Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 19.08.2019


Olympia

In Tokio droht bei den Sommerspielen die olympische Hitzeschlacht

Am 24. Juli 2020 beginnen in Tokio (JPN) die Olympischen Sommerspiele. Für die Rückkehr zum Gastgeber von 1964 erwarten Klima-Experten Probleme mit der Hitze, allein im Juli verstarben zuletzt 57 Menschen.

Erst kürzlich musste der Triathlon-Testlauf verkürzt werden, die Temperaturen ließen kein Rennen zu.

© imago images / BelgaErst kürzlich musste der Triathlon-Testlauf verkürzt werden, die Temperaturen ließen kein Rennen zu.



Von Florian Madl

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Tokio – Im vergangenen Jahr starben in Japan mehr als 100 Menschen an einem Hitzeschlag, 70.000 Menschen mussten ins Krankenhaus. Und allein den Juli dieses Jahres überlebten 57 Menschen temperaturbedingt nicht, 40 Grad und darüber wurden gemessen. Das Land mit seinen 126 Millionen Einwohnern weiß mit der unbarmherzige­n Sonne und der gleichzeitig hohen Luftfeuchtigkeit umzugehen, das Umweltministerium empfiehlt deshalb ab 32,5 Grad keinen Sport im Freien. Das scheint nachvollziehbar – wären im kommenden Jahr nicht Olympische Sommerspiele. Ein Kuriosum: Das Land erhielt im Jahr 2013 den Olympia-Zuschlag mit dem Argument, Tokio biete „ein ideales Klima für Athleten und Höchstleistungen“. Der Sommer sei „sonnig, mit vielen milden Tagen“.

Im Jahr 1964 hatte man dafür noch eine Lösung parat, die ersten Olympischen Spiele wurden kurzerhand im Oktober abgehalten. Das Fernsehen von damals hatte noch nicht die Macht, Termine festzulegen, Sponsoren hatten sich den Vorstellungen der Veranstalter zu unterwerfen. Die Event-Konkurrenz für die olympische Bewegung damals: überschaubar.

Ventilatoren und Klimaanlagen sind in Tokio Verkaufs-Hits.
Ventilatoren und Klimaanlagen sind in Tokio Verkaufs-Hits.
- imago

Mittlerweile ist in Sportlerkreisen von einem „Problem“ die Rede, selbst eine Präventionsstudie zu Herzattacken soll zur Lösung beitragen. Und die jüngsten Testwettkämpfe in Tokio untermauern die Dringlichkeit des Themas: So wurde jüngst die Laufstrecke bei einem Testwettkampf der Triathletinnen auf die Hälfte verkürzt. Der Gipfel: Eine Französin musste nach dem Rennen wegen eines Sonnenstichs ins Spital eingeliefert werden.

Aufgrund der Hitze war es in Tokio auch bei der Junioren-WM im Rudern und bei Segel-Wettkämpfen zu Zwischenfällen bei Zuschauern und Teilnehmern gekommen. Zuvor hatten bereits die Freiwasserschwimmer beklagt, dass die Wassertemperatur bei einem Testwettkampf im Odaiba Marine Park zu hoch gewesen sei. Und bei einem Test der Reiter gab es unter Athleten aus Sorge über die Hitze für Reiter und Pferde Forderungen nach einem früheren Startbeginn am Morgen, der Marathon-Start wurde kurzerhand ins Frühstücksfernsehen verschoben (6 Uhr morgens). Was Österreichs Olympisches Komitee vorhat? „Wir klären auf“, meint Generalsekretär Peter Mennel, der an alle Verbände Handbücher zu Vorkehrungen ausgeben lässt.

Angesichts dieser klimatischen Probleme nehmen sich politische Unannehmlichkeiten geradezu unbedeutend aus. Der Territorialstreit um die Kurilen, eine Inselkette im Pazifik, findet medial vorerst kaum Widerhall. Bekanntlich sorgte die Einbindung in den olympischen Fackellauf für Dissonanzen mit Russland, das Thema interessiert vorerst am Rande.

Die Temperaturen in Tokio kratzen augenblicklich an der 40-Grad-Marke.
Die Temperaturen in Tokio kratzen augenblicklich an der 40-Grad-Marke.
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