Letztes Update am Di, 08.10.2019 09:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

KTM-Sportmanager Kinigadner: „Ducati will Márquez verpflichten“

Tirols Motocross-Legende Heinz Kinigadner (KTM) sprach mit der TT über das Phänomen Marc Márquez, warum sich Ducati gerade selbst zerfleischt und die Trennung von Johann Zarco (FRA) richtig war.

Die MotoGP bestimmt derzeit nur eine Person: Marc Márquez (ESP) hat mit Honda seinen insgesamt achten WM-Titel eingefahren.

© MotoGPDie MotoGP bestimmt derzeit nur eine Person: Marc Márquez (ESP) hat mit Honda seinen insgesamt achten WM-Titel eingefahren.



Wo trifft man Sie gerade an? Sind Sie bei einer Rallye oder beim Motocross?

Heinz Kinigadner (lacht): Diesmal nicht. Ich bin gemütlich zu Hause.

Sechs MotoGP-Titel, acht insgesamt und dazu der jüngste achtfache Motorrad-Weltmeister aller Zeiten. Muss man sich wegen dem Dominator Marc Márquez (ESP) Sorgen um die Königsklasse auf zwei Rädern machen? Stichwort Langeweile.

Kinigadner: Márquez ist ein Phänomen, das muss ich schon sagen. Aber mit dem Franzosen Fabio Quartararo und Maverick Viñales (ESP) hat Yamaha zwei Fahrer am Start, die ihm schon gefährlich werden können.

Trotzdem fährt der 26-jährige Márquez alles in Grund und Boden. Honda wird alles tun, um ihn langfristig zu binden.

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Kinigadner: Was man so hört, wird Ducati ein verrücktes Angebot auf den Tisch legen. Ducati will Márquez verpflichten. Die wollen um jeden Preis erfolgreich sein. Aber Honda wird wahrscheinlich mitgehen müssen, denn mit Márquez weiß man, was man auf dem Motorrad sitzen hat.

Apropos Ducati – da stimmt es teamintern überhaupt nicht mehr. Zwischen Vizeweltmeister Andrea Dovizioso (ITA) und der italienischen Führung soll es kriseln.

Kinigadner: Das hat einen Grund: Beim Gastspiel in Sachsen hat man heuer „Dovi“ gesagt, dass man langfristig nicht mehr mit ihm plant. Er sei zu wenig erfolgreich. Eine mutige Ansage, wenn man bedenkt, dass es unter der Saison war und der Star-Pilot noch ein Jahr Vertrag hat. Da zerfleischen sich die Italiener untereinander selbst.

Zurück zu Márquez – beim Thailand-Training erlitt er einen schweren Sturz, zwei Tage später gewann er trotzdem das Rennen. Muss man bei seinem permanenten Tanz am Limit Angst um ihn haben? Oder gehört das zum Gesamtpaket?

Kinigadner (lacht): Man muss es vielleicht so sagen: Márquez ist auch beim Abfliegen weltmeisterlich unterwegs. Das gehört zu ihm dazu.

Ein großes Trauerspiel stellt der Teamkollege, der fünffache Champion Jorge Lorenzo (ESP), bei Honda dar.

KTM-Sportmanager Heinz Kinigadner.
KTM-Sportmanager Heinz Kinigadner.
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Kinigadner: Das hat auch nichts mehr mit dem Fitnesszustand zu tun. Er hat einfach kein Vertrauen ins Gerät. Zusätzlich heißt sein Teamkollege Márquez. Lorenzo kommt nicht mehr ans Limit. Da wird es interessant, was er in den nächsten Jahren macht.

Kommen wir zu ihrem Team KTM: Wie zufrieden sind Sie mit dem Status quo?

Kinigadner: Wir sind nicht unzufrieden. Die Abstände zur MotoGP-Spitze sind so eng wie selten zuvor. Ein paar Zehntel mehr und du bist sofort im hinteren Feld. Aber unser Paket stimmt, sonst fährst du nicht auf Platz zwei der Startaufstellung wie Pol (Espargaró, Anm.) in Misano vor wenigen Wochen. Trotzdem stimmt es bei der Feinabstimmung noch nicht ganz. An dem müssen wir arbeiten.

Kann man was Positives aus dem schmerzhaften Kapitel Johann Zarco (FRA) ziehen? Man hat sich nun ja endgültig getrennt.

Kinigadner: Wir hätten gerne mit ihm den Vertrag erfüllt, aber Zarco hat nicht ein gutes Wort am Team oder am Bike gelassen. Das geht nicht. Er hatte alle Möglichkeiten bei uns. Natürlich war es auch für ihn schwer, da er keinen Vertrauten hatte. Am Ende war es für beide Seiten die richtige Entscheidung. Dani Pedrosa (Testfahrer, Anm.) hat es auf den Punkt gebracht: „Es gibt Piloten, die mit einem gut abgestimmten Motorrad überzeugen können. Und es gibt Werkspiloten, die sich alles selbst erarbeiten.“ Werkspilot war Zarco keiner.

Wenn wir kurz in die aktuelle Moto2 blicken, sehen wir, dass Ihr Pilot Brad Binder (WM-Dritter) heuer einen sehr guten Job erledigt. Ruhen die KTM-Hoffnungen für die kommenden Saison auf seinen Schultern?

Kinigadner: Das hoffen wir alle. Er kennt unsere Strukturen, kann mit dem Bike umgehen – natürlich geht ein möglicher Aufstieg in die MotoGP nicht von heute auf morgen. Da sind andere Voraussetzungen und du hast auf einen Schlag auf einmal 100 Pferdestärken mehr zur Verfügung. Aber Binder hat das Potenzial, diesen Sprung zu meistern und ein Werksfahrer zu werden.

Themenwechsel: Die nächste Rallye Dakar (Jänner 2020) wirft schon ihre Schatten voraus. Und man hat mit dem spanischen Ex-Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso einen prominenten Starter.

Kinigadner: Er fährt aber zuerst jetzt die Rallye Marokko und entscheidet danach, ob es Sinn macht. Alonso hat sich lange mit der Entscheidung Zeit gelassen – er hat auf das Formel-1-Cockpit von Valtteri Bottas (Mercedes) gehofft – danach hat er alles in die Hand genommen. Würde er fix starten, wäre es ein immenser Gewinn.

Wie geht es Matthias Walkner derzeit?

Kinigadner: Der Matthias macht alles richtig. Nach der Dakar lässt er all seine Verletzungen auskurieren, sitzt ein halbes Jahr einmal in keinem Sattel und bereitet sich im Anschluss professionell auf das Abenteuer vor. Genau wie man es machen soll: Frischer Körper, frischer Geist.

Das Gespräch führte Daniel Suckert