Letztes Update am Mo, 07.12.2015 11:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Positive ÖSV-Bilanz: Schnelle Damen und zwei Hirscher-Siege

Während bei den Herren einmal mehr Marcel Hirscher mit zwei Siegen für die rot-weiß-roten Highlights in Übersee sorgte, überzeugten die ÖSV-Damen in den Speed-Disziplinen mit einem starken Kollektiv.

Für Marcel Hirscher spannte der Adler bei der Siegerehrung in Beaver Creek gleich zwei Mal die Flügel aus.

© EPAFür Marcel Hirscher spannte der Adler bei der Siegerehrung in Beaver Creek gleich zwei Mal die Flügel aus.



Lake Louise, Beaver Creek – Mit zwei Herren-Siegen im Gepäck kehrten Österreichs alpine Skiteams der Nordamerika-Tour 2015 den Rücken. Neben Beaver-Creek-Doppelsieger Marcel Hirscher gefiel diesmal vor allem die junge Garde der ÖSV-Damen und hier speziell die von Cornelia Hütter angeführte Speed-Gang. Sie holte in Lake Louise fünf von neun Podestplätzen. Bei den Herren hatten diesmal in Übersee zunächst die Norweger den Ton angegeben. Aksel Lund Svindal gewann beide Rennen in Lake Louise sowie die Abfahrt in Beaver Creek. Hätte ihn danach in Colorado nicht ein böser Magenvirus erwischt, wäre es womöglich nicht nur beim Hattrick für den „Super-Elch“ geblieben.

Svindal: „Hirscher bleibt der Favorit“

Dass Svindal letztlich mit lediglich 57 Punkten Vorsprung nach Europa zurückkehrte, lag aber auch an einem hoch motivierten Marcel Hirscher. Der Salzburger übertraf mit seinem Sensationssieg im vom Wetter auf den Kopf gestellten Super-G sowie dem Triumph am Sonntag im abschließenden Riesentorlauf seine Erwartungen in Nordamerika bei weitem. Bereits kommendes Wochenende kann der Salzburger, der einen geschichtsträchtigen fünften Gesamtsieg in Folge anpeilt, in Val d‘Isere den dort pausierenden Svindal sogar überholen. „Marcel ist und bleibt der Weltcup-Favorit“, betonte Svindal noch in den USA.

Dass Technik-Spezialist Hirscher für die bisher einzigen Saisonsiege der ÖSV-Herren gesorgt und erstmals auch in einer Speed-Disziplin gewonnen hat, hielt Herrenchef Andreas Puelacher nicht von der Überzeugung ab, dass seine Abfahrtsmannschaft gut drauf ist. Ein zweiter Platz von Matthias Mayer im Super-G von Lake Louise und Rang vier von Hannes Reichelt in der Beaver-Abfahrt waren freilich eine magere Ausbeute. Zudem holten Mayer in den USA dann wieder Schienbeinschmerzen ein, er muss deshalb Val d‘Isere auslassen.

Österreichs Abfahrern liegt speziell im Herbst der nordamerikanische Kunstschnee nicht wirklich. „Sie fahren alle sehr gut, machen aber noch zu viele kleine Fehler. Vielleicht, weil sie sogar zu aggressiv unterwegs waren“, sagte Puelacher, beruhigte aber: „Wir kommen mit einem guten Gefühl zurück nach Europa. Vielleicht gibt‘s ja hier einen Schnee, der uns besser liegt.“ Für Hirscher sei es natürlich „beruhigend“, mit zwei Siegen sowie Podestplätzen bei allen drei Weltcupstarts dieser Saison heimzukehren. „Aber wir haben erst sechs von 45 Rennen hinter uns, die Saison ist noch lang“, warnte Puelacher.

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Tamara Tippler (l.) stand im Super-G zum ersten Mal auf dem Siegerpodest. Lindsey Vonn und Cornelia Hütter waren dort am Wochenende in Lake Louise Dauergäste.
Tamara Tippler (l.) stand im Super-G zum ersten Mal auf dem Siegerpodest. Lindsey Vonn und Cornelia Hütter waren dort am Wochenende in Lake Louise Dauergäste.
- Reuters

Trotz Sieglosigkeit zufrieden stieg Damenchef Jürgen Kriechbaum Sonntagabend in Calgary in das Flugzeug. Ohne die verletzte Weltcup-Titelverteidigerin Anna Fenninger und zurückgetretene Asse wie Kathrin Zettel oder Nicole Hosp waren die Erwartungen in Übersee nicht allzu hoch gewesen. Doch die zwangsverjüngte Truppe schlug sich beachtlich.

Vonn und Shiffrin noch zu stark

„Uns war klar, dass es für ganz vorne nicht reichen wird. Dazu sind Lindsey Vonn und Mikaela Shiffrin derzeit zu stark“, hielt Kriechbaum fest. „Aber in Summe war das alles sehr, sehr positiv“, lobte er die jungen Technikdamen plus Eva-Maria Brem (2. im Aspen-RTL), aber vor allem das steirisch geprägte Abfahrtsteam.

Aus dem Cornelia Hütter mit ihren drei Podestplätzen in Lake Louise herausragte. „Damit war nicht unbedingt zu rechnen“, gab Kriechbaum zu. Nur die überragende Vonn verhinderte in Kanada gleich zwei Mal einen ÖSV-Sieg. Denn so wie Hütter in der ersten Abfahrt wurde auch Tamara Tippler am Sonntag im Super-G Zweite. Warum Hütter und Co. in Kanada so umfassend aufgezeigt hatten, erklärte sich für Kriechbaum so: „Ich habe das Gefühl, dass sie in den vergangenen zwei, drei Jahren gecheckt haben, worum es wirklich geht. Da steckt aber auch viel Detailarbeit dahinter.“

Die Hoffnung, dass es nicht nur auf der sehr speziellen Abfahrt in Kanada, sondern auch in Europa so weitergeht, sei groß. „Man hat ja schon in der zweiten Abfahrt gesehen, dass sich die Mädchen an den Leistungen ihrer Teamkolleginnen aufgebaut und plötzlich alle voll attackiert haben. Sie haben Blut geleckt, die Basis ist also gelegt.“

Das sah Speed-Trainer Roland Assinger ähnlich. „Wir haben eine homogene Truppe und einen absoluten Team-Spirit“, betonte der Kärntner. „Connys Leistungen, aber auch die von Ramona Siebenhofer und Tamara, sind ein Ansporn für alle anderen. Ich hoffe, sie ziehen nach.“ Selbst eine Vonn habe man in Teilabschnitten schon gebogen, so der Kärntner. Sollte Hütter gesund bleiben, sei ein Sieg der Steirerin „hoffentlich schon in dieser Saison“ möglich.

US-Duell um die Kristallkugel

Nach den Shiffrin-Festspielen in Aspen hat Vonn mit ihrem Triple in Lake Louise im Damen-Weltcup sofort die Verhältnisse wieder zurechtgerückt. Sie hat die Weltcupführung vor ihrer elf Jahre jüngeren Landsfrau übernommen, allerdings um nur vier Punkte. Shiffrin lieferte dafür als 15. im Super-G auch ein anständiges Speed-Debüt ab. Der Kampf um die große Kugel wird in Abwesenheit Fenningers wohl tatsächlich zwischen den beiden US-Stars stattfinden. Bei der Nordamerika-Tournee haben sie gleich fünf der sechs Rennen gewonnen. (APA)