Letztes Update am Di, 06.06.2017 14:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Brunner stellt sich der größten Herausforderung im Skisport

Nicht weniger als beide kleinen Speed-Kristallkugeln und Medaillen bei Olympia wünscht sich Österreichs Neo-Abfahrts-Cheftrainer Josef Brunner.

Neo-Abfahrtstrainer Sepp Brunner (l.), Herren-Chef-Coach Andreas Puelacher und "Rennpferd" Max Franz beim Stanglwirt in Going.

© gepaNeo-Abfahrtstrainer Sepp Brunner (l.), Herren-Chef-Coach Andreas Puelacher und "Rennpferd" Max Franz beim Stanglwirt in Going.



Going - Österreichs Abfahrts-Herren leiten vor dem kommenden Olympia-Winter eine Art „Neustart“ ein. Nach mageren Jahren und vielen Verletzungen sollen unter dem neuen Speed-Chef Josef „Sepp“ Brunner wieder mehr Siege und Medaillen her. Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher wünscht sich beide Speed-Kugeln und Medaillen bei Olympia in Südkorea.

Der kommende Winter steht ganz im Zeichen der Olympischen Spiele im Februar 2018 in Pyeongchang und bereits hier schließt sich der erste Kreis. Denn Brunner hat schon während der „Kennenlernphase“ ein klares Motto dahingehend vorgegeben, als man bereits im Herbst in Nordamerika besser in die Weltcup-Saison starten möchte als zuletzt. Das gilt nicht nur für Beaver Creek, sondern speziell auch für Lake Louise. Die Abfahrt in Kanada ist schnell, hat lange Kurven und ist nicht allzu steil. Damit ähnelt sie in vielen Elementen durchaus der Olympia-Abfahrt.

Klärendes Gespräch mit Schweizer Verband

Ob Hannes Reichelt deshalb seinen Urlaub derzeit am traumhaft schönen Louisensee in Alberta verbringt, ist nur ein Gerücht. Jedenfalls fehlte der Salzburger beim ersten Konditions-Kurs beim Stanglwirt in Going. Zusammen mit Olympiasieger Matthias Mayer ist der bald 37-jährige Routinier aber nach wie vor die Leitfigur im ÖSV-Abfahrtsteam.

„Das haben sie sich selbst erarbeitet“, weiß auch Brunner, was er an seinen Assen hat. Der 58-jährige Steirer ist nach seinem unerwarteten und unschönen Abgang bei den Schweizern nicht böse („Wir haben mittlerweile ein gutes, klärendes Gespräch gehabt“) und zudem vom ÖSV mit offenen Armen empfangen worden. Er folgt auf Florian Winkler.

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„Brunner ist sicher ein Glücksfall für uns“, sagte Puelacher über das „Geschenk“ der Schweizer, die den österreichischen Langzeit-Coach und Weltmeister-Trainer u.a. von Sonja Nef und Beat Feuz wegen angeblich „illoyalem Verhalten“ gehen ließen. „Auch Winkler ist ein guter Trainer. Ich habe aber gespürt, dass es Veränderungen und die Mannschaft neue Impulse braucht“, erklärte Puelacher den Wechsel aus ÖSV-Sicht.

Brunner trifft auf ein Team von großer Klasse, das zuletzt aber auch von vielen Verletzungen etwas verunsichert war. Mit Klaus Kröll, Georg Streitberger und Joachim Puchner haben zudem drei Routiniers aufgehört, was eine „Durchmischung“ der Mannschaft gebracht hat.

Die größte Herausforderung im Skisport

Dazu kommen neue Trainingsstrukturen. Man ist kleiner und flexibler aufgestellt und die Trainer sind genauer zugeordnet. Bei den Abfahrern wird es aufgrund der Anforderungen etwas anders funktionieren. Zudem möchte Brunner, dass sich die Abfahrer so oft und viel wie nur möglich aneinander messen.

Seine erste Kontaktaufnahme beim Schneekurs im Kaunertal, wo bereits intensiv an Materialabstimmungen gearbeitet wurde, war jedenfalls extrem positiv. „Bei einigen hatte ich sogar das Gefühl, dass man sie bremsen musste“, stellte der Neo-Speedchef schmunzelnd fest.

Brunner ist bewusst, was ihn nach zwei Jahrzehnten höchst erfolgreicher Arbeit in der Schweiz erwartet. „Auch in der Schweiz ist die Abfahrt die Königsdisziplin. Aber das jetzt ist sicher die größte Herausforderung, die es im Skizirkus gibt“, ist dem Steirer aus Oberwölz bewusst. „Die Latte liegt hoch. Aber ich freue mich drauf, sonst hätte ich das nicht gemacht.“ (APA)