Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.10.2016


Wintersport

Olympia 2026: ÖOC forciert Innsbruck

Olympia-Präsident Stoss und Generalsekretär Mennel haben gestern in Innsbruck die Bereitschaft Tirols für eine Bewerbung ausgelotet. Land und Stadt wollen kein Abenteuer eingehen, sondern zuerst die Voraussetzungen prüfen.

© gepaDas olympische Feuer brannte zuletzt 2012 zu den Jugendspielen in Innsbruck.



Innsbruck – Es ist kein Geheimnis, dass das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) mit einer Bewerbung für die Winterspiele im Jahr 2026 kokettiert. Schließlich sollen sich im Hintergrund die internationalen Olympiaritter mit IOC-Präsident Thomas Bach an der Spitze um eine Rückkehr von Olympia in klassische Winterdestinationen bemühen. Nach Sotschi 2014, dem südkoreanischen Pyeongchang vier Jahre später und Peking 2022 hofft man auf alpine Spiele 2026 in Europa. Wegen der zunehmenden Gigantomanie der Olympischen Spiele – Peking veranschlagt rund 1,5 Milliarden als Veranstaltungsbudget und 1,8 Milliarden für Bauinvestitionen – sprangen in der Vergangenheit immer mehr potenzielle Kandidaten ab – zuletzt Oslo. Die „Dimension der Maßlosigkeit“, wie die Welt etwa die Olympischen Spiele in Sotschi bezeichnet hat, schreckt ab. Vor allem die Bevölkerung.

Olympia ist deshalb eine sensible Geschichte, auch in Tirol. Volksbefragungen in der dreimaligen Olympiastadt Innsbruck gingen zweimal schief. 2004 scheiterte man schließlich in der Österreich-internen Ausscheidung an Salzburg. Deshalb sollte das gestrige Treffen von ÖOC-Präsident Karl Stoss und Generalsekretär Peter Mennel mit LH Günther Platter, Sport­referent LHStv. Josef Geisler und Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer nicht an die große Glocke gehängt werden. Vieles ist nach wie vor ungewiss, letztlich sollte ein möglicher Bewerbungsprozess bereits 2017 eingeleitet werden. Schließlich vergibt das ÖOC im Jahr 2019 die Spiele 2026.

Eine geballte Ladung Politik und Sport bleibt im Landhaus allerdings nicht verborgen. Auf Anfrage der TT bestätigte Sportreferent Josef Geisler das Treffen, inhaltlich wollte er sich nicht dazu äußern. „Da ist noch so vieles unklar, wir wissen gar nicht, welches Anforderungsprofil erwartet wird.“ Klar sei jedenfalls: Um sich ernsthaft mit Olympia zu beschäftigen, müssen die Spiele deutlich redimensioniert werden.

Das verspricht Thomas Bach zwar gebetsmühlenartig, doch die angestrebte Reform-Agenda steckt weiterhin in den Kinderschuhen. Letztlich gaben Tirol und Innsbruck im Gespräch mit der Olympia-Spitze deutlich zu verstehen, dass zuerst alle Fakten auf den Tisch gelegt werden müssen. Schließlich benötigt es den Rückhalt aus der Bevölkerung, außerdem wird 2018 in Innsbruck und im Land gewählt.

Stoss und Mennel haben ihrerseits die Erwartungshaltung präzisiert. Innsbruck hätte nicht nur in Österreich die besten Chancen für eine Bewerbung. Schlussendlich dürfte die Entscheidung Tirols gleichzeitig die Frage beeinflussen, ob sich Österreich überhaupt in das Olympia-Abenteuer 2026 stürzen soll.

In den nächsten Wochen werden jetzt die Grundlagen erarbeitet, die größten Hürden stellen dabei die für die Eissportdisziplinen benötigten Hallen dar. Spätestens zum Jahresende müssen Tirol und Innsbruck dann Farbe bekennen. Größter Vorteil – mit Ausnahme der Eishallen – ist die bestehende Sport­infrastruktur, die sich in Tirol aufgrund der zahlreichen Sportereignisse in einem Top-Zustand befindet. (pn)

Olympia und Tirol

Dreimal Olympiastadt: 1964 wurden die ersten Olympische Winterspiele in Innsbruck ausgetragen, 1976 sprang die Landeshauptstadt als Ersatzort für Denver (USA) ein. 2012 gab es eine Premiere: Innsbruck war Austragungsort der 1. Olympischen Jugendwinterspiele.

Negative Stimmung: Im März 1997 sprachen sich 53,7 Prozent der Innsbrucker gegen eine neuerliche Bewerbung aus, die Bevölkerung außerhalb der Landeshauptstadt war dafür. Vier Jahre setzte es eine noch deutlichere Ablehnung. Im Oktober 1993 waren 73,4 Prozent gegen eine Bewerbung. Mögliche Kandidaten 2026: Lillehammer, Graubünden, Winterberg.