Letztes Update am Fr, 27.09.2019 15:17

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Doping

„Operation Aderlass“: Acht Jahre Sperre für Triathlon-Coach M.

Der Niederösterreicher habe sich der Anwendung und des Besitzes einer verbotenen Methode sowie von Substanzen, Inverkehrbringen von verbotenen Substanzen und Methoden sowie Anleitung, Anstiftung, Konspiration und vorsätzliche Beihilfe bei einem Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen schuldig gemacht.

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Wien/Graz – Im Zuge der Ermittlungen der „Operation Aderlass“ bei der Nordischen WM in Seefeld ist nun der u.a. als Triathlon-Betreuer tätige Emanuel M. verurteilt worden. Der 34-Jährige Niederösterreicher wurde von der Österreichischen Anti-Doping Rechtskommission (ÖADR) wegen umfangreichen Verstößen gegen die Anti-Doping-Bestimmungen des Internationalen Triathlon-Verbandes (ITU) für acht Jahre gesperrt.

Die Sanktion gilt rückwirkend ab 24. Juni dieses Jahres. M. habe sich der Anwendung und des Besitzes einer verbotenen Methode (Manipulation von Blut oder Blutbestandteilen) sowie von Substanzen (darunter Wachstumshormonen), Inverkehrbringen von verbotenen Substanzen und Methoden sowie Anleitung, Anstiftung, Konspiration und vorsätzliche Beihilfe bei einem Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen schuldig gemacht.

M. hat sich u.a. auch als Servicemann des vierfachen Schweizer Langlauf-Olympiasiegers Dario Cologna in der Szene einen Namen gemacht. Gegen Cologna besteht laut Innsbrucker Staatsanwaltschaft kein Verdacht. M. war im Zuge der „Operation Aderlass“ schon im Frühjahr dieses Jahres von der Staatsanwaltschaft Innsbruck einvernommen worden und soll im Zusammenhang mit der des Dopings überführten steirischen Mountainbikerin Christina Kollmann-Forstner auch einen Kontakt zum deutschen Arzt Mark S. hergestellt haben. Der Mediziner aus Erfurt gilt als Drahtzieher eines Blutdopingrings, der während der Nordischen Ski-WM in Seefeld im Februar aufgeflogen war.

Jahrelang Wohnungspartner von Dürr

Als Unabhängige Dopingkontroll-Einrichtung hatte die NADA Austria gegen M. einen Antrag betreffend die Verhängung von Disziplinarmaßnahmen gemäß den Regelungen des zuständigen (internationalen) Sportfachverbandes ITU eingebracht. Das von der ÖADR durchgeführte Verfahren habe unter Berücksichtigung der vorgelegten Beweise und der Ermittlungsergebnisse der Kriminalpolizei ergeben, dass M. schuldig zu sprechen sei, hieß es in der ÖADR-Mitteilung vom Freitag.

Der Beschuldigte hat nach dem Ende seiner eigenen Langlauf-Karriere auch seinem Freund und früheren Kollegen im niederösterreichischen Langlauf-Kader, Johannes Dürr, bei der Ski-Auswahl und Präparierung geholfen. Dürr steht nach zahlreichen Doping-Vergehen vor einer lebenslangen Sperre. Dürr und M. haben jahrelang in Ramsau eine Wohnung geteilt.

M. soll laut ÖADR-Angaben ab Ende Sommer 2014 Eigenblutabnahmen und Rückführungen an sich vornehmen lassen haben und in einem nicht mehr genau abgrenzbaren Zeitraum zwischen 2015 und 2018 eine nicht näher bezifferte Menge an TB1000 (= Thymosin Beta 4) erworben und an sich angewandt haben. „Für weitere, gesondert verfolgte Sportler besorgte und übergab der Beschuldigte, Emanuel M., ab dem Jahr 2015 jeweils eine größere Anzahl von Pens mit Wachstumshormonen und organisierte für diese Sportler im Zeitraum 2015 bis Ende 2018 in mehreren Fällen Blutabnahmen.“

M. wurde zusätzlich zum Ersatz der Kosten des Verfahrens verpflichtet, sämtliche nach dem 1. September 2014 erzielten Wettkampf-Ergebnisse wurden annulliert. Die Entscheidung der ÖADR ist rechtskräftig. (APA)