Letztes Update am Do, 01.08.2019 11:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tennis

Tennisverband ist auf der Suche nach einer neuen Ordnung

Nach den Turbulenzen der jüngsten Vergangenheit sucht der Österreichische Tennis-Verband den Neuanfang. Konkrete Ideen fehlen allerdings noch.

Seit knapp fünf Monaten leitet die Sportanwältin Christina Toth als Präsidentin den Österreichischen Tennis-Verband.

© gepaSeit knapp fünf Monaten leitet die Sportanwältin Christina Toth als Präsidentin den Österreichischen Tennis-Verband.



Von Roman Stelzl

Kitzbühel – Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen – und weil der Österreichische Tennis-Verband (ÖTV) schon lange eine Reise macht, ohne sein Ziel zu erreichen, haben seine Vertreter besonders viel zu erzählen. Fast zwei Stunden lang sprachen ÖTV-Neo-Präsidentin Christina Toth und Geschäftsführer Thomas Schweda über die Zukunft eines Verbandes, der jüngst wieder viel Kritik wegen interner Streitereien einstecken musste. Auch wenn konkrete Ideen erst erarbeitet werden sollen, gibt es genug Baustellen und Ziele im ÖTV.

Machtverhältnisse: „Es ist unklar, wer was macht. Deshalb ist es ein zentrales Thema, welche Rolle die Landesverbände und der ÖTV einnehmen werden“, sagt Toth. Wie das genau aussieht, soll ein zweitägiger Workshop in Kitzbühel klären, bei dem die Weichen für das restliche Jahr gestellt werden. Im Jänner soll dann der Fahrplan für 2020 stehen. Ein schwieriges Unterfangen. Denn genau beim Thema Zuständigkeiten der Landesverbände ging zuletzt viel zu Bruch: Ex-Präsident Werner Klausner warf heuer im März das Handtuch, weil einige Landesverbänd­e im Hintergrund die Fäden zogen, um zu mehr Macht im Verband zu kommen. Seither wird auch mithilfe einer Agentur an einer Neuordnung gearbeitet. Noch ohne konkretes Ergebnis. Toth: „Unser Ziel ist: Am Ende des Jahres muss klar sein, wer den Verband führt. Es wird sich erst herausstellen, wie das genau aussieht.“ Schweda: „Die Frage ist: Was darf wer entscheiden? Das ist ganz schwierig.“

Sportkonzept: Diese offenen Fragen sollen derzeit nur die Neustrukturierung betreffen. Am ÖTV-Sportkonzept, das im Jänner 2019 mit acht Kernpunkten präsentiert wurd­e, hält man fest. Damit bleibt auch die Individualförderung (Unterstützung bis 22 Jahre unabhängig vom Trainingsort), um die lange gekämpft wurde, unberührt.

Leistungszentrum Tirol: Mit Ex-Top-50-Spieler Andreas Haider-Maurer und Daniel Huber, sportlicher Leiter im Tiroler Verband (TTV), gibt es in Tirol zwei Leute mit Fachwissen, die schon bald gemeinsam eine Tennis-Akadamie in Tirol eröffnen wollen. Der Standort ist noch offen, Gespräche laufen. „Wir wollen etwas bewegen und die Dicht­e an leistungsstarken Spielern in Tirol erhöhen“, sagt Huber, der verbissen um ein Tiroler Leistungszentrum kämpft. Einer Idee von einem zweiten, im Westen ausgelagerten bundesweiten Zentrum neben jenem in der Südstadt kann Thomas Schweda wenig abgewinnen: „Dafür ist Österreich zu klein.“

Sportdirektor: Der ÖTV schreibt quasi eine Bewerbung für den Posten als ÖTV-Sportdirektor aus, der den Verband sportlich anführen soll. Namen wie Alex Peya, Julian Knowle und Jürgen Melzer wurden genannt – wobei alle drei noch aktiv sind. Günter Bresnik, dessen Akademie in der Südstadt viele ÖTV-Spieler ausbildet, war einst in der Funktion – auch der Tiroler (Ex-)Djokovic-Coach Gebhard Gritsch könnte sich den Job vorstellen.

Davis Cup: „Zu 99,9 Prozent“ ist Dominic Thiem laut Davis-Cup-Kapitän Stefan Koubek im September beim Davis-Cup-Duell bei Tennis-Zwerg Finnland dabei. Daneben ist das Team top besetzt. Der Sieger spielt wohl im März 2020 um ein Ticket für das Final­turnier.