Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 23.02.2017


Ski Alpin

Vergeltung für Biancas Kreuzband

Die Ski-WM ist vorbei, es geht zurück in den Weltcup-Alltag – mit aller Härte: Vizeweltmeisterin Stephanie Venier muss in Crans-Montana ausgerechnet dort antreten, wo sich ihre Schwester Bianca schwer verletzte.

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© geps



Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Die Freudentränen nach Abfahrtssilber bei der Ski-WM in St. Moritz sind erst getrocknet, jetzt musste Stephanie Venier erneut weinen – aber bittere Tränen. Ihre jüngere Schwester Bianca hatte sich am Dienstag bei der Europacup-Abfahrt in Crans-Montana das Kreuzband gerissen. „Ich habe sicher mehr geheult als Bianca“, beschreibt die ältere Venier ihre Gemütslage, nachdem Vater Mario ihr die Nachricht am Telefon überbracht hatte.

Selbst bei den Weltcupvorbereitungen in Innerkrems hatte die 23-Jährige nur mitbekommen, dass ihre Schwester in der Schweiz nicht ins Ziel gekommen sei. Nichts von einer 20-minütigen Unterbrechung oder dem Hubschrauber-Einsatz. „Ich hatte aber schon so ein ungutes Gefühl und bin bei meinem Training nicht richtig ins Fahren gekommen“, schildert die 23-Jährige eine spezielle Verbundenheit der rennfahrenden Geschwister. Besonders bitter: B-Kaderläuferin Bianca, die noch am Abend in Hochrum operiert wurde, hatte tags zuvor mit Rang vier ihr bislang bestes Europacup-Ergebnis eingefahren.

Für Steffi Venier ist es ein weiterer Schock, einer von vielen in dieser Saison: Fünf Tage vor ihrem zweiten Platz in St. Moritz hatte sich Zimmerkollegin Mirjam Puchner das Schien- und Wadenbein gebrochen. Dann folgte die Verletzung von Lara Gut, zuvor jene von Conny Hütter, Carmen Thalmann oder auch Eva-Maria-Brem. „Skifahren ist eine Risikosportart. Es geht schnell, dass etwas passiert, meistens geht aber alles gut“, erklärt Venier, Vierte der Super-G-Weltcupwertung. Wer nichts riskiere, gewinne aber auch nichts.

Noch heute startet sie zurück in den Weltcup, ausgerechnet am Unfallort ihrer Schwester in Crans-Montana: „Ich kenne die Stelle gut, wo Bianca gestürzt ist, vielleicht kann ich die offene Rechnung begleichen.“ Auf WM-Silber ausruhen wolle sie sich jedenfalls nicht: „Das Ziel heißt, unter die besten zehn oder besser noch die besten fünf zu fahren.“ Bevor es allerdings in die Schweiz ging, hatte Venier gestern noch ein anderes Vorhaben. „Ich fahre jetzt mit Kaffee und Kuchen zu Bianca ins Krankenhaus, um sie aufzumuntern.“

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