Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 07.12.2015


EBEL

HC Innsbruck in der Krise: Es fällt schwer, Worte zu finden

Nach der 0:7-Niederlage bei Tabellenführer Linz übt man sich bei den Haien weiter in Durchhalteparolen. Die Erklärungsversuche nähern sich dem Notstandsgebiet an.

© GepaZog in Linz die A....-Karte – der fleißige Dustin VanBallegooie stand bei fünf Powerplay-Treffern am Eis.



Von Alex Gruber

Innsbruck – Nach der durchaus ansprechenden Leistung bei der 3:4-Overtime-Niederlage gegen die Vienna Capitals am Freitag kann eine deftige Pleite bei Tabellenführer Linz keine 24 Stunden später passieren – sieben Gegentreffer im Powerplay verleihen dem jüngsten Gastspiel in Oberösterreich aber einen eigenen Anstrich. „Wir haben uns nicht vom Match des Vortags erholen können. Und im Powerplay ging alles ins Netz“, erklärte Coach Christer Olsson. Nachsatz: „Ich kann mich weiter nur aufs Team fokussieren. Jeder muss, speziell in knappen Spielen, fünf Prozent mehr bringen.“

Eine Diskussion mit dem Vorstand fand in der Vorwoche statt. Und während der KAC, Graz und Villach bereits Trainerwechsel vollzogen haben, keimt diese Frage im Haifischbecken nach neun Niederlagen in Serie und nur zwei Siegen in den letzten 15 Partien weiter nicht auf. „Es macht keinen Sinn, den Trainer zu wechseln. Deswegen werden die Spieler auch nicht besser“, streut Obmann Günther Hanschitz in aller Krisenresistenz ein. Schön wäre es aber schon, würde Olsson wie beim Wien-Heimspiel mit vier halbwegs ausgeglichenen Linien beginnen: „Da haben wir super gespielt. Und in Linz war dann wieder alles anders.“ Damit sei das Line-up gemeint.

Man kann zu Christer Olsson – der schwedische Eishockey-Weltmeister agiert akribisch und sicher hochprofessionell – stehen, wie man will: Fakt ist, dass die Graz 99ers nach der Ablöse von Todd Björkstrand zumindest zwischenzeitlich fünf Siege in Serie feiern konnten. Fakt ist, dass Villachs Adler in den ersten zehn Spielen unter Greg Holst 16 Punkte erobert haben. Die Haie brachten es im selben Zeitraum auf magere fünf Zähler, auch in der Powerplay-Wertung (aktuell Platz zehn) und im Penaltykilling (nach dem Desaster in Linz nur noch Rang elf) fielen die Innsbrucker zurück. „Man muss aber auch die Gegner vergleichen, gegen die man spielt. Und wir hatten eine schwere Auslosung. Die Auslosung in dieser Liga ist sowieso ein Schwachsinn“, prangert Hanschitz an. Damit hat er teilweise Recht, die HCI-Krise lässt sich dadurch aber auch nicht erklären. Und die Auswahl, vor allem der heimischen Spieler, wird nicht durch Olsson begründet. Handlungsbedarf scheint auf vielen Ebenen gegeben, Druck herrscht aber intern kaum einer.

„Jetzt kommen die Spiele der Wahrheit. Wir haben vor Weihnachten schon zu viele Geschenke verteilt“, blickt der Haie-Obmann in etwa auf das kommende Heimspiel gegen Tabellenschlusslicht Laibach voraus. Da hängt am Samstag (17.30 Uhr) in der Tiwag-Arena ganz sicher der Schriftzug „P-F-L-I-C-H-T-S-I-E-G“ drüber. Kapitän Patti Mössmer könnte nach Prellungen wieder zurück ins Team kommen, Tyler Scofield nimmt morgen vielleicht wieder zu 100 Prozent den Trainingsbetrieb auf.

Irgendwie hanteln sich die Haie von Tag zu Tag. „Das Ziel ist es, zwischen Platz sieben und zehn zu agieren und am Ende das Play-off zu erreichen. Die Qualität ist da“, lässt sich Hanschitz („Ich habe viele schlaflose Nächte und führe viele Gespräche“) nicht unterkriegen. „Ich glaube nicht, dass der Kader die Qualität nicht hat“, ist Vorstandskollege Norbert Ried in diesem Punkt einer Meinung. Aber: „Wenn die anderen normal spielen und wir zehn Prozent schlechter, haben wir keine Chance.“ Die Hoffnung stirbt wie immer zuletzt. Wer nährt sie künftig im Drittel-Takt?