Letztes Update am Mi, 09.10.2019 16:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ehrung

Piolet d‘Or für Lama und Auer: Im Namen zweier Alpinisten-Größen

Knapp ein halbes Jahr nach ihrem tödlichen Lawinenunglück wurden Tirols Ausnahme-Bergsteiger David Lama und Hansjörg Auer mit dem Goldenen Eispickel für herausragende Leistungen im Alpinismus ausgezeichnet.

Die Familie Auer war ebenso stolz und gerührt über den Preis ...

© Festival Gorski/ZlotowskiDie Familie Auer war ebenso stolz und gerührt über den Preis ...



Von Max Ischia

Innsbruck, Ladek-Zdroj – Was den Hollywood-Mimen der „Oscar“ ist, ist den Alpinisten der „Piolet d’Or“, der Goldene Eispickel. Die wohl begehrteste Trophäe für herausragende Leistungen in ihrem Metier.

„Gerade, dass David im selben Jahr wie Hansjörg diese besondere Auszeichnung erhält, hätte ihn sehr, sehr stolz gemacht. Leider war das den beiden zu Lebzeiten nicht mehr ­vergönnt.“
Claudia Lama

Als die Einladung zur „Piolet d’Or“-Gala nach Ladek-Zdroj (POL) ins Haus flatterte, musste sich die Familie Auer erst einmal beraten. Schließlich hatte sich Hansjörg Auer nicht zuletzt in seinem 2017 erschienenen Buch „Südwand“ überaus kritisch zu Alpinismus-Preisen im Allgemeinen und dem „Piolet d’Or“ im Speziellen geäußert. „Man kann nicht einzelne Begehungen miteinander vergleichen. Zu individuell ist jede einzelne, und zudem hat Konkurrenz in den Bergen nichts verloren. Wir gehen nicht auf Expeditionen, um uns nachher gegeneinander bewerten zu lassen“, hieß es da auszugsweise.

„Ganz einfach, weil es sich Hansjörg verdient hat“

Dass Auer im Jahr 2014 – gemeinsam mit Bruder Matthias und dem Schweizer Simon Anthamatten – für den „Oscar des Alpinismus“ erst nominiert, dann nicht berücksichtigt wurde, um Wochen später schließlich doch noch ausgezeichnet zu werden, hatte einst die Skepsis des Ötztalers befeuert.

Nach Abwägen aller Für und Wider entschied sich die Familie letztlich doch, nach Polen zu reisen. „Ganz einfach, weil es sich Hansjörg verdient hat“, wie Mutter Traudi auf TT-Nachfrage erklärte. Während Vater Johann und Bruder Jakob zu Hause in Umhausen die Stellung hielten, machte sich Traudi mit ihren Söhnen Matthias und Vitus, Tochter Margaretha sowie Hansjörg Auers Lebensgefährtin Tatjana auf den Weg nach Ladek-Zdroj. Per Zug und Bus-Taxi. Alleine die Anreise dauerte elf Stunden.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

... wie die Eltern von David Lama (rechts mit US-Alpinist Conrad Anker).
... wie die Eltern von David Lama (rechts mit US-Alpinist Conrad Anker).
- Festival Gorski/Aksienionek

Die Eltern von David Lama waren schon zwei Tage zuvor Richtung Polen aufgebrochen, um ebenfalls posthum einen „Goldenen Eispickel“ für ihren im Frühjahr verunglückten Sohn in Empfang zu nehmen. Claudia Lama: „Gerade, dass David im selben Jahr wie Hansjörg diese besondere Auszeichnung erhält, hätte ihn sehr, sehr stolz gemacht. Leider war das den beiden zu Lebzeiten nicht mehr ­vergönnt.“

Während Claudia und Rinzi Lama auf der großen Bühne das Wasser in den Augen stand, richtete Bergsteiger-Legende Conrad Anker vor den 2000 Festgästen bewegende Worte an die beiden. „Vielen Dank für einen so tollen jungen Mann, der den Wettkampf- und alpinen Klettersport so grundlegend geprägt hat. Wir stehen auf ewig in eurer Schuld.“ Standing Ovations. Im Saal hielt es keinen mehr auf den Sitzen.

Durch den Tod ein Leben lang verbunden

Fünfeinhalb Monate, nachdem Auer und Lama sowie US-Bergsteigerkollege Jess Roskelley bei einem Lawinenunglück in den kanadischen Rocky Mountains ums Leben gekommen waren, hatte das Zusammenkommen der drei Familien beinahe therapeutischen Charakter, wie Traudi Auer erklärte: „Durch die Tragödie sind wir richtig zusammengewachsen.“ Oder wie es Claudia Lama formulierte: „Gerade Schicksal verbindet, schweißt zusammen. Durch den Tod unserer Söhne sind wir gewissermaßen ein Leben lang miteinander verbunden.“

Immer wieder werde miteinander telefoniert oder man treffe sich auch zu Hause, um Vergangenes aufzuarbeiten, aber auch, um in die Zukunft zu blicken. „Es tut einfach gut, wenn man Leute trifft, die den gleichen Schmerz zu verarbeiten haben und die genau wissen, wie sich so ein Verlust anfühlt“, sagte Traudi Auer.

Familie Lama hat die besondere Trophäe nach der Rückkehr aus Polen in einer Glasvitrine im heimischen Wohnzimmer aufgestellt, „gemeinsam mit anderen Preisen und Bildern von David, Hansjörg und Jess“. Die Auers brachten das gute Stück direkt nach der Ankunft in Umhausen zum Grab ihres Sohnes. Dort steht also seit wenigen Tagen ein „Goldener Eispickel“.

Der „Piolet d’Or“ – der Goldene Eispickel

Der Preis: Der „Piolet d’Or“, der Goldene Eispickel, wird seit 1991 für herausragende Leistungen im Alpinismus verliehen. Eine internationale Jury vergibt die Auszeichnungen an Sportler, die eine neue Route eröffnet, einen Berg erstmalig bestiegen oder bei der Besteigung eine kreative und innovative Herangehensweise an den Tag gelegt haben.

Hansjörg Auer: Der Umhausener durchkletterte im Sommer 2018 als Erster die rund 1000 Meter hohe Westwand des Lupghar Sar West (7157 m) in Pakistan – im Alleingang. Auer verstarb am 16. April bei einem Lawinenunglück in den Rocky Mountains.

David Lama: Dem Götzner gelang im Oktober 2018 die Erstbesteigung des Lunag Ri (6895 m) – solo und bei seinem insgesamt vierten Versuch. Lama verstarb wie Auer und Jess Roskelley am 16. April bei einem Lawinenunglück in den Rocky Mountains.