Letztes Update am Di, 10.01.2017 15:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Schröcksnadel: „Manchen reicht die Einkleidung“

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel (75) findet zu Jahresbeginn gute Gründe, um über weitreichende Anpassungen im alpinen Ski-Lager nachzudenken.

© gepaÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel.



Nährt das vergangene Weltcup-Wochenende Ihre Hoffnung vor den Klassikern und der Ski-WM?

Peter Schröcksnadel: Mit den Burschen bin ich zufrieden! Leute wie Manuel Feller und Marco Schwarz sind im Kommen, da habe ich keine Bedenken. Bei den Damen sind wir, nachdem mehrere Leistungsträgerinnen zurückgetreten sind, mit einer jungen Truppe unterwegs. Da braucht es etwas Geduld. Wir haben Junge mit Potenzial. Vielleicht gelingt der einen oder anderen schon in dieser Saison der große Sprung.

Haben Sie eine Erklärung für Ergebnisse wie zuletzt etwa das historische Debakel in Marburg?

Schröcksnadel: Der Rücktritt mehrerer Leistungsträgerinnen und die verletzungsbedingten Ausfälle machen es für die jungen Läuferinnen noch schwieriger. Jetzt wäre Druck der falsche Weg, Ausfälle in technischen Disziplinen können relativ schnell passieren. Wir haben junge Damen, die volles Risiko nehmen. Das braucht es im Rennsport, dadurch erhöht sich auch das Ausfallrisiko. Einige haben bereits mit guten Leistungen aufgezeigt, sie müssen aber noch Erfahrung sammeln.

Kann die aktuelle Situation dazu führen, dass man bei der Weltmeisterschaft in St. Moritz nicht das komplette Kontingent ausschöpft?

Schröcksnadel: Da wäre ich nicht dafür. Diejenigen, die sich bemühen, müssen eine Chance bekommen. Das sind Erfahrungen, die sie für weitere Weltmeisterschaften wappnen.

Sehen Sie Handlungsbedarf in den Strukturen des Weltcup-Teams?

Schröcksnadel: Es gibt sicher Handlungsbedarf in allen Bereichen. Auch ein erfolgreiches System muss immer wieder hinterfragt und mit neuen Ideen versehen werden. Man darf keine Scheuklappen haben. Entspricht unser Selektionssystem noch der heutigen Zeit? Braucht es mehr individuelle Betreuung? Italien verfügt beispielsweise über eine starke RTL-Mannschaft, zum Sieg reicht es aber kaum. Sind Einzelkämpfer im Vormarsch? Alles Fragen, die man analysieren muss. Im Nachwuchsbereich habe ich bereits einige Änderungen vorgenommen, die schon spürbar sind.

Wie könnte das Ihrer Meinung nach ausschauen?

Schröcksnadel: Das Elternhaus ist der erste Bezugspunkt für jeden Aktiven. Nur wenn die Eltern das Kind zum Skilauf bringen und fördern, dann kann es klappen. Es braucht eine starke Symbiose zwischen Eltern, Trainer und Verband. Ein harmonisches Miteinander führt zum Erfolg. Bei uns ist das beste Bespiel Marcel Hirscher, es gibt aber auch andere wie Shiffrin etc.

Hat es auch etwas mit der Einstellung zu tun?

Schröcksnadel: Verstehen Sie mich nicht falsch, aber bei Einzelnen scheint es das Ziel zu sein, bei der Einkleidung dabei zu sein, dann ist die Luft auch schon draußen. Es braucht Kämpfer mit Biss, Marcel Hirscher zeigt es vor.

Sie gelten als Verfechter des Teamgedankens. Soll sich das ÖSV-Team in viele kleine Einzelzellen aufsplitten?

Schröcksnadel: Der Teamgedanke bleibt, aber man muss auch für neue Wege offen sein. Dies gilt in erster Linie für die technischen Disziplinen. Ein Training in den Speed-Disziplinen ist schwierig zu organisieren – seit letzter Woche haben wir die erste permanente Trainingsstrecke in Saalbach-Hinterglemm. Technische Disziplinen kann man fast überall trainieren. Das ist der Grund für die enorme Dichte in Slalom und Riesentorlauf.

Ist das etwas, was schon bald passieren soll?

Schröcksnadel: Es geht darum, das bis zum Saisonende zu analysieren. Man darf das Kind nicht mit dem Bad ausschütten, muss aber im Gegenzug raus aus dem „Kastldenken“.

Das Gespräch führte Florian Madl