Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.02.2016


Biathlon

Tiroler Senkrechtstarter Leitner hat den Weltcup im Visier

Doppel-Junioren-Weltmeister Felix Leitner (19) gilt als größtes ÖSV-Talent im Biathlon seit Dominik Landertinger. Sein Weltcup-Debüt steht noch aus.

© Andreas Rottensteiner / TTNicht ohne mein Gewehr: Felix Leitner entspannt nach der Junioren-WM auf der Couch zuhause in Mils.



Von Benjamin Kiechl

Mils – „Soll ich die Waffe holen?“ Bei diesen Begrüßungsworten kann man sich schon kurz bedroht fühlen. Felix Leitner meint es aber freundlich und öffnet mit einem Lächeln die Tür zu seinem Elternhaus in Mils bei Hall. Die Biathlon-Nachwuchshoffnung aus Tirol will zeigen, was er hat. „Ich putze meine Waffe gerne, sie ist mein Ein und Alles. Der Griff ist extra an meine Hand angepasst“, erzählt der 19-Jährige, als er mit dem 3,5 kg leichten Gerät in der Hand das Wohnzimmer betritt.

Leitner legt die Waffe behutsam auf die Ledercouch. Einblicke in sein Zimmer gestattet er nicht. „Da liegen nur Sportsachen auf meinem Bett rum, ich bin ja fast nie zuhause“, erzählt er von seinem dichten Terminkalender. Denn der Biathlon-Senkrechtstarter wohnt und trainiert die meist­e Zeit des Jahres im Internat des Schigymnasiums Stams, diesen Frühling soll maturiert werden. Aber die Schule hatte in den vergangenen Wochen keine Priorität. „Was zählt, ist der Sport“, sagt er mit leuchtenden Augen.

Also überzeugte Leitner kürzlich bei der Biathlon-Junioren-WM in Cheile Gradistei (ROM) mit zweimal Gold (Einzel, Sprint) und Bronze in der Verfolgung. „Auf die Einzelmedaille im 15-km-Lauf bin ich besonders stolz, ich habe mich im Laufen stark gefühlt.“ Kein Wunder, bei 1,50 Minuten Vorsprung auf den Zweitplatzierten. Alles perfekt? Mitnichten! „Im Schießen (ein Fehler, Anm.) habe ich noch Luft nach oben.“

Jungspund Leitner will mehr, beschreibt sich selbst als ehrgeizig und zielstrebig. „Typisch Steinbock halt“, sagt der am 31. Dezember geborene Doppel-Weltmeister mit einem Augenzwinkern. Dass er als größtes Biathlon-Talent seit Dominik Landertinger gehandelt wird, hört der Schützling von Coach Florian Steirer nicht so gerne. „Landi ist ein cooler Typ und ein Vorbild für mich! Er hat schon sehr viel in seiner Karriere erreicht.“

Medaillensammler: Felix Leitner holte in Rumänien zweimal Gold und einmal Bronze.
- Andreas Rottensteiner / TT

Leitner ist der bisher erfolgreichste Österreicher bei Junioren-Titelkämpfen, will aber „am Boden bleiben und mich nicht verrückt machen lassen“. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis zu seinem Debüt im Weltcup. Vergangenen Dezember in Pokljuk­a (SLO) wäre es fast so weit gewesen: Leitner war bereits angereist, verzichtete aber aus gesundheitlichen Gründen auf den Start. „Wenn du nicht voll fit an den Start gehst, kann das aufs Herz gehen. Ich habe es nicht eilig.“ Also verdient er derzeit eine Stufe tiefer im IBU-Cup seine Sporen. Der Weltcup sei eine große Herausforderung, die er gerne annehme. „Im Laufen ist die Dichte enorm, ich trainier­e sechs bis sieben Tag­e die Woch­e.“

Dass Leitner überhaupt ein Biathlet wurde, war quasi ein Zufallstreffer. Bis zum Alter von elf Jahren war Volleyball die Sportart Nummer eins. „Fußball, Klettern und Tennis habe ich auch ausprobiert“, sagt der Tiroler. Einzig Skispringer durfte er – um den Familienfrieden zu wahren – keiner werden. Sein jüngerer Bruder Clemens (17) träumt von einer Skisprung-Karriere und wird Österreich bei den Jugend-Winterspielen in Lille­hammer (ab 12. Februar) vertreten. „Einen Konkurrenzkampf innerhalb der Familie wollten meine Eltern nicht.“ Im Langlaufen gibt es allerdings Überschneidungen mit Brüderchen Alexander. Der Zehnjährige will nordischer Kombinierer werden.