Letztes Update am Fr, 20.09.2019 16:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Formel 1

Hamilton Trainingsschnellster in Singapur, Bottas mit Unfall

Der Weltmeister ließ im Mercedes am Freitag die Konkurrenz hinter sich, vor allem für Ferrari sieht es beim Nachtrennen düster aus.

Drehte die schnellste Runde zum Auftakt: Max Verstappen.

© www.imago-images.deDrehte die schnellste Runde zum Auftakt: Max Verstappen.



Singapur - Lewis Hamilton hat am Freitag Tagesbestzeit in den Trainings für den Formel-1-Grand Prix von Singapur erzielt und damit Kurs auf seinen dritten Sieg dort in Serie genommen. Folgen konnte dem britischen Mercedes-Star nur der Niederländer Max Verstappen, der im Red Bull lediglich 0,184 Sekunden Rückstand hatte.

Ferrari dagegen scheint nach den zwei Siegen von Charles Leclerc in Spa und Monza diesmal chancenlos. Sebastian Vettel hatte als Dritter 0,8 Sekunden Rückstand, der Monegasse Leclerc als Sechster sogar mehr als 1,2 Sekunden - das sind in der Formel 1 Welten. Sorgen bereitete zudem ein Getriebeproblem an Leclercs Auto im Auftakttraining.

Auch Valtteri Bottas erwischte einen schlechten Tag. Der Finne, der in der WM-Wertung als Zweiter schon 63 Punkte hinter Stallgefährte Hamilton zurückliegt, krachte am Nachmittag heftig in die Streckenbegrenzung. Am Abend kam Bottas im reparierten Silberpfeil nicht über Platz vier hinaus.

So oder so, das Flutlichtrennen verspricht am Sonntag (14.10 Uhr/ORF 1, RTL und Sky) wieder beeindruckende Bilder aus der funkelnden Millionenstadt. "Es sieht spektakulär von außen aus - und auch aus dem Auto", sagte Vettel. Der Deutsche muss vor allem in eigener Sache Werbung machen. Seine WM-Hoffnungen sind bei 115 Punkten Rückstand auf Hamilton schon zerplatzt. Nach der jüngsten Blamage in Monza, als er nach einem Dreher und einer Zeitstrafe nur 13. wurde, ist Vettel als Fünfter im Klassement auch hinter seinen 21-jährigen Teamgefährten Leclerc zurückgefallen.

In Singapur hat Vettel immerhin schon viermal gewonnen. Genauso oft gelang dies Hamilton, dem Sieger der beiden Vorjahre. Die Dauerrivalen sind auch die einzigen Fahrer im Feld, die in jedem Grand Prix auf dem kurvenreichen Marina Bay Street Circuit am Start waren. "Es ist eine Hassliebe, das härteste Rennen des Jahres. Du brauchst einen unheimlichen Level an Konzentration", sagte Vettel.

Die schwüle Hitze bringt die Piloten körperlich an die Grenze. Mit zumeist knapp zwei Stunden Dauer ist das Rennen oft auch das längste des Jahres. Bis zu drei Kilogramm Gewicht durch Schweiß verliert jeder Fahrer während der Tortur. "Normalerweise nehme ich keine Wasserflasche mit ins Auto. Aber hier werde ich mir auf jeden Fall eine geben lassen", sagte Jungstar Leclerc.

Eine zusätzliche Belastung könnte die schlechte Luft werden. Seit Tagen treibt der Wind Rauch von den Bränden auf Borneo nach Singapur. "Mir wurde gesagt, ich soll nicht draußen zum Laufen gehen, weil es nicht gut für mich wäre", sagte Hamilton. Für die Zuschauer werden auf jeden Fall zusätzliche Atemmasken für Mund und Nase bereitgestellt. Für die Fahrer ist das keine Option. "Wir können nicht viel machen in unseren Helmen", sagte Hamilton.

Für Vettel-Landsmann Nico Hülkenberg ist wohl auch bei Alfa Romeo und Red Bull im nächsten Jahr kein Formel-1-Cockpit frei. "Nico ist nicht auf unserer Liste", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner am Freitag in Singapur. Frederic Vasseur, Teamchef bei Alfa Romeo und lange ein Förderer von Hülkenberg, machte dem Deutschen ebenfalls keine Hoffnungen. Der Rennstall sei auf die Entwicklung des Italieners Antonio Giovinazzi fokussiert. "Er ist auf einem guten Weg", sagte Vasseur. Zuvor war spekuliert worden, Hülkenberg könnte Giovinazzi als Teamgefährte von Kimi Räikkönen ablösen.

Hülkenberg muss Renault am Saisonende nach drei Jahren verlassen und wird durch den Franzosen Esteban Ocon ersetzt. Ein Wechsel des 32-Jährigen zum Haas-Team hatte sich zerschlagen. "Es wäre schade, wenn er nächstes Jahr nicht am Start wäre. Er sollte in der Formel 1 sein", sagte Horner. Red Bull und der Schwester-Rennstall Toro Rosso dürften aber weiter auf junge Fahrer aus dem eigenen Nachwuchsprogramm setzen. (APA/dpa)