Letztes Update am Sa, 05.10.2019 18:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Leichtathletik-WM

Schrott schaffte mit Verlobtem als Coach Sprung ins WM-Halbfinale

Beate Schrott hat bei ihren dritten Leichtathletik-Weltmeisterschaften zum dritten Mal das Halbfinale über 100 m Hürden erreicht. Die Niederösterreicherin qualifizierte sich am Samstag in Doha mit 13,08 Sekunden als 22. der Vorläufe. Gecoacht wurde sie von ihrem Verlobten Christian Taylor, der Olympiasieger und Weltmeister im Dreisprung ist mitverantwortlich, dass Schrott noch Spitzensport macht.

Beate Schrott gelang der Einzug ins WM-Halbfinale.

© gepaBeate Schrott gelang der Einzug ins WM-Halbfinale.



Doha – Als Fünfte ihres Vorlaufes musste die 31-jährige Schrott abwarten, was die Konkurrenz macht, denn nur die Top Vier kamen direkt in das 24er-Semifinale. Dazu stiegen die vier weiteren Zeitschnellsten auf, nach vier Vorläufen war sie immer noch die Beste unter ihnen. Im fünften und letzten Heat waren dann gleich sieben Läuferinnen schneller als die ÖLV-Athletin, was für sie aber gerade noch zum Weiterkommen reichte. Schnellste war die Nigerianerin Tobi Amusan in 12,48. Das Halbfinale geht am Sonntag ab 18.02 Uhr MESZ in Szene, das Finale folgt um 19.50.

Erst Rücken-, dann Gegenwind

„Am Anfang kam der Wind definitiv von hinten, hintenraus war es Gegenwind. Ich habe mir vorgenommen, dass ich durchbeiße und als ich den leichten Widerstand gespürt habe, habe ich noch mehr Gas gegeben“, erzählte Schrott. „Ich bin richtig froh und super zufrieden mit der Zeit. Das ist genau das, was ich wollte. Das ist voll schön.“ Zusatzmotivation hatte ihr Teamkollegin und Siebenkampf-Bronzemedaillengewinnerin Verena Preiner mit ihren 13,25 im Hürdensprint gegeben. „Die Latte war hoch gelegt, 13,25 als Siebenkämpferin, das war schon mein Ziel, dass ich das unterbiete“, sagte Schrott lachend.

2011 in Daegu war Schrott WM-18. geworden, 2015 in Peking musste sie in der Vorschlussrunde mit einem Muskelfaserriss aufgeben. „Mein drittes Semifinale, das ist echt ein Wahnsinn.“ Sie habe natürlich mit dem Semifinale geliebäugelt, aber sie wusste, dass ihr dafür ein guter Lauf gelingen müsse. Die Erfahrung, auf diesem Niveau zu laufen, fehle ihr auch. „Und die letzten Tage waren zäh. Ich habe einen richtigen Lagerkoller bekommen. Ich bin ja wegen Christians Wettkampf schon so lange hier. Ich habe gelaubt, dass er Weltrekord springen kann, das wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen.“ Der Weltrekord wurde es nicht, aber das vierte WM-Gold für Taylor.

Schrott war 2015 zum bisher letzten Mal unter 13 Sekunden gelaufen, heuer kam sie auf 13,03 (67. der Jahresweltbestenliste) und erst Last Minute auf einem Nachrückerplatz zur WM. Ihr großes Ziel sind die Olympischen Spielen in Tokio, danach wird sie ihre Karriere wohl beenden. Die EM-Dritte und Olympia-Siebente von 2012 wollte eigentlich schon nach Platz 45 bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro aufhören. Taylor überzeugte sie zum Weitermachen, ihre Karriere habe sich ein anderes Ende verdient. Das sah sie dann auch so. „Hätte ich in Rio die Karriere beendet, hätte ich immer mit schmerzendem Herzen auf die Leichtathletik zurückgeschaut. Ich kann jetzt schon sagen, dass es nicht so sein wird.“

Irgendwann wieder unter 13 Sekunden laufen

Nach zwei gescheiterten Versuchen, mit Trainern nochmals durchzustarten, entschloss sich Schrott, ihren eigenen Weg zu gehen und trainiert sich selbst. Als Coach steht ihr in Doha der Verlobte zur Seite. „Christian schaut mir ja viel zu, er sieht alle meine Wettkämpfe und hat ein geschultes Auge.“ Das Halbfinale will sie „genießen“ und das Gezeigte nochmals wiederholen. „Ganz ehrlich: jeden Lauf möchte ich irgendwann wieder unter 13 rennen, aber ob das morgen gelingt oder nicht, ist egal. Wenn morgen nicht, hebe ich es mir für nächstes Jahr auf.“ (APA)