Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.06.2017


Ski Alpin

Harte Zeiten für Brem: Zwei Wochen Pause für einen Skitag

Tirols Ski-Star Eva-Maria Brem setzt bei ihrem Comeback-Weg auf ein „Privat-Team“: Ein eigener Trainer soll die 28-jährige Münsterin langsam wieder an die Weltspitze führen. Doch der Weg dorthin ist steinig.

Beim Klettertraining in der Wörgler Halle packte Eva-Maria Brem (M.) mit Ricarda Haaser (l.) und Elisabeth Kappaurer gemeinsam an - ansonsten geht die Münsterin derzeit allein ihrer Wege.

© gepaBeim Klettertraining in der Wörgler Halle packte Eva-Maria Brem (M.) mit Ricarda Haaser (l.) und Elisabeth Kappaurer gemeinsam an - ansonsten geht die Münsterin derzeit allein ihrer Wege.



Von Roman Stelzl

Wörgl – Eva-Maria Brem kriegt sich vor Lachen kaum mehr ein, als sich Teamkollegin Elisabeth Kappaurer im Training mit aller Kraft in American-Football-Manier gegen sie drückt. Und die Laune der 28-Jährigen ändert sich auch nicht, als sie auf den Schenkeln von Ricarda Haaser steht und sich quasi als Vertrauenstest nur mit einer Hand festhält.

„Wer helle Dinge denkt, zieht helle Dinge an“, heißt es auf Brems Homepage – und mit dieser Einstellung war die Münsterin auch gestern beim ersten gemeinsamen Training mit ihren ÖSV-Teamkolleginnen am Werk. In der Wörgler Kletterhalle wurde geklettert, trainiert, studiert, probiert. Und vor allem wurde zwischendurch viel gelacht. Die Situation wirkte so vertraut, sie hätte auch Alltag sein können. Dabei war sie aber eine große Ausnahme.

Für Brem war seit ihrem schweren Sturz im November 2016 (Schien- und Wadenbeinbruch) lange nicht an ein Training mit den Teamkolleginnen zu denken. Lange Zeit musste Brem auf Krücken gehen, konnte nur langsam wieder trainieren. Und erst Anfang Mai erfüllte sich die Ex-Riesentorlauf-Weltcupgesamtsiegerin und zweifache „Österreichische Sportlerin des Jahres“ mit der Rückkehr auf Ski einen Traum.

Es sind kleine Schritte, die die 1,60 Meter große Athletin mit dem unwiderstehlichen Schwung derzeit macht. Und sie macht sie auch nur selten gemeinsam mit dem Team.

Mit Klaus Mayrhofer engagierte Österreichs Ski-Verband einen erfahrenen Trainer, der sich ganz auf Brem konzentrieren soll. Der Niederösterreicher war fünf Jahre für die tschechische Slalom-Spezialistin Sarka Strachova zuständig – nach dem Rücktritt der WM-Dritten von 2015 folgte die Rückkehr zum ÖSV.

„Ich kenne ihn schon vom Europacup her. Die Zusammenarbeit klappt bisher sehr gut“, sagt Brem, die bei der Wahl des Trainers mitreden konnte. Viele Berührungspunkte gab es aber noch nicht. Die Teamweltmeisterin, die schon früher im Sommer gerne ihre eigenen Wege ging, arbeitet vorrangig bei Kondi-Guru Gerhard Außerlechner an der Fitness. An Skitraining mit Mayrhofer ist nur alle zwei Wochen zu denken, dann auch nur für zwei Tage. „Mehr Belastung geht noch nicht. Aber wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Mayrhofer, der drei Ski-Einheiten mit Brem absolvieren konnte.

Von der Fitness her sei die dreifache Weltcupsiegerin bei „80 bis 90 Prozent“, beim Skifahren sehe die Lage aber mager aus. Druck macht sich Brem deswegen aber nicht. „Ich merke von Woche zu Woche die Fortschritte, das ist mir derzeit wichtiger als der Weltcup-Auftakt in Sölden“, sagt Brem.

Kommende Woche will sie nach dem unlängst vollzogenen Markenwechsel in Hintertux an ihrem Schwung feilen. Ob sie dann beim ÖSV-Trainingslager in Argentinien mit dabei ist, wird sich erst im Juli entscheiden. Brem: „Das macht nur Sinn, wenn ich das ganze Programm mitmachen kann.“ Solange heißt es, eigene Brötchen zu backen. Und das möglichst gut, damit auch im ersten Saisonrennen gemeinsam gelacht wird.