Letztes Update am Mi, 31.07.2019 13:49

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Wolfgang Thiem: „Kicken mit Arnautovic war Schwachsinn“

Wolfgang Thiem, Vater von Österreichs Tennis-Star Dominic, sprach vor dem ersten Auftritt seines Sprösslings mit der TT über das Turnier in Kitz, Heimschwäche und Druck.

Wolfgang Thiem hofft, dass sich sein Sohn Dominic dieses Jahr in Kitz mehr fokusieren kann.

© gepaWolfgang Thiem hofft, dass sich sein Sohn Dominic dieses Jahr in Kitz mehr fokusieren kann.



Kitzbühel – Kein Doppel, keine Side-Events – Dominic Thiem setzt nach den Erkenntnissen aus den Jahren zuvor in Kitzbühel heuer auf vollen Fokus. Wie wichtig das ist, erzählt Papa und Coach Wolfgang Thiem.

Was darf oder muss man Dominic Thiem in Kitzbühel zutrauen?

Wolfgang Thiem: Zutrauen muss man ihm den Turniersieg. Das kann nur der einzige Anspruch sein. Dominic hat letzte Woche in Hamburg ganz gut gespielt, er hat das Spiel gegen Rublew aus der Hand gegeben. Aber sonst ist er gut drauf.

Auffallend ist aber die Heimschwäche: Eine 8:7-Siegesbilanz in Kitzbühel sowie eine von 8:8 in Wien spiegeln nicht seine Klasse wider, oder?

Im vergangenen Jahr kickte Dominic Thiem (M.) am Tag seines Spiels noch mit Marko Arnautovic (r.).
Im vergangenen Jahr kickte Dominic Thiem (M.) am Tag seines Spiels noch mit Marko Arnautovic (r.).
- gepa hauer

Thiem: Er hat sicher mehr Druck im eigenen Land. Aber das ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite möchtest du vor eigenem Publikum spielen, weil das ein zusätzlicher Ansporn ist. Auf der anderen Seite kann dich das blockieren. Bei ihm ist das jetzt aber nicht mehr so gravierend, weil er als Top-5-Spieler eh schon viel zu tun hat. Aber zuhause ist es etwas anderes: Es dreht sich alles um Dominic, das Turnier ist auf ihn aufgebaut. Deshalb ist eine zusätzliche Nervosität da. Er muss sich da einfach auf sich konzentrieren und sich nicht ablenken lassen. Das ist ihm heuer erstmals besser gelungen.

Das heißt, es gibt weniger Termine rundherum?

Thiem: Genau. Er hat sich da früher zu leicht verleiten lassen – da ein Termin, da noch einer. Das kostet Substanz und Konzentration. Wenn er zu viel macht, so wie letztes Jahr, ist das nicht gut. Das Kicken mit Marko Arnautovic war ein Schwachsinn (Anm.: Thiem kickte 2018 am Vormittag am Tennisplatz u. a. mit Arnautovic und unterlag am Abend Martin Klizan). Das war ist zwar lustig, aber wenn du danach dein erstes Match in Kitzbühel verlierst, dann ist das ganz blöd.

Ist das ein Lernprozess von Jahr zu Jahr?

Thiem: Ich glaube schon. Wenn du zum ersten Mal da bist, weißt du noch nicht, was dich erwartet. Dominic hat sich vielleicht zu viel zugemutet. Das kriegst du nach einiger Zeit ins Gefühl. Ein Trainer oder Manager kann dich nur beratschlagen, entscheiden muss er selbst.

Ihr zweiter Sohn Moritz Thiem spielte gestern mit Nicolás Massú im Doppel – wie beurteilen Sie das?

Thiem: Eine lustige Geschichte für das Turnier, für Moritz eine super Erfahrung. Eigentlich hätte Dominic mit Massú spielen sollen, aber das wollten wir nicht, weil dann genau das eintritt, was ich vorher gesagt habe: Das Rundherum ist zu viel.

Das heißt: Der Fokus muss unbedingt höher sein?

Thiem: Das muss sein. Weil das letztes Jahr ein Mitgrund war für die Niederlage.

Das Gespräch führte Roman Stelzl