Letztes Update am Di, 24.09.2019 16:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Leichtathletik-WM 2019

Der Sport als Schutzschild: Katar lädt zur nächsten Weltmeisterschaft

Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften will sich Katar der Welt wieder so präsentieren, wie es sich gerne sieht: als Ausrichter hochkarätiger Sportveranstaltungen. Die Aufmerksamkeit ist auch deshalb besonders groß, weil ein noch größeres Ereignis immer näher rückt. In etwas mehr als drei Jahren, im November 2022, wird in Katar der Anstoß zur Fußball-WM erfolgen.

Das Khalifa International Stadium in Doha wird zum Schauplatz für die LA-WM 2019.

© www.imago-images.deDas Khalifa International Stadium in Doha wird zum Schauplatz für die LA-WM 2019.



Doha – Die Handball-WM 2015, die Straßenrad-WM 2016, die Turn-WM 2018 - in den vergangenen Jahren hat das Emirat Erfahrung gesammelt. Auch auf den Sportfeldern anderer Länder ist Katar längst ein wichtiger, weil finanzstarker Akteur, nicht zuletzt als Eigner des französischen Fußball-Topclubs Paris St. Germain, der einst für die Summe von 222 Millionen Euro den Brasilianer Neymar verpflichtete.

Sport hat dabei nicht zuletzt die Aufgabe, den nicht immer besten Ruf des Emirats aufzupolieren, das dank seiner weltweit größten Reserven an Flüssiggas zu den reichsten Ländern gehört. Immer wieder sieht sich Katar dem Vorwurf ausgesetzt, es beute trotz des Reichtums die rund zwei Millionen Arbeitsmigranten im Land aus.

„Spielwiese für skrupellose Firmen“

Erst vergangene Woche klagte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International, das Emirat bleibe trotz Reformversprechen eine „Spielwiese für skrupellose Firmen“, die Arbeiter nicht bezahlten. Immerhin, die Internationale Arbeitsorganisation der UN (ILO) hat Katar Fortschritte bei der Lage ausländischer Arbeiter bestätigt.

Sport ist aber auch ein Schutzschild für das Emirat in einer Region, die ihm nicht freundlich gesinnt ist. Im Sommer 2017 verhängten die Regionalmacht Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) über Nacht eine Blockade über den kleinen Staat in der Wüste. Sie werfen dem Land Terrorunterstützung und zu enge Beziehungen zum Iran vor, was das Herrscherhaus in Doha zurückweist. Sogar ein Krieg schien zeitweise denkbar. Doch gegen den künftigen Gastgeber der Fußball-WM vorzugehen, würde Saudi-Arabien negative Schlagzeilen bescheren. Stattdessen soll Riad hinter den Kulissen daran gearbeitet haben, Katar die WM zu entziehen - jedoch erfolglos.

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Kein Testlauf für die Fußball-WM

Die Leichtathletik-WM ist auch deshalb für Katar ein Prestigeobjekt, weil es an seiner Aspire Academy in Doha eigene Sportler fördert. Der katarische Hochsprung-Weltmeister Mutaz Essa Barshim gehört zu den Besten seiner Zunft. Als Testlauf für die Fußball-WM aber dürften die Wettbewerbe im 40.000 Zuschauer fassenden Khalifa International Stadion in Doha trotz allem nicht dienen. Wie voll es sein wird, bleibt ohnehin offen.

Bei der Fußball-WM 2022 muss Katar hingegen mit einem bisher nicht gekannten Massenansturm von Fans aus aller Welt rechnen. Der erste richtige Testlauf für dieses Turnier dürfte erst in knapp drei Monaten erfolgen, wenn die besten Vereine zur Fußball-Club-WM in dem Emirat auflaufen. Und wie der FC Liverpool Fans mitbringen, die auch in einem streng islamischen Land gerne ein Bier trinken möchten ... (APA, dpa)