inklusive) wurden aus 79 Tonnen gebrauchten Mobiltelefonen hergestellt. Dabei wurden 32 Kilogramm Gold, 3500 kg Silber und 2200 kg Bronze verarbeitet. Die Podeste für die Medaillen­feiern werden ausnahmslos aus Plastikabfall produziert.

Mit Stand heute – die Schwimm-WM in Südkorea ist ja gerade im Laufen – haben zehn Aktive die Olympia-Norm erfüllt. Marlene Kahler (Schwimmen), die beiden Siebenkämpferinnen Ivona Dadic und Verena Preiner, Marathon-Mann Lemawork Ketema und Diskus-Hoffnung Lukas Weißhaidinger haben bereits ihren Fixplatz. Weitere fünf Athleten, darunter die Segel-Duos Zajac/Matz (Nacra 17) und Frank/Abicht (49FX) sowie Luftgewehrschütze Martin Strempf­l, haben Quotenplätz­e, müssen sich also noch in einer internen Qualifikation durchsetzen. „Wenn es nach den Hochrechnungen der Fachverbände geht, ist mit gut 75 Aktiven zu rechnen“, sagt ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel. Vorbehaltlich der Qualifikation dürfen aus Tiroler Sicht am ehesten Kathrin Unterwurzacher und Bernadette Graf (beide Judo), Martina Kuenz (Ringen) und Jakob Schubert bei der Premiere der Sportkletterer von höheren olympischen Weihen träumen – Überraschungen nie ausgeschlossen und höchst willkommen.

Bis es in einem Jahr losgeht, gibt es aber noch Herausforderungen, zum Beispiel wie ein Verkehrschaos abgewendet werden kann. Dazu sollen auch Auffahrten zur Stadtautobahn in der Nähe der Wettkampfstätten gesperrt werden. Außerdem wird an Unternehmen appelliert, ihren Mitarbeitern Heimarbeit zu erlauben. In Tokio pendeln jeden Tag rund acht Millionen Menschen in 47.000 Zügen. Zu den Olympischen Spielen wird sich diese Zahl Schätzungen zufolge um 650.000 Menschen erhöhen. Eine weitere Sorge ist die extreme Sommerhitze. Um sie erträglicher zu machen, soll es für Freiluft-Wettkämpfe Maßnahmen zur Linderung der Hitze geben. Für die Marathon-, Geh- und Rad-Wettbewerbe wird an Beschichtungen gedacht, die die Temperatur der Straßenoberfläche senken. Es soll ja schließlich alles perfekt werden. (m. i., APA)

Für die Maskottchen Someity (Paralympics) und Miraitowa (Olympia) wird wohl Platz geschaffen.
Für die Maskottchen Someity (Paralympics) und Miraitowa (Olympia) wird wohl Platz geschaffen.
- AFP
Der Verkehr als Achillesferse – in Tokio pendeln täglich rund acht Millionen Menschen in 47.000 Zügen.
Der Verkehr als Achillesferse – in Tokio pendeln täglich rund acht Millionen Menschen in 47.000 Zügen.
- AFP