Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.10.2019


Volleyball

Eine Niederlage mit großem Unterhaltungswert

Die Hypo-Volleyballer verkauften sich bei der 2:3-Niederlage gegen Meister Berlin vor 1300 Zuschauern teuer und betrieben viel Eigenwerbung.

Alpenvolleys-Comebacker Paulo da Silva (l.) gab über fünf Sätze lang eine gute Figur ab.

© gepaAlpenvolleys-Comebacker Paulo da Silva (l.) gab über fünf Sätze lang eine gute Figur ab.



Von Daniel Suckert

Innsbruck — Ein Hauch von „Play-off" kam schon am Mittwoch in der Innsbrucker Olympiaworld auf. Das hatte einen speziellen Grund: Die Volleyballer der Hypo Tirol Alpenvolleys Haching trafen beim Schlager der deutschen Bundesliga erstmals auf den regierenden Meister aus Berlin. Ein Duell, das es an selber Stelle bereits vor einem halben Jahr gab. Beim damaligen Halbfinal-Aufeinandertreffen bejubelten 2500 Fans einen 3:1-Heimerfolg der Tiroler — am Mittwoch mussten 1300 Zuschauer eine 2:3-Niederlage verkraften, die allerdings Lust auf mehr macht.

Drei Legionäre (Diagonalangreifer Paulo da Silva, Außenangreifer Clère und Mittelblocker Stalekar) bekamen die heimischen Fans am Mittwoch gleich von Beginn an präsentiert. Besonders der brasilianische Heimkehrer Paulo da Silva zeigte, dass er nichts von seiner Durchschlagskraft verloren hat. Obwohl die im ersten Satz noch verpuffte: Die Gastgeber lagen die meiste Zeit zwar in Führung, in der „Prime-Time" gingen die wichtigen Punkte aber an die Berliner (22:25).

Das änderte sich jedoch nach dem ersten Seitenwechsel: Niklas Kronthaler und Co. zeigten sich wenig beeindruckt und arbeiteten sich einen Punktepolster heraus. Bei 14:7 reagierte Berlin-Coach Cédric und wechselte unter anderem Star-Aufspieler Grankin (RUS) ein. Die Dunkelblauen brachten mit ihrer starken Leistung den Meister-Trainer zum Umdenken. Einen lockeren Sieg würde man an diesem Abend nicht einfahren. Die Hausherren bestätigten das und brachten die Führung gekonnt über die Ziellinie (25:20).

„Alles wieder auf null", hieß es in der Olympiaworld. Mit dem Selbstvertrauen des Satzgewinns blieben die Hypo-Volleyballer weiter lästig. Einen Sieben-Punkte-Rückstand egalisierte man, Nuancen entschieden den dritten Satz (20:25) aber zugunsten der Gäste.

Doch irgendwie hatte man an diesem Abend das Gefühl, es könnte noch mehr gehen. Die Olympiaworld entwickelte sich immer mehr zu einem Hexenkessel, die Zuschauer waren nicht mehr zu halten und zur Belohnung gab es ein 25:22 für Hypo und den „Golden Set".

Der letzte Satz war dann nichts für schwache Nerven: 3:3, 8:8, 12:12 — man agierte auf Augenhöhe. Die mögliche Sensation war zum Greifen nahe. Doch just in dem Moment landete ein Hypo-Service im Netz, ein Berlin-Angriff fand den Weg durch den Block und auf einmal hieß es Matchball für Berlin. Um 21.15 Uhr war die greifbare Sensation nicht mehr möglich: Das 15:12 fixierte den 3:2-Auswärtserfolg für die Hauptstädter.

Traurige Gesichter gab es auf Seiten der Innsbrucker jedoch nicht. Einen Zähler gab es für das Punktekonto und jede Menge Selbstvertrauen für die Mentalität. Headcoach Stefan Chrtiansky gab sich zufrieden: „Was für ein Spiel! Und das nach der kurzen Vorbereitung — da muss man zufrieden sein."

Volleyball in Zahlen

Deutsche Volleyball Bundesliga, 3. Runde: Hypo Tirol Alpenvolleys Haching — Berlin 2:3 (22:25, 25:20, 20:25, 25:22, 12:15). 1300 Zuschauer, Olympiaworld.




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