Letztes Update am Di, 08.12.2015 12:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


WM-Generalprobe

Biathlon in Hochfilzen: Das Handy liegt stets Gewehr bei Fuß

Der Biathlon-Weltcup ab Freitag ist der Elchtest für die WM 2017. „Mister Biathlon“ Franz Berger zeigte der Tiroler Tageszeitung sein Schmuckkästchen.

Weiße Pracht aus dem Anhänger: Mit dem Traktor wird der Schnee angeliefert und mit der Raupe bis zu 50 cm dick aufgetragen.

© Andreas Rottensteiner / TTWeiße Pracht aus dem Anhänger: Mit dem Traktor wird der Schnee angeliefert und mit der Raupe bis zu 50 cm dick aufgetragen.



Von Benjamin Kiechl

Hochfilzen – Mit Schildkappe und Sicherheitsschuhen bewaffnet marschiert Franz Berger durch das baulich erweiterte Biathlonzentrum in Hochfilzen. Weit kommt der 59-Jährige nicht, schon muss er sich seiner Lederhandschuhe entledigen. Das Handy klingelt – wieder einmal. Berger ist Vizeleutnant beim Bundesheer und der „Silberrücken“ im Revier. Seit 1979 ist der Hochfilzner mit der Organisation des Biathlon-Weltcups betraut. Wenn ihn jemand mit „Mister Biathlon“ begrüßt, funkeln seine Augen und er lächelt spitzbübisch.

Berger stehen in Hochfilzen alle Türen offen. Sofern die Technik mitspielt. Nur widerspenstig lässt sich ein mit Magnetkarte versperrtes Tor ins Herz des Biathlonzentrums öffnen. „Da kannst narrisch werden“, muckt Berger kurz auf. Die TT heftet sich an seine Fersen und gelangt durch breite, mit Kunstlicht beleuchtete Gänge ins neue Medienzentrum. Das zeigt sich wie aus dem Ei gepellt. Der Boden ist – um es im Bundesheer-Jargon zu sagen – mehr als besenrein. „Eigentlich ist das ein Indoor-Schießstand, aber da kommt das neue Pressezentrum hin“, erklärt Berger und macht eine ausladende Handbewegung. 570 m² groß ist der Raum. Und ziemlich leer. „300 bis 400 Journalisten passen da rein“, sagt er.

Gefragter Ansprechpartner in Hochfilzen: Franz Berger.
Gefragter Ansprechpartner in Hochfilzen: Franz Berger.
- ÖSV/Foidl

Ganz so viele werden es ab Freitag beim Biathlon-Weltcup freilich nicht werden. Aber man hat vorgesorgt. Vom 8. bis 19. Februar 2017 wird die Biathlon-Weltmeisterschaft zum dritten Mal nach 1978 und 2005 im Pillerseetal ausgetragen. Der Elchtest für Loipe und Infrastruktur steht unmittelbar bevor. Das Team-Servicegebäude mit 30 Wachskabinen erlebt seine Feuertaufe. Um den Autoverkehr zu entflechten, wurde eine zweite Zufahrtsstraße aus dem Boden gestampft. Durch Tunnels gelangen Athleten, Trainer und Journalisten direkt ins Zielstadion.

Nicht nur im VIP-Zelt sind seit zwei Wochen Bundesheer-Rekruten (im Bild Rupert Schnitzhofer) mit Aufbauarbeiten beschäftigt.
Nicht nur im VIP-Zelt sind seit zwei Wochen Bundesheer-Rekruten (im Bild Rupert Schnitzhofer) mit Aufbauarbeiten beschäftigt.
- Andreas Rottensteiner / TT

OK-Chef Berger steht nicht für ausschweifende Reden. Er ist ein Mann der Tat und geht gezielt durch das kleine Tunnel-Labyrinth zu den Umkleidekabinen der Athleten. Die ÖSV-Kabine liegt direkt neben jener der Russen. Die Zimmer versprühen spröden Kasernen-Charme. „Sie sind ja nur zum Umziehen gedacht, die Athleten schlafen in den Hotels“, betont Berger, ehe seine Worte durch ein lautes Klingeln unterbrochen werden. „Das Telefon ist fleißig“, murrt Berger, und hebt dann doch ab: „Wann soll die Hauptstraße runtergewaschen werden?“, fragt der Mann am anderen Ende der Leitung. „Heute noch, morgen kommen die Athleten“, sagt Berger. „Aber danach gleich Salz streuen, sonst gefriert’s!“ Bergers Erfahrungsschatz scheint grenzenlos.

Überschaubar ist hingegen die Schneepracht. Ein 3,3 km langes weißes Band liegt wie eine Riesenschlange auf grün-braunen Wiesen. Berger bringt das nicht aus der Ruhe: 7000 m³ Depotschnee, 3000 m³ Kunstschnee und 2000 m³ Schnee vom Großglockner liegen bereit. Berger: „Damit haben wir eine 110-prozentige Absicherung!“

Im VIP-Zelt hämmern und schrauben inzwischen die Bundesheer-Rekruten, Freiwillige montieren die Wegweiser und Werbetransparente. Franz Berger und die Seinen sind für den Ansturm gerüstet. Genüsslich zündet er sich eine Zigarette an, macht einen Zug, löscht sie sogleich aus: Wieder einmal klingelt das Handy ...

ÖSV-Aufgebot für Hochfilzen

Österreichs Aufgebot für den Biathlon-Heimweltcup von Freitag bis Sonntag in Hochfilzen ist im Vergleich zum Auftakt in Östersund nahezu unverändert geblieben. Neu mit dabei ist 2014-Junioren-Weltmeisterin Julia Schwaiger, die ihr Weltcup-Debüt geben wird, womit die Damen wie die Herren fünf Aktive stellen.

ÖSV-Aufgebot für den Heim-Weltcup in Hochfilzen

Herren (5):

Julian Eberhard, Simon Eder, Sven Grossegger, Dominik Landertinger, Daniel Mesotitsch;

Damen (5):

Lisa Hauser, Fabienne Hartweger, Katharina Innerhofer, Julia Schwaiger, Dunja Zdouc