Letztes Update am Mi, 24.07.2019 18:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tennis

Alexander Antonitsch im TT-Interview: „Wunderkind gibt es keines“

Vor den Generali Open in Kitzbühel (ab 29.7.) spricht Turnierdirektor Alexander Antonitsch über den Auftritt von Tennis-Star Dominic Thiem, Probleme in Österreichs Verband und den „Mentor“ Günter Bresnik.

Vor der Kulisse der Tiroler Bergwelt sprach Turnierdirektor Alexander Antonitsch über die Generali Open.

© Foto TT/Rudy De MoorVor der Kulisse der Tiroler Bergwelt sprach Turnierdirektor Alexander Antonitsch über die Generali Open.



Herr Antonitsch, kommenden Mittwoch wird Dominic Thiem bei der Pemiere der Night Session in Kitzbühel aufschlagen. Was darf man sich da erwarten?

Alexander Antonitsch: Wir erwarten uns viel und sind selbst schon gespannt. Viel erwarten wir uns aber nicht nur von Thiem, sondern auch von den drei anderen Österreichern, die mit dabei sind. Wir haben mit drei Wildcards das Maximum für die heimischen Spieler herausgeholt. Es ist alles angerichtet.

Von vier Österreichern hat sich nur einer sportlich für das Hauptfeld qualifiziert. Wie beurteilen Sie das?

Antonitsch: Kommt darauf an, wie man es sieht. Die Top 100 der Weltrangliste reichen nicht mehr aus für das Hauptfeld. Aber ja: Wir haben außer Thiem keinen anderen in den Top 100. Ich warte nur darauf, dass die weiter vorne im Ranking aufschlagen. Es ist eine Frage der Zeit, vor allem bei Dennis Novak. Ihm muss der Knopf aufgehen, der gehört für mich schon lange in die Top 100. Die Frage ist nur, was dahinter nachkommt.

Kommt zu wenig nach?

Antonitsch: Ich sehe jetzt relativ viel vom Tennis, weil ich mit meiner Tochter Mira in der Südstadt in der Akademie von Günter Bresnik bin. Da kommt viel nach und es tut sich auch einiges. Die Zusammenarbeit des österreichischen Verbandes mit Wolfgang Thiem und Bresnik hat viel geholfen. Aber wir müssen Geduld haben. Wunderkind gibt es keines.

So wie Dominic Thiem? Wie sehen Sie dem Auftritt des Weltranglisten-Vierten entgegen, der seit 2015 kein Einzelspiel mehr in Kitzbühel gewonnen hat?

Antonitsch: Bei Thiem hängt viel davon ab, wie er ins Turnier startet. Das ist bei ihm oft der Knackpunkt. Und Kitzbühel ist mit seiner Höhenlage immer sehr speziell. Zudem hat er ein Freilos und startet erst am Mittwoch, wenn seine Gegner schon eingespielt sind. So wie Martin Klizan, der ihn im Vorjahr im Achtelfinale schlug und dann das Turnier gewann. Das Wichtigste bei Thiem ist aber: Er freut sich auf das Turnier, will es gewinnen, weil ihm das noch fehlt. Lyon, St. Petersburg, Indian Wells – das sind Riesen-Events. Aber es ist etwas ganz anderes, wenn Thiem zuhause spielt und die Fans voll hinter ihm stehen. Aber viele vergessen: Auch als Nummer vier der Welt gibt es keinen Durchmarsch.

Nach heuer hat Thiem auch schon für 2020 zugesagt und sich gegen Olympia in Tokio (JPN) entschieden.

Antonitsch: Sein „Nein“ zu Olympia verstehe ich vollkommen. Die Spieler kommen von der Rasen-Saison, sind dann auf Sand am Werk und müssen dann bei Olympia in Asien auf den Hartplatz – danach bist du k. o. Olympia in Tokio taugt vielen nicht. Ich bin gespannt, wie das die Spieler lösen.

Thiem trennte sich heuer nach 17 Jahren von Bresnik. Einer, der davon profitiert, sind Sie: Tochter Mira (20 Jahre/676. der Weltrangliste, Anm.) trainiert nun mit Bresnik. Wie intensiv ist diese Kooperation?

Antonitsch: Günter kannte Mira schon, als sie ein Baby war. Er hat natürlich gleich einiges umgestellt. Mira war ja anderthalb Jahre außer Gefecht wegen Ödemen in beiden Knöcheln. Die beiden trainieren jetzt täglich. Für mich ist er einer der besten Technik-Trainer der Welt.

War es an der Zeit, dass sich Bresnik nach den Herren auch um das Damen-Tennis kümmert?

Antonitsch: Er kümmert sich jetzt erst einmal nur um die Mira. Sonst hat er keine österreichische Dame. Er entdeckt Dinge, an die man nicht denkt. Wenn sich Wolfgang Thiem und Bresnik um Österreichs Tennis kümmern, ist es das richtige Zeichen. Was mich stört: Der österreichische Verband beschäftigt sich mehr mit sich selbst als mit dem Tennis. Ich würde mir wünschen, dass der Verband professioneller geführt wird und man die Chance mit Dominic Thiem als Zugpferd nicht verpasst.

Ist das der Fall?

Antonitsch: Ja. Die neue Präsidentin Christina Toth will den Verband professioneller machen. Der Restrukturierungs-Prozess soll in Kitzbühel vorgestellt werden. Das ist auch notwendig. Man muss die positive Stimmung im Tennis nutzen, da herrscht ein richtiger Boom! Jetzt reden alle wieder über Tennis. Wir spüren das auch in Kitzbühel. Das muss man nützen. Doch der ÖTV beschäftigt sich lieber mit sich selbst und nicht mit dem Tennis.

Auch Kitzbühel spürt den Boom sichtlich.

Antonitsch: Tennis in Österreich zieht! Dabei haben die Leute vergessen: Kitzbühel war 2010 nach dem Lizenz-Verlust nicht mehr da. Wenn es Markus Bodner und Herbert Günther nicht gegeben hätte, wäre aus dem Turnier nix geworden. Das kriegt keiner mit. Alle denken, das Turnier gibt es über 70 Jahre. Aber das ist nicht so einfach. Fünf Jahre vor mir hat es vier verschiedene Turnierdirektoren gegeben. Viele haben mir vom Job abgeraten. Und nun mache ich das schon neun Jahre. Da hat sich viel getan.

Das heißt: Sie müssen auch nicht mehr so wie früher die Camping-Plätze abklappern, um die Niederländer ins Stadion zu locken ...

Antonitsch: Nein, das mache ich nicht mehr (lacht). Das war aber geil, oder?

Das Gespräch führte Roman Stelzl